Wellengang auf dem Oberschenkel

Ich kenne keine Frau ohne Cellulite, Orangenhaut, oder wie man das sonst nennt. Zumindest wenn jemand sitzt, drückt sich unser weiches, weibliches Bindegewebe zusammen und verursacht kleine Dellen. So weit, so normal, so verhasst von uns Frauen. Ist ja eine „Problemzone“, genau wie Bauch, Oberarme, Po, Unterschenkel, Knie, Hals, Gesicht (Falten!!!) – das ist ja alles  „Schwabbel“ „Unschön“. Nicht Barbieglatt, wir haben nun mal keine Schenkel oder Oberarme aus Plastik. Nun hat das Pinkstinks-Magazin einen Artikel veröffentlicht, in dem es sich über die Art der Berichterstattung des Inside-Magazins aufregt. Sicher zu Recht, es ist Bodyshaming und vor allem Altersshaming vom Allerfeinsten. Es ist fies, mit dem spitzen Finger auf die Makel der Prominenz zu zeigen, keine Frage. Ich stelle mir das ziemlich gehässig vor, wenn junge Redakteurinnen über Madonna, Sarah Jessika Parker und andere Stars weit jenseits der 40 ablästern. Übrigens werden dort die Fotos auch nach bearbeitet, nur umgekehrt – statt die Schenkel glatt zu bügeln wie sonst, wird der Wellengang noch etwas rasanter gestaltet. Eine andere Form des Beschiss.

Promiberichterstattung mit Photoshop

Und doch frage ich mich, was ich eigentlich fieser und schlimmer finde: die Promiberichterstattung,in der uns Hollywoodstars als Vorbild präsentiert werden: makellos, dellenlos, fettlos, faltenlos, alterslos. Klar, mit einem unermesslichen Budget für den Chirurgen und Friseur, den besten Makeup-Artists der Welt, mit Shapewear, einem Heer von Köchen, Personal Trainern, Assistenten, Diätberatern und – auch – guten Genen kann man mit 70 noch aussehen wie Cher oder Jane Fonda. Aber das ist für Normalsterbliche einfach nicht erreichbar. Es wird aber suggeriert, das geht – „Hey, du faule Sau, streng dich an, die können das doch auch! Los rauf auf den Stepper!“ oder die Werbung säuselt: „Kauf dir diese Creme, die brennt das Fett weg, bestimmt!“ Insofern ist dieser Journalismus, der uns aalglatte Promis unterjubeln will als „normal“ genauso hinterfotzig wie die kratertiefen Dellen in der Berichterstattung vom Inside-Magazin.  Das war schon die Nummer, die mich bei der Brigitte ohne Models Kampagne schon so genervt hat. So zu tun, als ob die Ausnahme (keine Delle) die Regel wäre.

Wann ist Normal das neue Normal?

Ich träume ja von einem Normal ist das neue Normal. Cellulite als Problemzone ist eine Erfindung des letzten Jahrhunderts, als man nach Erfindung des Minirocks auch mehr Haut sah und damit auch mehr Möglichkeiten zum Cremen an die Frau zu bringen waren. Zuvor hatte sich kein Dichter, kein Minnesänger, kein Casanova je über die Dellen beschwert und auch die Frauen lebten fröhlich damit, nicht wissend, dass sie eine Problemzone übersehen haben. Und keinen Mann störte es. Jetzt muss eine Frau, egal welchen Alters, die Glattheit der Victoria Secret Models aufweisen. Viel Spaß beim Suchen, liebe Männer…

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