Nachhaltigkeit: für einen Weg der kleinen Schritte

Nachhaltig leben, das ist ein so großes Wort. Was da nicht alles dazugehört  – aber irgendwie reicht es doch nie… Ja, man kann den radikalen Weg gehen und nur noch in Verpackungs-freie Stores gehen, nur noch Fair Trade Mode kaufen, nur noch darauf achten, dass wirklich alles, alles biozertifiziert, fair gehandelt oder sonstwie gerecht ist. Ist ja prinzipiell auch nicht schlecht, dafür sensibilisiert zu sein. Nur das ist fast nicht umsetzbar, sondern ein Fulltimejob. Denn nachzuspüren, was wirklich fair ist, was  Greenwashing ist, was wird wo produziert, das ist für den Normalsterblichen kaum schaffbar. Ich habe mittlerweile gelernt, auch in Bangladesh kann Mode fair produziert werden und in Europa unter lausigen Bedingungen. Alles nicht so einfach. Ich nutze jetzt mal die Blogparade vom Nachhaltigen Warenkorb um das eigentliche Thema dieses Blogs – die Nachhaltigkeit – ein wenig weiterzutreiben. Der Hashtag #byebyeschweinehund ist ziemlich gelungen!

Denn Fakt ist auch, dass viele nachhaltiger leben wollen, gerade in Deutschland ist das Bewusstsein dafür da. Aber es ist wie mit dem Diät halten – wer sich vornimmt, nun alles, alles richtig zu machen, der wird scheitern. Deswegen plädiere ich für einen Weg der kleinen Schritte. Wenn jeder von uns nur eine Sache davon konsequent durchhält, dann ist schon viel gewonnen. Ich habe hier einmal ein paar relativ leicht zu schaffende Punkte zusammengestellt, da ist für jeden was dabei.

  1. To Go Becher vermeiden! Ich sehe oft Honks, die holen sich im Cafe  einen der 320.000 To go Kaffeebecher, die jede Stunde in Deutschland im Müll landen. Und setzen sich dann neben dem Cafe auf eine Mauer, um ihn zu trinken. Hallo? Kann man sich dann nicht mit einer Tasse ins Cafe setzen? Oder sich einen wiederverwendbaren Becher kaufen und den immer mitnehmen.  Läden wie Star Bucks belohnen das mittlerweile – der Kaffee wird günstiger. Und nachhaltiger ist es auch…
  2. Müll vermeiden Das finde ich selbst schwierig. Aber mittlerweile könnte man zumindest bei Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Körner, Zucker, die jeder dauernd daheim hat und aufbraucht, auf wiederverwendbare Vorratsdosen umsteigen, die man sich in einem Tütenfreien Supermarkt auffüllen lässt. Da gibt es den Ohne in der Schellingstrasse oder die Plastikfreie Zone in Haidhausen. Unbedingt immer in der Handtasche eine zusätzliche Einkaufstasche dabei haben, das sieht besser aus und ist einfach cooler beim Einkaufen. Und es spart Geld, denn mittlerweile kosten Plastiktüten überall was. Das läppert sich.
  3. Rad fahren in der Stadt zumindest ab und an aufs Rad umsteigen. Es macht Spaß, ist gut für die Fitness und die Umwelt. Zum Biergarten radeln und nicht mit dem Auto fahren. Statt im unvermeidlichen Wochenendstau auf der A8 Richtung Berge und Tegernsee zu stehen – warum nicht an der Isar lang radeln? Ganz gemütlich. Oder mit der BOB das Rad mitnehmen ins Alpenvorland,  in Schliersee losradeln und dann eine verdiente Pause im Winklstüberl (bestes Cafe der Welt)
  4. Saisonal und regional einkaufen. Im Frühjahr ist Spargelzeit, dann kommt die Erdbeerzeit, die Kirschzeit, die Himbeerzeit. Tomaten und Karotten wachsen im Sommer, dafür die Rüben, Kartoffeln oder der Kohl im Winter.  Brauchen wir wirklich alles das ganze Jahr über? Ich finde nicht. Ich finde, es hat sogar seinen Charme, wenn es bestimmte Dinge nur zu bestimmten Zeiten gibt. Da freut man sich viel mehr darauf. Niemand soll diese Regel eisern befolgen, aber etwas bewusster kaufen macht Sinn. Denn es schmeckt besser und die Früchte und Gemüse liefern genau die richtigen Nährstoffe zur richtigen Zeit. Die Natur hat sich das ziemlich clever ausgedacht. Und wer will Mama Erde schon in die Parade fahren?
  5. Fahrgemeinschaften bilden. Im Berufsverkehr sitzt fast jeder allein in seinem Wagen. Das sorgt für Stau, Abgase, für längere Anfahrten ins Büro. Klar, jeder will flexibel sein, sich nicht nach anderen richten müssen, jeder will kommen und gehen, ohne auf Kollegen warten zu müssen. Aber ich denke, es wäre eine gute Idee, wenn gerade in Riesenfirmen, die es ja in München zuhauf gibt, sich Menschen finden, die einen ähnlichen Weg haben und sich zusammentun. Es kostet vielleicht etwas Disziplin, gemeinsam zu kommen und zu gehen, aber es macht Spaß, wenn die Leute nett sind und die Umwelt schont es auch. Da könnten die Firmen aktiv Funktionen in ihrem Intranet anbieten – und wer weiß, vielleicht löst das Kennenlernen im Auto ja auch das Problem der „Singlehauptstadt München“ und nicht nur die Verkehrsstaus auf der Strasse?

    Upcycling Mode von Reed Aust mit Resten aus Sweatshops in Bangladesh. Spart 80 % Müll! Foto: Herkki Erich Merila and Riina Varol
  6. Nicht so viel Zeug kaufen Da muss ich mich selbst an der Nase fassen!  Ich kaufe definitiv zu viele Klamotten. Und leider bei weitem nicht alles Fair Trade. Da habe ich mir fest vorgenommen, davon weg zu kommen. Nicht mehr jeden Trend mitmachen, qualitativ Hochwertiges erstehen, an dem ich lange Freude habe. Ich mach das schon großteils so, aber ich kann deswegen auch so wenig weggeben – und so werden die Schränke immer voller, voller und voller.. Ich bin überzeugt, wenn man sich nur Sachen kauft, die man will und die man lange trägt, ist das genauso nachhaltig, wie Fair Trade kaufen. Was ich ablehne, ist das massenweise Kaufen von T-Shirts in manchen Läden, in denen Klamotten mittlerweile so billig sind, dass manche Leute das Gefühl haben, es ist billiger, sich jedes Mal ein neues T-Shirt zu kaufen statt das Alte zu waschen. Früher wurden auch Kleider weitergereicht, unter Geschwistern, unter Bekannten. Mittlerweile hat man fast das Gefühl, asozial zu sein, wenn man sich auf diese Weise dem Konsum verweigert. Und die starken Trennungen nach Geschlecht (alles pink für Mädchen) machen es schwerer, Kleidung weiterzureichen…
  7. Dinge reparieren Wer erinnert sich noch: früher hat man Löcher in Socken gestopft, Kleider geändert, Möbelbeine wieder angeleimt, Schränke umgestrichen, zerrissene Pullover ausgebessert. Kurz – es wurde weniger weggeworfen und mehr gerettet. Das finde ich einen sehr guten Gedanken.