Wichtiges Thema: der Verlust und das Bewahren der Geschichte

Ich mache mir seit längerem Sorgen. Sorgen darum, dass Wissen, das seit den Jahrhunderten der Renaissance gesammelt und erhalten wurde, bald nicht mehr existiert. Natürlich ist es noch da, archiviert in den Bibliotheken, präsent in brotlosen Studiengängen oder als Frage in Quizsendungen oder im Kreuzworträtsel. Aber wer kennt noch die griechischen und römischen Sagen, wer weiß, um was es bei Parzival oder dem Nibelungenlied geht? Irgendwelche Fetzen sind bekannt, Drache, Siegfried, Lindenblatt, Schatz im Rhein und so…aber die Sage würden nur noch wenig zusammenbekommen. Genauso die europäische Geschichte vor den Weltkriegen. Wer weiß noch von den deutschen Kaisern, vom 30jährigen Krieg oder gar die Geschichte unserer Nachbarn? Wer weiß, wie Dampfmaschinen funktionieren, wer kennt die Sätze des Pythagoras?  Vielleicht ist es einfach nur natürlich, in einer Zeit, in der täglich neue Erkenntnisse gemacht werden, wo täglich neue, disruptive Erfindungen gemacht werden, dass das alte Wissen einfach nicht mehr so wichtig ist. Schade ist es trotzdem. Ich denke, wenn wir unsere eigene Geschichte und Kultur nicht mehr wertschätzen, dann verlieren wir uns. Und unsere Geschichte seh ich nicht nationalistisch, sondern europäisch.

Blick auf den Tempelberg mit Klagemauer und Felsendom  in Jerusalem

In anderen Ecken der Welt geht nicht nur das Bücherwissen verloren, sondern auch die Zeugen der Geschichte, die bei uns noch liebevoll bewahrt werden. In manchen Ländern ist das kulturelle Erbe einfach egal, die Regierung hat nicht genug Geld, ihren geschichtlichen Reichtum zu bewahren, oder – viel schlimmer – religiöse Geiferer hauen die Monumente kurz und klein, weil sie ihnen nicht in ihre Ideologie passen. Wer unsere Geschichte kennt, weiß, dass fast jedes Land mal so eine Bilderstürmerphase hatte: die Briten unter Cromwell, Deutschland während der Reformation, Frankreich bei der Revolution, als die Jakobiner alles vernichteten, was sie in die Hände kriegten. Und jetzt, als prominentestes Beispiele,  Syrien oder Afghanistan, wo irre Islamisten die Bilder der antiken Götter platt machen, wie Kinder Sandburgen zerhauen. Um auf diese schrecklichen Vernichtungen aufmerksam zu machen, sendet History Channel ab 26. November die Guardians of Heritage, eine dreiteilige Dokumentation zum Verlust unseres Weltkulturerbes. Wer sich grausen will, hier eine Auflistung der übelsten Zerstörungen

Ich habe die Sendung noch nicht gesehen, aber ich finde die Idee wichtig. Die Schauspieler, die dieses Projekt bewerben und selbst mitmachen, sind gut gewählt. Hannes Jänicke und Ulrike Folkerts kenne ich als engagierte Aktivisten, Christian Berkel hat als Sohn einer jüdischen Mutter einen ganz anderen Zugang zu Jerusalem und den Konflikten rund um dieses umkämpfte Erbe. Leider ist History ein Pay TV Sender, aber vielleicht kommt die Dokumentation auch irgendwann in der ARD. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ein Kommentar

  1. Hallo!
    Ja, es schmerzt, Kulturgegenstände jeder Art und materielle Zeitzeugen zerstört zu sehen. Vielleicht muss man es aber als TEIL der Kultur sehen, dass Menschen bauen und eben auch zerstören. Im philosophischen Sinne, sind die Trümmer wie auch die erhaltenen Werke unser Erbe und Zeugnis – ein Trostpflaster 🙂

    Gefällt 1 Person

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s