Hilgerlicious – Luxus ist unsere Natur

Alles, was das Leben schön macht – aber nachhaltig!

Warum das Problem mit der AFD hausgemacht ist

Es ist alles vermutlich schon mal gesagt worden. Aber ich hatte nach dem Kanzlerduell oder -Duett das Bedürfnis, mich auch zur politischen Situation zu äußern. Denn immer wieder bestimmt eine Kleinpartei das, was im Wahlkampf passiert. Die Übermacht der Themen beim Kanzlerduell waren überraschend die Themen der AfD. Damit hätte ich nicht gerechnet. Auch sonst beschränkt sich die politische Debatte häufig darauf, dass die AfD unbedingt verhindert werden müsse.  Muss sie? Egal wie viel Krawall dagegen gemacht wird, die werden mittlerweile zwischen 8-10 Prozent einfahren – wenn es richtig übel läuft, sogar mehr. Das kann man jetzt doof finden oder sich überlegen, woher das kommt.  Ich sage, je lauter das Getöse gegen sie, umso stärker werden sie. Klar, ich kenne viele, die sagen, sie wollen nicht schweigen, sie wollen aktiv dagegenhalten. Das ist ehrenwert, aber ich bin überzeugt, sie erreichen genau das Gegenteil. Und wenn ich mit meinem Verhalten die Sache, die ich verhindern will, sogar noch befeuere, dann lasse ich sie. Da bin ich pragmatisch. Mich stört vieles an der AfD, dass es Menschen sind, die ihre Anhänger manipulieren, die genau wissen, wie man Öl ins Feuer gießt. Das hätte nicht sein müssen – man hätte nur kein Feuer anzünden dürfen.

Die Partei ist der Geist der vergangenen Weihnacht, selbstgemacht durch eigene Fehler. Wir erinnern uns, das waren mal die Eurogegner, die Luxuslobby für Reiche. Das war ihr Programm, dann haben sie sich zerstritten und waren am besten Weg, den Pfad zu beschreiten, den die Piraten gegangen sind – ins politische Nirwana. Dann kamen die Flüchtlinge und aus den Eurogegnern und den Gegnern der Griechenlandrettung wurden die Gegner der Flüchtlingswelle. Das war von der parteipolitischen Sicht her schlau, denn nun hatten sie ihr Alleinstellungsmerkmal. Sie sprachen aus, was niemand anderer sagen wollte/sollte/durfte. Ein super toller Artikel hierzu findet sich auch in der NZZ. Die neue Züricher Zeitung empfiehlt sich sowieso für alle, die nicht völlig verdummen wollen – viele, darunter auch der sehr kluge Werner Steckmann, von dem ich den Link habe – nennen die Zeitung schon „das neue Westfernsehen“. Da ist was dran – und das ist bitter.

Dabei hätten die Parteien nur einmal etwas sein müssen, was sie selten sind: ehrlich. Das wäre anfangs nicht schön gewesen, aber im Nachhinein leichter. Und wir hätten jetzt kein AfD-Problem. Die Grünen mit ihrem „wir bekommen Menschen geschenkt“ haben das vielleicht wirklich ernst gemeint. Aber die Union und die SPD sind sehr realistisch. Sie hätten der Bevölkerung mehr Grips zutrauen müssen. Klar kommen bei über einer Million nicht nur lammfromme Leute in Land. Natürlich stammen die alle aus einer anderen Kultur, sind teilweise antisemitisch und haben teilweise ein anderes Wertesystem. Natürlich gibt es viele, die nicht besonders gut ausgebildet sind. Natürlich waren alle am Anfang mit der Situation heillos überfordert. Natürlich gab und gibt es darunter Leute mit zutiefst mittelalterlichen Ansichten. Wenn die Regierung das zugegeben hätte – „ja, wissen wir, aber wir schauen, was wir tun können, wir entwickeln einen Plan gemeinsam mit euch und den Kommunen (wir haben noch keinen), wir halten euch auf dem Laufenden und lassen das nicht weiter aus dem Ruder laufen“. Damit hätten die Leute gut leben können – vor allem, wenn man sie aktiv informiert hätte.

Ich behaupte, nicht die Flüchtlinge haben die Deutschen so fuchtig gemacht, sondern die Lügen und der Aktionismus drumrum. Die Schönrederei, die ja blieb, auch als die ersten Schwierigkeiten kamen. Es war ein Fehler, Probleme, die ganz normal sind in so einer Situation, nur zaghaft ansprechen zu dürfen. Denn das Beschönigen hat nur denen geholfen, die es umso ekelhafter aufbauschen konnten. Je mehr die eine Seite relativierte und beschönigte, umso mehr drehte die andere Seite hohl. Wer Probleme nicht anspricht, der kann auch keine Diskussion um die Lösung starten. Zurück bleiben die, die vereinfachte Parolen auf Facebook und Twitter plärren.

Es wäre auch alles besser gewesen, wenn die Behörden und Institutionen – weil sie Angst hatten, als Rassisten zu gelten – allzu milde mit wirklichen Straftätern umgegangen sind. „Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich“ – dieser Grundsatz hat nicht gegolten. Da wurde alle möglichen Entschuldigungen für teilweise furchtbare Straftaten gefunden, das hätte nicht passieren dürfen. Realistisch, fair, offen und optimistisch – ohne Übertreibung. Klare Aussagen und dann klare Kante: „wir schützen alle, die friedlich hier leben wollen und hier zum Gemeinwohl beitragen wollen.“ Das wäre richtig gewesen. Wir haben selten politische Probleme, aber wir haben sehr oft Kommunikationsprobleme. Weil die Politik bestimmte Wahrheiten dem Bürger nicht zumuten will. Die Leute werden ungern verarscht – weder von den Politikern noch von einer kleinen Minderheit, die sich das Chaos zunutze gemacht haben und nun für Randale sorgen – auf Kosten aller anderen Menschen hier. Jetzt sagen das auch Politiker im Wahlkampf, Lindner oder Schulz (und ja, auch Seehofer) – aber jetzt ist es fast zu spät.

Die Deutschen sind ein spendenfreudiges, hilfsbereites Volk. Wenn man ihnen das richtig und ehrlich erklärt hätte, dann hätte die Politik auf den Rückhalt zählen können und die Braunen hätten keinen Stich gemacht, ein paar ewige Krawaller ausgenommen. Wir haben genug Themen, die man nicht den Flüchtlingen anlasten kann…etwa wenn Großkonzerne hier Steuern bezahlen würden, wie sie es sollten, könnten wir alles aus der Portokasse bezahlen!  Wir haben dank Schröders Agenda 2010 eine sich rasant öffnende Schere, arme Rentner (wo bleiben die Steuern von Amazon, Apple, Starbucks und Google?), wie steuern in eine Pflegekatastrophe, wir sind nicht auf dem neuesten Stand bei der Verkabelung, bei digitalen Themen…aber das geht alles unter in der Diskussion, die eigentlich längt geklärt sein müsste.

Wie seht ihr das alles?