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Gewalt und Tod oder: ich erinnere mich an heute vor drei Jahren

Es war ein sonniger, heißer Tag wie heute in München. Ich weiß noch, was ich anhatte damals. Einen schwarz-weiß gemusterten Jumpsuit. Es ist komisch, wie man sich an unwichtige Details erinnert an solchen Tagen. Ich weiß, dass wir uns an dem Tag in der Mittagspause unterhalten haben über Breivik, es war ja der Jahrestag. wie schlimm das war und wie fürchterlich, in so ein Massaker zu geraten. Wir waren uns einig, dass es zum Schlimmsten gehört, was man erleben kann… Ich weiß auch noch, was ich gemacht habe, kurz bevor alles losging. Ich war im Büro im Mona, mit Blick auf den Vorplatz zwischen Olympia-Einkaufszentrum und McDonalds. Kurz vor sechs Uhr war ich unten im Einkaufscenter,  ich wollte noch was fürs Wochenende besorgen, mein damaliger Freund sollte aus Frankfurt kommen. Ich ging auch zum McDonald’s, das war damals ein Pokestop und PokemonGo spielten damals noch alle. Danach ging es wieder hoch ins Büro, eine Kollegin wollte Abschied feiern.

Und dann brach die Hölle herein. Jemand kam schreckensbleich wieder nach oben – es würde drunten geschossen. Ich weiß, es war dumm. Aber ich konnte mir das nicht vorstellen, ging in mein Büro (mit Blick auf den Platz) – und sah Dinge, die ich nicht wiederholen will. Die aber meine Sicht auf viele Dinge, das Leben, den Tod und das, was wichtig ist, für immer verändert haben. Mir war und ist es egal, ob das rechter Terror, islamistischer Terror, linker Terror war. Da wurden Menschenleben ausgelöscht von einem, der nichts mehr zu verlieren hatte. Der so voller Hass war, weil er auch gehasst wurde, der nie irgendwo dazugehörte. Der Münchner Amoklauf, der kein Amoklauf war, sondern eine geplante Tat, ist für mich auch immer die Geschichte einer gescheiterten Integration.

Es ist eine Geschichte von der Unterschiedlichkeit der Menschen. Viele Kollegen waren damals völlig unberührt, kochten cool Spaghetti für uns im Büro Eingeschlossenen und warteten nur, bis sie wieder heim kamen und das gewohnte Leben wieder aufnehmen konnten. Andere hat es so mitgenommen wie mich. Auch wenn ich mich nie in Todesgefahr wähnte, es reichte mir zu wissen, dass andere in Todesgefahr waren oder gerade starben. Wir konnten nicht ins Center sehen und wußten nicht, dass es nur ein Täter war. Wir warteten. Die einen in Gruppen, die anderen allein oder zu zweit. Ein paar arbeiteten weiter. So viel kaltes Blut hätte ich gerne gehabt.

Mich berührt es bis heute. Ich empfinde es eine so sinnlose Tat. Und es ärgert mich, wenn heute zum Jahrestag andere unser Leid nutzen, um ihre politische Agenda wieder weiterzuköcheln. Gegen rechts, gegen links – das ist genau nicht die Message dieses Tages, wenn der Tag überhaupt eine Message hat. Wenn, dann muss es heißen: wir müssen mehr auf uns sehen, uns gegenseitig wahrnehmen mit Hautfarbe, Religion mit unseren Macken und Eigenheiten, unseren liebenswerten Seiten udn den weniger liebevollen. Wir dürfen niemanden ausschliessen, hassen, verachten, damit nicht wieder aus einem traurigen Kind ein wütender Erwachsener wird.

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