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Ein offener Brief an Burda – Blogs sind was wert!

Ich hab in der W&V einen Artikel gelesen, der mich mal so richtig sauer hat werden lassen. Es ging um Burda, die nun mit einiger Verspätung auf den Influencerzug aufspringen wollen und Marken ihre Dienste anbieten – eine Kombination aus teuren Großinfluencern ala  Caro Daur und einem Heer unbezahlter Microinfluencer. Das ist auf so vielen Ebenen verkehrt, dass es schwerfällt, anzufangen. Deswegen starte ich mit dem ersten Satz „Micro-Influencer sind kostenlos und überzeugungsstark.“ – Ja, was denn nun? Wenn sie wertvoll und überzeugungsstark sind, warum bezahlt man sie dann nicht? Microinfluencer werden mit Produkten beschenkt, die sie dann rezensieren „dürfen“. Auf ihren Testblogs, auf Facebook oder Instagram. Werden dann demnächst die Journalisten im Hause Burda auch mit Fresspaketen entlohnt? Vermutlich nicht… Aber mal ganz sachlich: Müssen diese Micros dann eigentlich immer positiv schreiben, damit sie im Pool von Burda bleiben dürfen? Was ist, wenn jemand davon das Produkt verreißt?  Vermutlich machen sie das nicht, weil eine schwarze Liste gefürchtet wird – aber wie viel Wert haben dann die Jubelrezensionen noch? Meint Burda, das fällt nicht auf, wenn Leute jedes Billigparfum in den Chanelhimmel loben? Das ist kein echtes Feedback, kein Earned Content. Und nochmal: warum soll die Arbeit, die sich so ein Microinfluencer macht, nicht entlohnt werden? Da werden Tests gemacht, Fotos geschossen, ein Posting erstellt. Das ist Arbeitszeit, die bezahlt gehört – und zwar mit mehr als einer Flasche Shampoo für 3,45.

Das Geld wandert in einen anderen Topf – zu den großen Influencern auf Instagram, die mit Millionen Fans 5000 Euro pro Posting einstreichen – es fragt sich, wie lange deren Fans das noch mitmachen, wenn sie in jedem zweiten Bild dann eine Marke in die Kamera drücken. Gut, deren Fanbase ist extrem jung und unkritisch…womit ich beim nächsten Problem bin: sind diese 8 -18jährigen pubertierenden Mädchen und Jungs überhaupt die Zielgruppe? Wenn Hausfrauentestblogs und Caro Daur das gleiche Produkt bewerben, erscheint mit die Schnittmenge der Zielgruppe sehr, sehr klein. Ist sowas egal? Aber Burda wird sicher seine Marktmacht im Celebritybereich ausnutzen und denen von ihnen gefeatureten Influencer breiten Raum in ihren Magazinen bieten. Sie wären dumm, wenn sie es nicht nutzen würden. So pusht sich das System selbst…

Und nun zum meiner Meinung nach wichtigsten Punkt: Wo bleibt eigentlich die Mitte? All die Blogs wie der meine hier, die Artikel schreiben, die sogar ein paar Tausend Leser im Monat interessieren, hier zum Beispiel zwischen 15 -23.000. Das ist eine kleine Fachzeitschrift. Da bin ich stolz darauf. Aber ich bin sicher kein Macroinfluencer. Wir, so weiß der Artikel, sollen mit wertvolleren Produkten abgespeist werden. Aber immer noch Produkte zum Rezensieren. Kein Geld. Das halte ich für fatal und völlig falsch. Denn gerade wir mittleren Blogger können wertvolle Beiträge leisten. Texte schreiben, die die Unternehmen auf ihren Kanälen verwenden können, wertvolles Feedback, was besser gemacht werden kann beim Produkt. Aber das geht nur, wenn man uns ernst nimmt und als Partner auf Augenhöhe sieht.  Und nicht als Almosenempfänger. Es ist eine massive Entwertung unserer Arbeit, wenn man nur Instagramern oder Youtubern mit Milionen Followern überhaupt eine Entlohnung zubilligt. Da hat jemand das Business so überhaupt nicht verstanden, das es schon weh tut. Und ruiniert so die mühsam bei Firmen aufgebaute Erkenntnis, dass Blogger was wert sind. Vor allem die in speziellen Nischen unterwegs sind: Mamablogger, DIY-Blogger, Foodblogger, Nachhaltigkeitsblogger. Irrelvant laut Burda…da würde ich mich mit deren Expertin Nina Zimmermann zu gerne mal unterhalten.

Wie seht ihr das? Ich freue mich über Kommentare – vor allem von Frau Zimmermann!