„Nur wenn etwas nicht funktioniert, muss man es ändern“

Heute möchte ich euch ein besonderes Geschenk machen und ein richtig gut gehütetes Geheimnis lüften – das vermutlich geheimste Promilokal  Münchens….

Das Makassar im Dreimühlenviertel ist sowas wie das bekannteste unbekannte Lokal Münchens. Szenegrößen, deutsche und internationale Prominenz – wer in München was ist, isst im Makassar. Da können sich die Szenelokale in der Innenstadt noch so bemühen, da kommt keins hin.

Woran das liegt? Zum einen ist das Lokal eine Konstante, es gibt Gerichte, die dort seit Beginn – vor 25 Jahren – auf der Karte stehen, und die Gäste toben, wenn sie sich einmal nicht oder in abgeänderter Form finden. Die Küche ist natürlich fantastisch, französisch-kreolisch-exotisch. Tartare de Boeuf, Oktopussalat, Ente in Honig-Senfsauce, cremige Fischsuppe, Crevettes in allen möglichen Zubereitungsarten – obwohl seit 25 Jahren auf der Speisekarte, wirkt die Multikulti-Auswahl der Speisen überraschend modern. Das gilt auch für das koloniale Ambiente, das sich ebenso wenig verändert hat. Gut: wer einmal zeitlos-stilvoll einrichtet, muss nicht immer umdekorieren. Sowas nenne ich nachhaltig. Ich bin gespannt, wie oll der minimalistische Holz-Industrie-Schick, in dem derzeit Smoothies getrunken und Bowls gelöffelt werden, in 5 Jahren wirkt.

Auch ABBA und Samuel L. Jackson waren schon im Makassar

Natürlich sind Ambiente und Küche wichtig – aber das ist es nicht allein. Und das übersehen viele Wirte – leider. Denn der Genius Loci liegt woanders – beim Personal. In vielen Lokalen gibt es kaum wiedererkennbare Kellnerinnen oder Barkeeper – oder auch der Wirt ist für die Gäste nicht greifbar. Das ist ein Riesenfehler – gutes Personal kostet zwar Geld, aber kann absolut entscheidend sein, ob aus Gästen Stammgäste werden. Oder eben nur Eintagsfliegen. Im Makassar hängt alles am Personal. Oder besser, an den Besitzern, Roger Baranda und Roland Dimpfl. Roger kümmert sich um die Küche. Er ist der stillere Teil des Duos. Der Koch hatte vor seiner Gastronomenerfahrung in München Abenteuerlicheres erlebt und schon Jacques Cousteau auf dessen Schiff bekocht (daher die weltläufige Küche und der Name Makassar, der sich von einer berühmten Schiffstrasse ableitet).

Roland Dimpfl bedient im Makassar

Roland betreut den Service. Und wie. Ich kenne niemanden, der auf eine völlig natürliche Art so herzlich ist wie Roland. „Ein Abend im Makassar, das braucht ein bisserl Vorbereitung: wir nehmen nur Bargeld, man sollte reservieren und Zeit mitbringen. Wir liegen nicht mitten in der Innenstadt, sondern sind nicht so einfach zu erreichen. Für unsere Gäste ist ein Besuch meist etwas Besonderes und diese Wertschätzung wollen wir ihnen zurückgeben“, erklärt Roland. Er erläutert das mit einem Bespiel: „ein Münchner Spitzenmanager mit seiner berühmten Frau sitzt immer nur da und wälzt Geschäftspapiere – denen ist das Ambiente völlig egal. Die bekommen einen Tisch hinten, aber neulich kam ein Enkel, der seine Oma ausgeführt hat, ganz stolz – die haben natürlich den besten Tisch bekommen.“ Promi sein ist völlig egal im Makassar – vielleicht kommen deswegen Leute wie Samuel L. Jackson, Brad Pitt, Teile von ABBA oder andere Celebrities, wenn es sie einmal nach München verschlägt, gerne dorthin? Die Promis geben die Adresse weiter – Paparazzi und Selfiejäger sind nicht da und auch unerwünscht. Postkarten mit Autogramm an der Wand oder gar Selfies mit den Stars liegen hier fern. Warum auch? „Die freuen sich, einmal behandelt zu werden wie ganz normale Menschen“, so Roland.

Eröffnung im Glasscherbenviertel

Terrasse des Makassar auf der Dreimühlenstrasse

Der Start des Lokals war ein Wagnis, vor 25 Jahren war die Dreimühlenstrasse keine begehrte gentrifizierte Luxusadresse, sondern das Glasscherbenviertel hinter dem Schlachthof. Roger zog dafür aus einer Seitenstrasse der Maximilianstrasse aus seinem Lokal Madrigal aus. „Und die Gäste machen so eine Wanderung nicht mit, das muss man erst wieder neu aufbauen“, erklärt Roland Dimpfl. Der Umzug glückte und seitdem -25 Jahre jetzt – ist das Lokal unverändert. „In der Gastronomie wird viel erzählt, warum man immer mal wieder sein Konzept ändert. Aber die Wahrheit ist: nur, wenn etwas nicht funktioniert, muss man es ändern. Ansonsten stößt man die Gäste eher vor den Kopf“.

Roland Dimpfl

Damals, kurz nach der Eröffnung, hab ich die beiden auch kennengelernt, über meine Freundin Sandra Steffl, die mit Roland in einer Revue von Thomas Hermanns auftrat. Er hatte damals übrigens den Künstlernamen Bubi Bordell – das spricht Bände…Roland ist eine Naturgewalt, mit wenigen Leuten kann man so viel lachen und Spaß haben. Ich erinnere mich an einen Abend mit Tour durch höchst zwielichtige Stripclubs in München oder beim Klau von Heliumballons auf Szeneparties (um nachher mit eingeatmetem Helium zu singen) – ich bin sehr froh, ihn zu kennen. Mit ihm ist es immer lustig und schön – er weiß einfach, wie man Leuten eine gute Zeit bereitet. Deswegen wird es das Makassar solange geben, solange er darin der Gastgeber ist. Auch schön: Trotz Stress und Fulltime Job im eigenen Lokal engagiert er sich für die Münchner Flüchtlingshilfe oder andere karitative Projekte. Und sorgt dafür, dass auch die gut behandelt werden – für ihn ist eben jeder Mensch ein Star – und das macht ihn für mich zu einem Star des Alltags.

 

MAKASSAR – Bar – Restaurant
Dreimühlenstr. 25, 80469 München
Tel 089/776959 – Fax 089/74665441

Verfasst von

Best Ager über 50. Redakteurin, Bloggerin, PR-Beraterin Infuencer Relations, Twitterfan. Spezialistin für das gute Leben: Nachhaltigkeit, Fair Trade, schöne Dinge aus Manufakturen - if you wanna have a good time, gimme a call

Ein Kommentar zu „„Nur wenn etwas nicht funktioniert, muss man es ändern“

  1. Witzig! Erst kürzlich habe ich mich gefragt, ob es das Makassar noch gibt. Vor vielen, vielen Jahren war ich dort und lange nicht mehr. Da muss ich wieder hin! Vielen Dank deshalb für den Beitrag.

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