Lasst jemand mit Spaß an der Musik zum Eurovision Song Contest!

Jetzt erlaube ich mir als ehemalige Popmusikredakteurin eine Kritik am Eurovision Song Contest 2017:

Einsteins Definition von Dummheit ist, immer das Gleiche zu tun und dabei ein anderes Ergebnis zu erwarten. In diesem Sinne ist es absolut dumm, wenn der NDR weiter die Auswahl zum Eurovision Song Contest trifft. Die letzten drei Mal waren jedes Mal ein tiefer Griff ins Klo. Zeit, zurückzutreten, und zuzugeben, dass man es einfach nicht kann. Ja, das Liedlein in diesem Jahr 2017  war nett, belanglos, die Performance war uninspiriert, die Sängerin Levina sehr hübsch, aber nicht weiter bemerkenswert. Das wurde, oh Wunder, mit gruseligen sechs Punkten bewertet – vorletzter Platz vor Spanien und deren Surferboys. Auf Twitter wurde dann gleich geunkt  “Europa haßt uns“, aber das ist natürlich Käse, sie haben auch bereitwillig Lena Meyer-Landrut gewählt. Dieses Jahr war der ganze Grand Prix nichts Besonderes. Von wegen „Celebrate Diversity“. Alles eine stampfige Power-Balladen Grütze. Die Komponisten und Arrangeure kopieren alle die Gewinner der drei Vorjahre und die Performer machen immer weniger Show, weil sich alle auf das Lichtgewitter der imposanten Bühne verlassen – deswegen Kleider in Schwarz und Weiß und kaum noch eine Choreographie, die diesen Namen verdient. Aber Flimmer-Feuerwerk ersetzt keinen Spaß an der Musik, keine Leidenschaft. Das spürt man deutlich. Das Publikum hat mit ziemlicher Genauigkeit die Sänger nach vorne gewählt, die was anderes gemacht haben, ihr eigenes Ding. Sei es der dicke Tenor aus Kroatien, der Khal Drogo aus Ungarn, sogar die jodelnden Rumänen (die mir halt auch im Gedächtnis geblieben sind)

Gewonnen hat Portugal mit einem dahingeknödelten Fado von Salvador Sobral. “das Trauerlied eines Berliner Hipsters, weil es im Café keine Sojamilch gibt“ (Danke an @zuckerb3rg für diesen Tweet). Auch der nicht weiter bemerkenswert, er würde in der Fußgängerzone zwei Euro kriegen von mir, aber wenigstens völlig anders als der Rest des Gewummers. Und der Sänger hatte Spaß an der Sache, das sah man ihm trotz Trauerlied an. In seiner Dankesrede knallte er dem Rest von Europa die Wahrheit vor den Latz: Musik braucht Gefühl, keine Massenware. Da hat er recht und niemand soll das sich mehr zu Herzen nehmen als Deutschland. Weil. hey, weinerliche Balladen können wir doch eigentlich…

Aber warum hat Lena gewonnen? Warum haben auch ein Stefan Raab, Max Mutzke oder Guildo Horn recht ordentliche Bewertungen eingefahren? Weil man ihnen den Spaß und das Gefühl für Musik abgenommen hat. Unser Elend begann, als der stimmgewaltige Andreas Kümmert 2015 die Teilnahme ablehnt und Ann-Sophie seinen Song einfach nicht in den Griff bekommt. Auch die niedliche Waldelfe vom letzten Jahr kann mit kawaiiartiger Exzentrik nix rausreißen – und dann wurde man beim NDR panisch. Aber Nummer sicher gibt es nicht beim Grand Prix, es ist im Gegenteil das Ticket für das große Desaster, weil das bedeutet seelenlos, langweilig, notwendigerweise Mittelmaß. Deutschlands Beitrag war klein, grau, hat gut geklungen und war 3 Sekunden danach wieder vergessen. Unter den Top Ten der Songs waren wir sicher nicht.

Was würde denn funktionieren? Tja. Erstmal – weg mit NDR, weg mit Barbara Schöneberger (moderiert die denn alles?), weg mit einer Jury, die es offensichtlich nicht kann.  Zuviel Sicherheitsdenken. Ich persönlich würde eine Band wie La BrassBanda oder Studio Braun auf die Bühne stellen oder Sänger, die hierzulande die Leute wirklich begeistern wie meinetwegen Helene Fischer. Und nicht die, die man bei einer Show wählen kann und aus Pest und Cholera die Cholera aussucht. Herrgott, wir können doch Musik. Wir haben tolle Bands. Wir haben Spaß an der Musik. Pfeift ein wenig mehr auf Vorsicht und Mainstream und Drandenken, was der Osten mögen könnte. Vielleicht sollten wir einfach auch mal ein Jahr pausieren, das Ding an die privaten TV Sender übergeben und dann mal sehen…

Was wäre euer Rezept?