München – Stadtrundfahrt mal anders

München: was kennen die Touristen? Marienplatz, Glockenspiel, Hofbräuhaus und schnell noch zu Dallmayr auf einen Kaffee. Abgehakt und weiter geht’s zu Europa in zehn Tagen. Dabei hat unsere schöne Metropole so viel mehr zu bieten. Die Isar mit ihren renaturierten Ufern, der traumhafte Englische Garten mit Schafherden im Nordteil und so idyllischen Ausblicken, dass man sich mitten in einem Rokokogemäde wähnt.  Eine Riesenmenge großartige Lokale mit den Küchen aller Welt, die tollsten kleinen Läden in der Barer und Türkenstrasse…

Und dann gibt es noch, das wissen manchmal nicht mal Einheimische, auch etwas wildere, schmutzigere, unangepasstere Ecken.  Die zu entdecken kann sich lohnen. Deswegen war ich sehr begeistert, als ich in meinem Postfach eine Pressemitteilung zu eine alternativen Stadtrundfahrt namens HeyMinga  bekam. Das musste ich gleich ausprobieren! Und ich kann sagen, ich fand die Fahrt gelungen,  auch ich konnte Neues entdecken. Und das will schon was heißen. Sehr süß und liebevoll gestaltet ist Gerti, ein antiker VW-Bus, in dem maximal acht Personen 2,5 Stunden lange die Reise doch ein anderes München antreten können.  Es gibt Decken und – mein Tipp für den Winter – je weiter hinten man sitzt, umso wärmer wird es!

Wir waren an diesem Samstag acht Leute, die gespannt lauschten. Hamburger, ein Pärchen aus Lindau. Eine Studentin mit ihren Eltern. Sehr nette Truppe. Geführt wirrd die Gruppe von Saskia, einer Architekturstudentin, die auch den Bus durch München steuert. Alles startet am Container Gelände hinter dem Ostbahnhof. Dieses Gelände, auf dem Boden der ehemaligen Pfanni Werke und des Kunstparks Ost Ist mittlerweile ein extrem vielversprechendes Projekt, mit Coworkingspaces, mit Urban Gardening, geheimen Dachterrassen, Künstlerwerkstätten und Galerien –  und natürlich jeder Menge Gastronomie. Auch viele Münchner kennen das Gelände noch nicht, hinter dem sich bald (?) die neue Philharmonie erheben wird.  Ich bin schon gespannt, welchen Einfluss die Philharmonie hier im uncoolen, eher häßlicheren Osten Münchens auf die Stadt Entwicklung haben wird…

Von Container Gelände ging es nach Haidhausen, in die Preysingstraße. Dort stehen noch die alten Handwerkshäuser, einst Zeugen der Armut der Bevölkerung dort, mittlerweile prestigeträchtige Wohnobjekte in der Stadt. Die Preysingstrasse ist fast ländlich an einem Ende. Im Frühling,  wenn die Kirschbäume blühen, ist es vielleicht die schönste Straße der ganzen Stadt. Dann unbedingt in das Klösterl oder den Preysinggarten zum Frühstücken gehen – perfekt..

Weiter ging’s, vorbei an Friedensengel, Maximilianeum und dem Kunsttunnel an der Prinzregentenstraße ins Lehel.  Dort hält der Bus, es gab Plätzchen, Glühwein, Münchner Craft Bier von Giesinger Erhellung und diverse Sorten Softdrinks.  Wir wanderten auf den Monopteros.  Und jetzt kommen wir zum negativen Punkt der Tour.  Sie startet ihr nämlich um 16:00 Uhr abends. Das mag im Sommer o. k. sein, aber im Winter ist es um diese Zeit dunkel, was den Sinn einer Stadtführung doch ein bisschen mindert. So konnten die Touristen vom Monopteros auch nur die Lichter der Stadt sehen und die Kirchen, die angestrahlt  werden. Das fand ich ziemlich schade. Die  Touren sollten wesentlich früher beginnen.

Der Bus fuhr dann weiter an den Pinakotheken vorbei ins Bahnhofsviertel. Ja, auch in München kann Multi-Kulti. Leider wurden keine einzelnen Dönerläden oder andere Spezialitäten Shops empfohlen. Zum Beispiel der Fire Dragon an der Paul-Heyse Straße, der authentische Feuertöpfe serviert, oder der winzige Sarajewo-Imbiss an der Paul-Heyse 23, wo seid Jahrzehnten nichts anderes als Cevapcici zubereitet werden. Man hat die Wahl zwischen einer kleinen und einer großen Portion, das ist alles. Reicht auch. Ich werde demnächst eine kleine Liste mit empfehlenswerten Imbissen in München hier auf dem Blog stellen. (Das wäre auch noch ein Tipp für die Stadttouren, so hätten die Touristen noch mehr von HeyMinga. Wenn schon Alternative Stadtführungen, dann vielleicht mit etwas mehr Hintergrund und mehr konkreten Tipps zum Nachlesen und Ausprobieren ) Die vorletzte Station war das Schlachthofviertel mit dem Weihnachtsmarkt auf dem Viehhofgelände. Der ist übrigens eine wunderbare Alternative zum mittlerweile hoffnungslos überlaufenen  Tollwood. Zum letzen Mal hielt der Bus in Untergiesing, Kleinvenedig an der Mondstrasse. Hier war ich auch noch nie gewesen, eine wunderschöne Ecke, die ich im Sommer unbedingt noch einmal mit dem Fahrrad erkunden möchte. Hier wurde die Gruppe entlassen, nicht der beste Ort wie ich finde, außer man würde den Leuten ganz konkrete Empfehlungen mitgeben. So viel gibt es dort nicht, vor allem in einer kalten Winternacht ist eine „Herbergssuche“ legendär unangenehm…Aber wie gesagt, die Gastro- Tipps haben mir im allgemeinen ein bisschen gefehlt.

Alles in allem für 39 Euro pro Person überaus empfehlenswert, liebevoll gemacht und durchdacht. Aber HeyMinga müsste die Tour definitiv mit mehr Tipps und Lokalempfehlungen abrunden und im Winter die Abfahrtszeit deutlich früher legen.https://www.heyminga-touren.com/

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s