Der vielleicht traurigste Tag des Jahres – ab jetzt leben wir alle auf Pump

Der „Worldovershootday“ markiert den Tag, an dem unsere Ressourcen, die wir als Menschheit pro Jahr verwenden dürfen, aufgebraucht sind. Der Tag, an dem wir alle Fische gefangen haben, alle Schnitzel gegessen, alle Avocados bewässert, alle Bäume gefällt, alle Gase ausgestoßen, alle Flüge geflogen – einfach alle erneuerbare Ressourchen bis an die Grenze des Belastbaren ausgereizt. Dieser Tag verschiebt sich immer weiter nach vorne, weil immer mehr Menschen immer räuberischer umgehen mit diesem Planeten. Wir in Deutschland sind da übrigens ganz vorne mit dabei – wenn alle so leben würden wie wir, wären die Mittel schon viel schneller aufgebraucht, schon am 2. Mai. Glücklicherweise gibt es Länder wie Vietnam oder Kuba, wo erst im Dezember Schicht im Schacht ist. (Aber die würden auch gern anders, wenn sie denn könnten) Am Übelsten ist übrigens Katar – wenn alle so leben würden wie der kleine Staat, wäre schon im Februar alles vorbei.

Warum nicht mal in die Sommerfrische statt in die Karibik?

Eigentlich soll der Tag das Bewußtsein schärfen – aber das Problem ist, das Konstrukt ist einfach sehr abstrakt. Wenn am Tag nach dem „Worldovershootday“ hunderte Ferienflieger in den Himmel starten, dann passiert – gar nichts. Keine Regierung macht darauf aufmerksam, wenn jeden Tag Millionen von Businesskaspern durch die Welt fliegen, statt Systeme wie Videokonferenz zu nutzen. Und natürlich wird das 10Milliardste T-Shirt aus China nach Europa geschifft, um die Bedürfnisse der Konsumenten nach Fast Fashion zu befriedigen. Wir Normalos bleiben ein wenig ratlos zurück – wir tun doch schon so viel, oder? Müll trennen, Plastik vermeiden, öfter mal das Rad nehmen, nicht so oft und so weit in den Urlaub fliegen. Alles nett, aber reicht nicht, denn unsere Lebensweise fordert den Planeten maximal. Wir sollten öfter auf Fisch und Fleisch verzichten, stattdessen heimische Gemüse und Obstsorten, nicht Ananas, Papaya, Avocado oder Quinoa, die um den halben Erdball geschippert werden und eine andere Art Monokultur triggern. Und darauf achten, einheimisches Fleisch zu kaufen – dafür wird nämlich nicht der Regenwald in Südamerika abgeholzt. Und , und und…aber: eigentlich ist es supereinfach: Sich anschauen, wie unsere Großeltern gelebt haben. Und bei dieser Lebensweise spicken. Die Uroma ist nämlich nicht täglich zur Schrankbefüllung in die Fußgängerzone gelatscht oder ist zum Einkaufen mit dem schweren SUV vorgefahren. Wir sollten dankbar sein, dass wir es mittlerweile so einfach haben, mit Bügeleisen, Herd, Kühlschrank, Wocheneinkauf und Staubsauger – aber ansonsten einfach wieder ein wenig bescheidener werden würde der Erde guttun. Und uns vielleicht auch.

