Austauschware Ehefrau ü40

„Irgendwann entwickelte sich mein Leben schneller als ihres. Wir hatten nur noch ganz wenige Momente, in denen wir uns auf Augenhöhe ausgetauscht haben. Ich war beruflich ständig unterwegs, meine Frau war in der Rolle als Mutter und Managerin unseres Haushaltes gefangen.“ Was (Ex)Ministerpräsident Torsten Albig aus Schleswig-Holstein da von sich gab, ist nichts weniger als eine Ohrfeige für seine (Ex)Ehefrau. Die war 25 Jahre lang gut genug, sich um die Kinder zu kümmern, um den Haushalt, während er politisch Karriere machte. Und plötzlich sieht er in ihr nur noch das Heimchen am Herd, die Putzfrau, eben „nicht mehr auf Augenhöhe“ – wie arrogant ist das denn bitte?

Ich hab sie immer gehasst, egal, wie alt ich selbst bin – diese eitlen, aufgeblasenen Männer in der Midlifecrisis, die in den Medien ihrer langjährigen Lebensgefährten nochmal eine mitgeben, weil sie das ganze Ehedrama an die Öffentlichkeit zerren. So ein aufgeblasener Gockel war auch Ministerpräsident Albig, der vermutlich meinte, es gäbe ihm im Wahlkampf einen positiven Touch, was „menschliches“ , wenn er ausgiebig über seine junge Liebe referiert und seine Exehefrau in den Dreck tritt. Das Gegenteil war der Fall, ich freue mich sehr, Wähler(innen) haben doch recht feine Antennen für diese Schmierlappen. Gerade die Frauen, die er als übrig gebliebene, aus der Mode gekommene Ladenhüter deklariert hatte, wenn sie durch das Zurückstecken beim Karrieremachen aus der Augenhöhe verschwanden, honorierten das „Liebesinterview“ mit Liebesentzug für die SPD. Solche Interviews sind schon im Allgemeinen unsäglich, aber sie müssen die Hölle für die verlassene Ehefrau sein, die das neue Glück brühwarm aufs Butterbrot geschmiert bekommt, deren Leben um sie herum in die Brüche geht.

Was denken sich diese Männer dabei – klar, es schmeichelt ihnen, wenn sie wieder wen an ihrer Seite haben, jung, schlank, gebildet…und die Medien spielen das unwürdige Spiel mit. Die Bunte, der Stern und alle anderen Blätter, denen sich so eine Gelegenheit bietet, schlagen da gerne zu. Dann wird was von 2. Frühling gesäuselt, von Liebe und Ehe, die erste Ehefrau ist schon nach den ersten Zeilen der Geschichte… Geschichte.  Die wird im Artikel noch einmal erwähnt und dann nicht wieder. Wozu auch? Das neue Glück wird mit Bildern inszeniert, das alte in die Ecke gestellt und vergessen. Albig ist ja nicht der Erste, der in den Wogen des Boulevards unterging: Auch Rudolf Scharping war in die Eitelkeitsfalle getappt, spielte als Verteidigungsminister lustig-albern Wasserball mit seiner Gräfin in einem Luxuspool, während seine Soldaten in irgendeinem Krieg verreckten. Diese Instinktlosigkeit wurde vom Wähler heftig bestraft – so wie jetzt die von Albig.

Mit diesem Verhalten kommen wir nämlich an die hässliche Kehrseite des traditionell propagierten Beziehungsbildes: wenn die Frau ihren Job aufgibt, sich nur noch der Kindererziehung und dem Haushalt widmet, dann ist da Schicht im Schacht, wenn der Ernährer eine andere findet. Die Frau kann schauen, wo sie bleibt, weil ihm nach 25 Jahre aufgegangen ist, dass Hausarbeit vielleicht doch nicht so abendfüllend ist und seine Frau nicht spannender macht. Hätte sie halt auch eine Nanny nehmen sollen, die ihr die Kinder abnimmt, während sie sich dafür abrackert, spannend für den alten Sack zu bleiben. Weil so ein übergewichtiger Politiker mit Glatze und Brille, der darf schon Ansprüche stellen. Er ist ja wer. Und die Frau ist schnell vergessen, wenn sie mal den intellektuellen (und, sind wir doch ehrlich, optischen) Ansprüchen des ach so tollen Alphamännchens nicht mehr zu genügen scheint. Da hätte sie halt dauernd nachbessern müssen – und am besten ihren Doktor nachmachen oder so, aber bitte so, dass seine Karriere nicht darunter leidet.

