Adé Pool – ein Stück Münchner Kultur macht dicht

Boutique Pool- ein Stück München geht dahin

Es ist ein Jammer mit den Mieten in München. Höher und höher steigen sie, wie eine Flut – und den Normalverdienern steht das Wasser bis zum Hals. Doch auch für die Besserverdienenden geht es allmählich nass rein. Denn die Mietenflut spült auch viele Geschäfte und Lokale weg, die irgendwie nicht wegzudenken waren aus der Stadt.

Das Tambosi zum Beispiel „Was ist der Odeonsplatz ohne die Leute, die alle aufgereiht vor dem Tambosi sassen und das Geschehen auf dem Platz beobachteten wie eine Theateraufführung?“, meinte neulich ein Bekannter. Recht hat er. Er erzählte auch, dass der Segafredoladen am Rindermarkt den Mieten weichen muss. Es ist zum Heulen…

Die Multibrand Boutiquen machen reihenweise dicht: Slips am Gärtnerplatz hat seine Pforten geschlossen, das Off&Co gibt es bald nicht mehr und auch eine meiner absoluten Lieblingsboutiquen schließt Ende Juli – das Pool. Der Modeladen von Cambis Sharegh war immer schon etwas Besonders. Erst in der Kreuzstrasse nahe Sendlinger Tor angesiedelt, später im Sou-Terrain der Maximilianstrasse – das war München auf den Punkt gebracht. Eine Melange aus Geschmack und Trash, Popart und Minimal, aus Housemusik und Balearic Beats. Hier gab es Marken, die sonst nirgendwo zu finden waren, hier bekam ich Trends mit, die ich vorher nicht kannte. Hier kauften Szenengrößen, das Nachtleben, Prominente, Fußballer und ihre Fußballerfrauen, auch die internationale Prominenz war da, ich bin schon mal beim Rauskommen aus einer Umkleide mit Orlando Bloom zusammengestoßen – das passiert einem bei Zara oder H&M eher selten.

Boutique Pool- ein Stück München geht dahin, solche außergewöhnliche Mode gab es nur im Pool
Boutique Pool- ein Stück München geht dahin, solche außergewöhnliche Mode gab es nur im Pool

Pool war für mich eine Inspiration – klar, in Kleider von Dsquared passte ich mit Größe 40/42 nicht rein, manches war nicht für meinen Geldbeutel budgetiert – aber es war wunderschön zum Ansehen, Pool lieferte die Ideen, wie Dinge kombinierbar waren. Und einige meiner Lieblingsteile stammten von da. Eine Wildleder-Leggings von Les Chiffoniers, ein langes, knallgelbes Sommerkleid von By Malene Birger, diverse T-Shirts, Mäntel, Sneaker…ich hatte mit Kleidern von Pool immer das Gefühl, gut gekleidet zu sein und die Mode war meist ein, zwei Saisons dem Trend voraus, dafür hatten die Einkäufer ein Händchen. Was werdet ihr mir fehlen…

Legendär auch die Sommerfeste im Pool, wo wirklich die ganze Stadt versammelt war, wo die schönsten Männer und die schönsten Frauen zur Housemusik des Gastgebers tanzten, wo etwas von der Grandezza spürbar war, die München einmal so ausgemacht hat. auch das ist nun Vergangenheit.

Ich will nicht in der Vergangenheit leben, ich will mich auf Zukünftiges freuen – aber das geht erst, wenn die Blase hier platzt, BMW Manager in Orte hinter Augsburg ziehen müssen, weil sie die Mieten nicht mehr stemmen können und plötzlich wieder jede Menge Raum ist für verrückte Projekte. Für mich wird dieses Wochenende München wieder ein kleines bisschen ärmer – gerade weil es so reich ist…

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