Eventshopping belebt den Einzelhandel

Ja, ich bin „nur“ ein Kunde. Deswegen hab ich natürlich keine Ahnung, was es braucht, einen Laden zu führen. Was Mieten kosten und wie schwer das alles zu stemmen ist. Aber ich habe eine Ahnung, was es braucht, damit ich ein Geschäft besuche und auch was erwerbe. Ich hab jetzt in letzter Zeit einige sehr gute Aktionen von Geschäften in München erlebt, da bin ich (und viele andere) hingegangen, es wurde viel geguckt, es wurde viel gekauft. Ich finde es schön, wenn Einkaufen ein Event ist, wenn die Geschäfte eine Schau sind, eine einladende und freundliche Athmosphäre haben, wenn ich mich in aller Ruhe umsehen kann – und natürlich, wenn das Angebot so ungewöhnlich und einzigartig ist, dass ich es nicht in jeder Fußgängerzone oder jedem anderen Laden erhalte.

Zum Beispiel bei Hirmer die Aktion „Kauf Lokal“ – der Herrenausstatter lud lokale Labels und Produzenten ein, ihre Produkte zu  im Stammhaus präsentieren, dazu gab es immer wieder Tastings etc.  Wenn ihr dem Link folgt, findet ihr alle 50 Anbieter, schaut sie euch an, es lohnt sich! Münchner Sweatshirts, Münchner Gin, Münchner Kaffee, Münchner Limonaden, Münchner Schmuck. Sowas trifft in unserer lokalpatriotischen Stadt einen Nerv – und unterstützt nicht nur den großen Laden, sondern Dutzende kleine Produzenten. Eine echte Winwin-Situation für alle und ich kann nur hoffen, das sich so etwas wiederholt. Es ist so wichtig, zu zeigen, München ist kreativ und cool und wunderbar und es gibt so viel mehr hier zu entdecken als nur Lederhosen, Bier und Schweinshaxn – ein Klischee, mit dem die Stadt zwar die Touristen aus Fernost und Übersee entzückt, ihr bundesweit aber den Stempel „brav und spiessig“ aufgedrückt hat – und nichts ist weniger wahr!

Auch der Ludwig Beck hatte letztens groß aufgefahren, in allen Stockwerken des Kauftempels gab es insgesamt 100 Aktionen. Die Gäste wurden mit Smoothies und Prosecco bewirtet, Modemacherinnen wie Marina Hoermanseder waren persönlich vor Ort, um die Kundinnen zu beraten (ich hab ihr ein T-Shirt aus der Hello Kitty Kollektion abgekauft), es gab Schminktipps, Parfumproben, individualisierte Strümpfe und Parfumflacons, Taschen oder gravierten Schmuck. Eine besonders tolle Aktion hatte sich Riani ausgedacht, dort konnte man sich von Modezeichnerin Virginia Romo in einer exklusiven Riani-Kreation porträtieren lassen.  Hab ich natürlich gleich gemacht. Riani ist eh ziemlich auf Draht, bei der Fashion-Week in Berlin konnte man im Popupstore Kaschmir/Wolle-Mützen kaufen und mit Stickern personalisieren, was ein echter Renner war. Danke nochmal für das schöne Portrait!

Super sind auch Boutiqueparties, wie ich sie mit Grazia bei Patricia Pepe erlebt habe oder kommende Woche bei Edited (mit Glamour). Besonders schön und edel war das Event von Twinset, wo mich die liebe Bloggerin Sissi vom Bananenschneckerl mitgenommen hat. Das Ereignisbüro hatte es mal wieder geschafft, die Creme der Münchner Gesellschaft zu versammeln, die nippte dort an Cocktails mit Basilikumlimo (merken, das wird ein Trend!) und nebenbei wurde auch richtig viel umgesetzt. Obwohl der Laden  in den 5 Höfen zum Bersten gefüllt war, haben die Partygäste meterweise die Roben und Sommerkleider anprobiert, das war irgendwie Teil der Party.  Wenn Kunden sich erst einmal in Ruhe umsehen können, was so alles angeboten wird, entdecken sie immer mehr und mehr, was ihnen gefällt. Ich hab mich an dem Abend in einen Bikini verliebt, den ich dann auch am kommenden Tag gekauft habe. (aber wegen meinem kompliziertem Kopfputz nicht am Abend selbst). Man sollte den Leuten wirklich Raum lassen, ihnen aber auch nicht das Gefühl geben, sie seien einem egal.

Dass auch kleinere, unabhängige Boutiquen, die kein großes Kaufhaus mit Millionenumsätzen sind oder zu einer Kette gehören, großartige Aktionen auf die Beine stellen können, beweist immer wieder der tolle Laden „Vogelwildes München“. Der Laden, schon von der Optik her einmalig, hat sich auf eine Art Rock-Lifestyle spezialisiert und verkauft vor allem Lederjacken, Silberschmuck von ausgewählten Münchner Labels, ausgefallene Interior-Designstücke, und Spirituosen, die sonst nur wenige Läden in München anbieten. Um die coolen Kollektionen auch entsprechend bekannt zu machen, hat sich der Laden auf witzige Events spezialisiert. Die Chefin ist selbst absolute Spezialistin auf dem Gebiet der edlen Gins. Und so wird im Vogelwilden München gefeiert oder probiert. Sei es eine Champagnerparty mit Papis Loveday oder ein Craftbeer-Tasting mit Founders Bier aus Michigan.  Da war ich natürlich mit dabei – ich liebe Craftbeer, vor allem, wenn einem nicht das reinheitsgebot in die Queere kommt und mit wirklich wilden Aromen experimentiert werden kann. Für das Tasting kam der Marketingmanager persönlich und ließ eine große Bandbreite seiner Biere verkosten, die er großzügig ausschenkte – ich war um 15 Uhr schon gut betüdelt. Das Bier, nicht nach dem Reinheitsgebot gebraut, ist teilweise mit Himbeeren oder Kirschen aromatisiert oder lagert in Bourbon- oder Ahornsirupfässern. Für eine limitierte Spezialität, das KBS, ein Stout mit Kaffee und Schokolade, campen die Fans vor den Fabriktoren und die Wirte von Grand Rapids, wo Founders angesiedelt ist, veranstalten jedes Jahr eine besondere Partywoche, wenn die rare Spezialität wieder frisch gebraut erhältlich  ist. Das nächste Tasting findet am 22. 4.  ab 13 Uhr mit Schwarze & Schlichte statt. Es gibt unter anderem verschiedene Gins, Rum, Limoncello und vieles mehr zu probieren.

One comment

  1. Die »Eventisierung« funktioniert nicht nur im Einzelhandel prächtig. Ein Lesetipp-Klassiker für alle Interessierten: Joseph Pine & James Gilmore: The Experience Economy – Work Is Theater & Every Business Is A Stage, Boston 1999 (Havard Business Scool Press)

    Ich weiß nicht, wie oft ich in den vergangenen Jahren drin geblättert und immer wieder mal Ideen umgesetzt habe – selbst im Medizinbereich.

    Gefällt 1 Person

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