Ich weiß nicht, ob so eine Zwangsentschleunigung, Zwangsrunterfahren uns gut tun würde – wenn es der Staat verordnet, würde es sicher Aufstand geben. Das hat man ja an dem Veggie-Day in den Kantinen gesehen, den die Grünen durchsetzen wollten. Die an sich schlaue Idee löste einen wahren Sturm der Entrüstung aus. Ich habe keine Ahnung, wie man den Leuten eine ressourchenfreundlichen Umgang mit der Umwelt nahe bringen könnte. Wenn nicht mal der traurige Blick von niedlichen Äffchen oder Bärchen hilft, die gerade rasant aussterben. Die einzige Idee – Influencer und Vorbilder gehen mit gutem Beispiel voran. Aber die tun genau das Gegenteil, alle Stars sind im Sommer auf Riesenyachten in fernsten Erdgegenden zu bewundern, die Influencer auf Instagram propagieren einen gnadenlosen Konsumismus, da sieht es düster aus, auch wenn noch so viele Yoga-Leute auf dieser Plattform rumhüpfen – die machen den Handstand auch in Hawaii…Wer hat eine Idee?

 

Verfasst von

Best Ager über 50. Redakteurin, Bloggerin, PR-Beraterin Infuencer Relations, Twitterfan. Spezialistin für das gute Leben: Nachhaltigkeit, Fair Trade, schöne Dinge aus Manufakturen - if you wanna have a good time, gimme a call

13 Kommentare zu „Der vielleicht traurigste Tag des Jahres – ab jetzt leben wir alle auf Pump

  1. Claudia, sehen Sie, da ist es wieder: Ihre Extreme („zuruecklehen“), um den Wert IHRES handelns begrifflich zu zu erhoehen. Woher kommt denn der Gedanke, dass „oekoligisches handeln“ besser sei als andersweitig produktiv zu sein. Das sind Konzepte einer Generation von Gruenen, die sind gerade mal rund 25 Jahre alt – ein Mikrosekundenbruchteil im Alter unseres Planeten. Windraeder, Elektromotoren und Solarzellen z.B. benoetigen seltenen Erden, die chinesiche halbnakte Kinder mit ihren Fingern aus dem Boden kratzen (ein Windrad enthaelt bis zu 4 Tonnen!), dieren Entsorgung noch voellig ungeklaert ist. Die Erde an sich ist „schmutziger“ als sie der Mensch je machen koennte, wenn Sie sich mal mit Geophysik beschaeftigen. Unterwasser Vulkane speien seit Milliarden Jahren SO2 in die Atmoshphaere und ein einziger irdischer Vulkanausbruch schleudert so viel giftiges Zeug in die Luft, wie alle Industrienationen zusammen ueber 50 Jahre. Diejenigen Menschen die tatsaechlich auf Mutter Gaia aufpassten sind schon alle ausgestorben. Aber wir wollen Ihnen den Spass an Ihrem Oekogaertchen mitnichten nehmen. 🙂

    Wissen Sie WAS das Problem mit den Menschen ist?: Dass sie annehmen immer „etwas tun zu muessen“!

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      1. Meine Mitautoren und ich lieben die Wildnis. Ich lebe seit Jahren in Asien und bezeuge das Verschwinden des Regenwaldes in Zeitraffe, und das sinnlose Wildern fuer chinesischen Heilglauben. Ich kaempfe dagegen, aber ein Aufhalten gibt es kaum. Seltsamerweise waren es die Kriege in Indochina, welche der Natur hier zu einer Verschnaufpause verhalfen.
        HG

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  2. Ein schön trauriger Beitrag, liebe Katrin. Ich denke zum einen, dass wirklich jeder soviel beitragen sollte wie in seiner Macht liegt, also den teuren Ökostrom bezahlen, die gute Reisenthel zum Einkaufen mitnehmen, nicht jede Kiwi in eine Plastiktüte verpacken und nicht für die kleinsten Wege das Auto nehmen…
    Ich fände einen veritablen Ansatz, dass mal alle Unternehmen ihre Jobs auf den Tisch legen und z.B. in der Rhein-Main Region die Arbeitsplätze für gleiche Qualifikationen so verteilt werden, dass man nicht, wie ich, jeden morgen 50 KM one way fahren muss. Fahren mit dem PKW, weil nicht unter 2 Stunden durch Öffis erreichbar.
    Ich weiß, ich weiß…Utopia…aber man kann ja träumen…so lange trenne ich meinen Müll, versuche Plastik zu vermeiden und unterstütze den Einzelhandel vor Ort, zu dem ich ausschließlich zu Fuß gehe.
    Liebe Grüße Nicole

