Kunst München

Wieviel Humor haben Frauen oder: Polka-Lounge ein neues, weibliches Open Stage Konzept in München

Die Open Stage ist oft der erste Karriereschritt für junge Comedians oder Schauspieler, die den Schritt vors Publikum wagen wollen. Sich ausprobieren, testen, ob Gags zünden, ja, ob man überhaupt ein Talent für die Bühne hat. In München gibt es davon nicht allzuviele, und wenn, dann sind sie fest in männlicher Hand. Über die Gründe könnte man spekulieren, aber es sind vermutlich die gleichen, die Frauen daran hindern, Karriere im Vorstand zu machen oder gleichauf mit den Männern auf der politischen Bühne zu agieren. Deswegen ist es bemerkenswert, dass diese offene Bühne, die Polka Lounge, von einer Frau, Susanne Plassman, ins Leben gerufen wurde. Ab 20. März kann das Publikum in Haidhausen kommende (nicht zwingend junge) Talente oder Untalente auf der Bühne sehen und irgendwann mal sagen: „die oder den hab ich gekannt, als die noch vor 100 Leuten aufgetreten sind“.

polkaSusanne Plassman und ich haben uns über das Thema Frauen und Humor unterhalten.

KH: „Ich (als Frau) glaube, dass Frauen genauso lustig sind wie Männer, aber dennoch sind sie weniger repräsentiert in der Comedy. Ich würde sagen, auf fünf männliche Comedians oder Kabarettisten kommt eine Frau. Wie siehst du das?“

SP: „Das stimmt, leider. Ich verstehe nicht genau warum. Fakt ist, bei anderen Open Stages haben Frauen es schwerer, neben den Männern zu bestehen, die mit viel Selbstbewußtsein auf der Bühne agieren. Oder es wird sehr gönnerhaft gemeint – Hey, das war ja richtig gut, hätte ich nicht von einer Frau gedacht. Ich denke, Frauen werden nach anderen Kriterien beurteilt als nach ihrem Humor. Eine Frau hat Humor, wenn sie über Witze von Männern lacht. Wie bei diesen unsäglichen Morgenshows, wenn der Chefmoderator lahme Witze reißt und es der Job der Frau ist, dazu glockenhell zu lachen.“

KH: Komischerweise sind Frauen auch in der Comedy oft nur die Sidekicks und Stichwortgeber, wie die Lisl Karlstadt oder Gisela Schneeberger…oder bei den modernen Comedyformaten…

SP: Wobei es schon viele Frauen auf der Bühne gibt, Carolin Kebekus, Martina Hill, Hazel Brugger, natürlich Monika Gruber oder Mamma Bavaria Luise Kinseher. Es werden mehr und das finde ich gut – den Trend will ich fördern.

KH: Findest du dich selbst lustig? Ich weiß, das ist eine komische Frage, man findet sich ja selbst immer humorvoll und lustig – wobei, ich kann keine Witze erzählen, ich mache Witze, oft rutscht mir in den unpassendsten Momenten ein Witz raus – wie Groucho Marx sagt: „lieber einen Freund verlieren als eine tolle Pointe nicht loswerden“. Ich liebe den bayerischen Humor von Gerhard Polt oder Monika Gruber. Und mein Lieblingscartoon ist von Gerhard Brinkmann, der hing bei meinen Eltern gerahmt im Treppenhaus, damit ist alles über das deutsche Humorverständnis gesagt.

Humor

SP: „Mein Leben ist immer wieder sehr lustig. Ich liebe es zu lachen. Ich würde sagen, mein Leben wäre wesentlich weniger lebenswert, wenn ich weniger lachen würde. Sorry. Meine Mutter ist sehr witzig. Ich habe eine ganze Soloshow über meine Mutter gemacht. Das ist wirklich das Schönste, was sie mir vererbt hat. Ich habe zwei Schwestern, die ich so witzig finde, dass wir immer wieder nach Luft schnappend vor lachen am Telefon hängen. Ich liebe beide für ihren Humor, ihren Scharfsinn und ihre absolute Albernheit.“

KH: Wie bist du überhaupt auf die Bühne gekommen?

SP: „Ich habe angefangen als Schauspielerin. Eine tolle Ausbildung – und ich war in München und in New York. Kann man wirklich für alles gebrauchen. Mit der zeit fand ich es nur anstrengend, mir schreckliche Dinge vorzustellen: dein Kind ist gestorben. Dein Ehemann verstößt dich. Dein Haus brennt und du bist zum Tode verurteilt. Mir tat nach solchen Tragödien immer das Gesicht weh. Ich wollte immer viel lieber Komödie spielen. Das mach ich jetzt einfach. Und mit der Open Stage erfülle ich mir einen Traum.“

KH: Was willst du anders machen als andere Open Stages?

SP: „Für mich ist eine Offene Bühne, also eine Bühne, auf die alle eingeladen sind, die etwas zeigen möchten, ein Ort, um sich mit Menschen zu verbinden: mit Zuschauern, mit Künstlern, mit Nachbarn. Warum nicht ein bisschen das „wir oben, ihr unten“ aufbrechen, wenigstens nach der Show und so inspirieren, dass alle ein bisschen größer denken? Und, ich lade explizit ältere und weibliche Künstlerinnen auf, mitzumachen. Traut euch! Ich freu mich sehr auf die Open Stage -Leute unterhalten, inspirieren und zusammenbringen sind für mich das Größte! Und ich freu mich schon auf die tollen Künstler, die sich bereits selbst angesagt haben!“

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