Hilgerlicious – Luxus ist unsere Natur

Alles, was das Leben schön macht – aber nachhaltig!

Die diskriminierte Mehrheit

Welche Frau kennt diese Frage, nein, den Stoßseufzer nicht: „Ich wünschte, das gäbe es auch in meiner Größe!“ – Kleider, Hosen, Sakkos, Blusen: die meisten Kleidungsstücke gibt es nur bis Größe 42. Und selbst bei Größe 42 ist, wenn die Mode nicht gerade Oversize bevorzugt oder ein Stretchanteil drin ist, einfach wenig Platz für Busen, Hintern, Schenkel oder ein Bäuchlein – kurz, weibliche Formen. Die sind nicht vorgesehen. Da spindeln die Blusen am Busen, Reißverschlüsse gehen nicht zu und Röcke spannen ganz unvorteilhaft.

3d gedrucktes Kleid von Uniqlo, Kette von Guido Maria Kretschmer für christ

Das mussten wir jetzt wieder erleben, als wir auf den Münchner Ordermessen nach schönen Labels für unser Plus-Size-Startup Lovely Curves suchten. Auch wenn sogar Heidi Klum Plus-Size Models bei sich in der Sendung hat, bei den Herstellern scheint dieser Trend noch nicht angekommen zu sein. Was heißt denn Trend? Über 50 Prozent aller deutschen Frauen tragen 42 und mehr – das ist wohl die diskriminierteste Mehrheit der Gesellschaft. Über 50 Prozent, für die es Bekleidung gibt, aber noch immer zu wenig wirklich Modisches. Nicht, weil sie nicht wollen, was einige unterstellen, sondern einfach, weil sie es nicht kaufen können. Das bringt auch Vertiebler und Händler zum Haareraufen:  „Wir könnten davon so viel verkaufen“, seufzen viele Agenturmitarbeiter, die dort auf der Supreme und der Premium ihre Labels anbieten. „Aber die Hersteller machen das einfach nicht. Es ist ein riesiger Markt und keiner scheint ihn bedienen zu wollen. Wir fragen immer wieder nach und immer wieder gibt es nichts.“ Warum ist das so? Es gibt diverse Erklärungen: zu komplizierte Schnittmuster bei Plus-Size, die Mode stammt aus Ländern, in denen die Bevölkerung kleiner ist, etc. Aber wir glauben, es ist eine Imagefrage: Viele Marken und deren Designer wollen nicht, dass rundere (ab 42!!!!) Frauen ihre Kleidung tragen. Das haben wir mit Abstand am häufigsten gehört. Man will nicht den Stempel abbekommen, dieser unhippen Klientel entgegen zukommen. (Achtung Ironie). Plussize Frauen sind also ein Imageschaden. Wie krank ist das denn bitte??? Da lassen Marken und Einzelhandel auch lieber Millionen (vermutlich sogar Milliarden) an Umsatz liegen, als sich auf die neuen, selbstbewussteren Frauen einzustellen. Und der Trend zu Plussize Models verpufft…

Ich bin ziemlich sicher, das Elend hat bald ein Ende. Schon jetzt wird in der Fashionbranche emsig mit 3D-gedruckten und damit individuell anpassbaren Kleidern experimentiert. Bald kann man sich sein Traumkleid zentimetergenau drucken lassen. Und bis es soweit ist, bekommen wir die Zeit auch rum mit den Labels, die fair zu uns sind und passende Mode bereitstellen, nicht nur Bekleidung.