Vom Luxus, ganz frisches Gemüse zu kriegen

Nandlstadt liegt hinter Freising. Trotzdem hat das kleine Dorf bessere Öffnungszeiten als die Großstadt München. Rund um die Uhr kann man sich dort mit allerfrischestem Biogemüse versorgen. Eine Tatsache, die mich gelb vor Neid werden lässt. Wie das geht? Es gibt dort den Naturgarten Schönegge, einen Biobauernhof, auf dem die Leute auch in der Nacht noch selbst ihr Gemüse auf den Feldern oder den Glashäusern ernten können. Bezahlt wird an der Waage in eine Einwurfkasse nach Treu und Glauben. Und das funktioniert, wir sind ja auf dem Land. Selbst im November sind Feldsalat, Wirsing, Rüben, Rote Beete und Kürbisse zur Abholung bereit. Tagsüber ergänzt ein Bioladen auf dem Hofgut das Angebot. Wer es bequemer haben will: der Naturgarten liefert auch Kochkisten mit einer Auswahl frischer Gemüse und Obst aus.

Ich beneide die Landbevölkerung um diese tolle Möglichkeit, aber auch um die Qualität des Gebotenen. Sowas bekommen wir nur bei Käfer oder Dallmayr – Luxus pur!  Wie gut das Biogemüse schmeckt und wie man es für den Winter konserviert, das durfte ich zusammen mit anderen Bloggern auf der „Expedition Wintergemüse“ des Landwirtschaftsministeriums erleben. Zusammen mit den Biospitzenköchen haben wir Marmeladen eingekocht, Chutneys gewürzt, Gemüse Sous Vide gegart, Saft gepresst, Chips getrocknet, Suppen oder Beilagen haltbar gemacht. Einen Einblick bekommt ihr hier im Video, die Rezepte am Wochenende im kommenden Artikel. Schaut einfach nochmal rein, es lohnt sich!

Was ich echt interessant fand: Was eigentlich alles auch im Winter bei uns regional wächst. Das sind nämlich nicht nur rote Beete und Steckrüben. Wintergemüse haben in den vergangenen Jahren ein Comeback erlebt-vor allem im Naturkosthandel. Und es gibt gute Gründe, auch im Winter heimische Gemüsesorten zu essen: man unterstützt die regionale Landwirtschaft und schont dank kurzer Transportwege die Umwelt und das Klima. Grünkohl, Wirsing, Topinambur und Steckrüben sind tolle Gemüse, mit denen fantastische Gerichte zubereitet werden können. Aus Topinambur haben wie eine samtige Suppe gekocht, ich mag ihn mit Salbei überbacken, Wirsing mit Speck und ein bisschen Sahne, und den Grünkohl eher asiatisch gewürzt und bitte ohne Pinkel.
Erstaunliche Zahlen, die ich eigentlich nicht ganz glauben kann: Mehr als jeder Zweite der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland legt übrigens ausschließlich oder häufig Biogemüse in den Einkaufskorb. Rund 26.800 Biohöfe gibt es in Deutschland. Hier wird Bio aus Überzeugung angebaut, um im Einklang mit der Natur die natürliche Vielfalt, die Umwelt und das Klima zu schützen.
Biogemüse bedeutet bio von Anfang an
In Deutschland wächst Biogemüse auf 9,4 Prozent der deutschen Gemüsefläche (Glyphosat strengstens verboten!), 21 Prozent der Gewächshausfläche ist biozertifiziert. Nicht nur die Aufzucht, auch das Saatgut unterliegt im Biolandbau strengen Kontrollen. Nach Möglichkeit stammen die Samen von biologisch gezogenen Pflanzen. Das Team Naturgarten Schönegge stellte bereits 1983 den Gemüsebau auf biologische Wirtschaftsweise um und trat dem Anbauverband Naturland bei. Es ist Anliegen der Gemeinschaft, ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel zu arbeiten. So soll die Natur geschont werden, aber auch der Lebensbereich der Hofgemeinschaft.
Vom Kindergarten zum Meerschweinchenparadies
Der Naturgarten ist mehr als ein Bauernhof. Auf dem Gelände ist ein Kindergarten entstanden, zu dem ein riesiges Meerschweinchen- und Hasenparadies gehört. Die Kinder übernehmen die Pflege der Tiere und lernen spielerisch Verantwortung. Der Kindergarten ist ein herrlicher Spielplatz mitten in der Natur – und dass das Essen top ist, muss ich nicht erwähnen, oder? Zusätzlich wird eine Klasse einer Förderschule auf dem Hof unterrichtet, den behinderten Kindern tut der Umgang mit der Natur gut und hilft ihnen, ihren Alltag zu strukturieren. Es gibt Pferde, die werden von den Kindern gepflegt und versorgt. Wunderschön – mich hat der Naturgarten tief berührt und mir gezeigt, es geht, wenn man will. Wenn jemand nicht maximalen Profit sondern maximales Wohlbefinden aller Beteiligten in den Vordergrund stellt, können fantastische Dinge entstehen!

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