Allein die Fotoinszenierung mit der neuen Partnerin bringt mich zum Erbrechen: auch die wird nicht auf Augenhöhe geparkt, sondern weit unter ihm, eitel lächelnd grinst er in die Kamera, während die Frau guckt, als ob sie nicht wüsste, ob sie nicht in ein paar Jahren auch wieder durch die Nächste ersetzt wird. Aber zumindest scheinen sie zum gleichen Optiker zu gehen….

 

 

 

 

7 Kommentare

  1. Obwohl der Text ja eigentlich ein Rant ist, schmunzeln musste ich doch an der ein oder anderen Stelle ja doch.
    Der gleiche Brillenrahmen fällt einem aber WIRKLICH ins Auge…
    Aber zum eigentlichen Text: Du hast die Lage sehr treffend zusammengefasst!

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  2. Du hast es sehr deutlich und treffend beschrieben. Ähnlich war es übrigens mit Christian Wulff, als der noch Ministerpräsident von Niedersachsen war: An einem Tag wurde die Trennung von seiner Frau Christiane in der Presse verbreitet, und nur einen Tag später erschien er innig mit Bettina Körner in Hannover zum Public Viewing. Damals (2006) war gerade Fußball-WM. Christiane Wulff hatte für ihren Mann ihre Karriere als Juristin an den Nagel gehängt, sich um die Tochter gekümmert und dem Herrn den Rücken freigehalten. Aber an Stillosigkeiten hat es bei Wulff ja auch später nicht gemangelt.
    Viele Grüße, Ina

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  3. Mich stimmen solche Artikelchen in der Boulevardpresse immer sehr nachdenklich, da sie nur die eine Seite der Medaille beleuchten. Immerhin gibt Torsten Albig zu, dass seine Ex in „ihrer Rolle als Mutter und Managerin des Haushaltes gefangen“ war. Dieses eine Wort sagt vielleicht sogar mehr aus, als dem Herrn selbst bewusst ist. Wie dem auch sei: Dass Männer in ihrer Lebensmitte ein bisserl durchdrehen und sich nach einer jüngeren, attraktiveren Partnerin umsehen, ist weder neu noch Politikern vorbehalten. Da brauche ich mich nur in meinem näheren Umfeld umzusehen … Rechts und links trennen sich die Paare. Mit über 40 gehört eine Frau in unserer Gesellschaft leider oft zum „alten Eisen“.

    Dabei gibt es so viele tolle Frauen, die gelassen mit ihrem Alter umgehen, sich nicht von Haushalt und Co. „fangen“ lassen und damit selbst für jüngere Männer attraktiv sind. Es liegt an uns Frauen, wie wir unser Leben gestalten. Heute muss sich keine von uns mehr den Stempel des „hilflosen, austauschbaren (Haus-)Frauchens“ aufdrücken lassen. Wir sollten solchen selbstgefälligen Männern wie Herrn Albig einfach mal öfter einen Knuff verpassen und unser Leben leben.

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    1. Ich werde demnächst über eine völlig verwirrende Entwicklung auf Tinder erzählen – die genau in diese Kerbe schlägt. Dank für deinen Kommentar…

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    2. „Es liegt an uns Frauen, wie wir unser Leben gestalten.“
      Das sehe ich auch so, als Mann. (Noch) mehr „starke“ Frauen würden der Gesellschaft guttun.
      Viele Frauen haben bereits dieses Selbstbewusstsein entwickelt, aber anscheinend kommen viele Männer damit noch nicht so ganz klar, was man auch an dem unterschwelligen Sexismus sieht, der einem überall begegnet. Eine Frau, die „aufmuckt“, wird schnell mal als Zicke bezeichnet, und das ist als Reaktion noch harmlos.
      Ich finde es toll, was Frauen bisher erreicht haben, ich finde es toll, dass das in Deutschland möglich ist, und da ist noch viel mehr Luft nach oben. Frauen sollten noch mehr begreifen, dass sie etwas ändern können, wenn sie sich nicht unterordnen. Die Gesellschaft braucht eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen und die ist (leider) noch lange nicht erreicht, wie man an solchen Storys erkennen kann. Und sie wird nur erreicht werden, wenn es genügend Frauen gibt, die dafür „kämpfen“, indem sie sich selbst ihren Wert geben und damit auf ihre Weise dafür sorgen, dass sich das Denken langsam ändert.

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