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  3. Zwei Punkte finde ich besonders interessant!
    1. Eigentlich sollte der Tag das Bewusstsein schärfen. Da hast du Recht. Und auch damit, dass nichts passiert. Ich selbst bin nicht so der Mensch, der den ganzen Tag im Internet rum hängt, gestern habe ich einen schönen Nachmittag im Museum verbracht. Durch Zufall habe ich vom Weltüberlastungstag erfahren, nämlich weil in der Tagesschau ein Satz darüber gesagt wurde. Das wars.
    Natürlich soll die Tagesschau berichten und nicht bewerten. Aber bei aller Neutralität hat mir da einfach was gefehlt…
    2. Zwangsumweltbewusstsein ist nicht hilfreich. Darüber gibt es auch einen noch aktuellen Artikel bei einfachnachhaltigbesserleben.blogspot.com Vorher hatte ich da auch nicht drüber nachgedacht, aber logisch ist es doch, dass man Menschen keine andere Lebensweise aufzeigen kann. Freundlich und mit gutem Beispiel voran ist meine einzige Lösung…
    Lg Claudia

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    1. Nein, von Zwang halte ich nichts. Das geht immer nach hinten los. Aber ich hab überlegt, im kommenden Jahr mal eine Aktion am Flughafen zu machen oder in der Innenstadt. Ich bin noch am Nachdenken, was plakativ genug wäre, die Leute zumindest zum Grübeln zu bringen…

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  4. „…Die Uroma ist nämlich nicht täglich zur Schrankbefüllung in die Fußgängerzone gelatscht oder ist zum Einkaufen mit dem schweren SUV vorgefahren.“

    Dieser Vergleich macht keinen Sinn. Dann gehen wir eben 1000 Uromas zurueck – nur ist es nicht die reale menschliche Entwicklung. Die ethische Frage ist, welche Generation erhaelt das Recht allen zukuenftigen Generationen deren eigene Entwicklung vorzuprogrammieren. Die Roten Khmer haben das versucht. Sicher kennen Sie das Resultat.

    Haetten vergangene Kulturen versucht die Entwicklung zu stoppen (was einige Herrscher in der Tat versuchten, z.B. Japan & China) wuerden wir uns heute nicht digital austauschen. Vielleicht koennen zukuenftige Gesellschaften ihre Probleme selbst loesen, durch heute unbekannte Technologien – oder einer Katastrophe, die uns alle ausloescht.

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      1. Wenn Sie unseren Kommentar als Ganzes lesen, erkennen Sie, dass unsere Bedenken wesentlich tiefer gehen. „Optimismus“ ist Ihre Unterstellung. „Etwas tun“ beinhaltet das Problem des WERTES eines Handelns; und durch Tun erwirbt man sich noch keinerlei Rechte auf die Richtigkeit solchen Handelns. Optimismus scheint eher bei ihnen zu liegen, wenn Sie meinen, dass z.B. die Hauptverschmutzer der Ozeane, in Asien durch eine selbstgefaellige Aktion in einer deutschen Fussgaengerzone bewegt werden koennen.
        HG

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      2. Wahrscheinlich werden sie dadurch nicht bewegt, ob selbstgefällig oder nicht. Aber durch nichts werden sie sicher auch nicht bewegt. Und die Hauptverschmutzer leben ja nur auf einem anderen Kontinent, weil der Durchschnittseuropäer nicht bereit ist, einen angemessenen Lohn für seinen Konsum zu zahlen.
        Ob es wirklich richtig ist, was wir uns vorstellen und was wir versuchen, können wir jetzt noch absehen. Aber deshalb wirklich zurück lehnen und gar nichts tun?

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