Gebt den Opfern eine Stimme!

Ich habe eine Anfrage erhalten, ob ich zu einem bestimmten Thema bloggen möchte. Obwohl ich sowas meist ablehne, sage ich dem Fall zu – und das gerne. Mein Honorar spende ich aber wieder der Organisation zurück. Denn es geht darum, für die Arbeit des Weißen Rings zu werben. Und die finde ich eminent wichtig. Der Weiße Ring kümmert sich um die Opfer von Gewaltverbrechen – oft genug als einzige Organisation. Denn die Täter sind, einmal festgenommen, von den staatlichen Strukturen erfasst, bekommen auch psychologische Beratung und werden im Gefängnis oder bei Bewährung betreut etc. Die Opfer? Oft Fehlanzeige. Die müssen selbst klar kommen, auch direkt nach der Tat. Und wer einmal in Deutschland versucht hat, zeitnah psychologische Betreuung zu finden, wird oft mit langen Wartezeiten konfrontiert, außer, man hat Glück.

Normalerweise kann man sich nicht vorstellen, wie das ist, Opfer einer Straftat zu werden. Ich habe letztes Jahr eine Ahnung davon bekommen – Um euch das zu erläutern, werde ich euch zum ersten Mal die Geschichte von einem meiner dunkelsten Tage erzählen. Es war am 22. Juli, ein heißer Tag in München. Auch bei im Büro, in dem ich arbeitete, direkt neben dem OEZ. Ich arbeitete an einem Rechner mit Blick auf das Center und den MacDonalds. Kurz nach 5 ging ich raus, einkaufen für das Wochenende, auch beim McDonald vorbei, ein Pokestop, der immer viele Bälle hergab. Da war es ungefähr halb Sechs Uhr. Im Büro wollten wir eine Kollegin verabschieden, als ich zurückkam, hatte man sich schon zum Anstoßen versammelt. Da plötzlich kam eine andere Kollegin schreckensbleich wieder ins Büro zurück – da draußen wird geschossen, erklärt sie. Geschossen? Vielleicht ein Dreh oder so? Ich ging in mein Büro mit Blick auf den Platz zurück und….überblickte ein Drama, hörte noch eine Salve aus dem OEZ, dann herrschte gespenstische Stille. Zwei Tote lagen vor unseren Fenstern…glaubt mir, wenn ich sage, so etwas vergisst man nie. Da ist die Tatsache, dass ich das Drama unten um gerade mal 15 Minuten verpasst hatte, auch nur Pillepalle dagegen. Wir warteten in unserem Büro bis lange nach Mitternacht, bis es Entwarnung gab. Dann konnten wir heim. Völlig traumatisiert, völlig hilflos. Eine sehr liebe Freundin, die mich aus dem Schlamassel abholte, bekam die volle Ladung ab. Am Montag darauf kamen psychologische Berater der Stadt ins Büro, die mit uns das Erlebte aufarbeiten wollten. Das fand ich gut und wichtig.
Aber: dieser Amoklauf war ein großes Ereignis mit vielen Betroffenen, da wurde eine spezielle Stelle der Stadt München eingerichtet. Ich war nur ein Zaungast, der aus relativ sicherer Entfernung (was ich damals allerdings nicht wusste) das Drama beobachtete.

Wenn man wirklich einsames Opfer einer Straftat wird, zusammengeschlagen, beraubt, betrogen, vergewaltigt – was passiert dann? Ich kann nur ungefähr erahnen, wie man sich dann fühlt. Wie hilflos und verletzlich und wie nötig man umfassende Beratung und Umsorgung hat. Die leistet unser Staat aber nicht (oder sagen wir mal: kaum). Ich finde, was da angeboten wird, ist maximal unzureichend und ein beschämendes Bild, das Deutschland abgibt. Sogar auf der Seite des Bundesjustizministeriums wird zuerst auf nichtstaatliche Organisationen wie eben den Weißen Ring verwiesen. Eigentlich sollte der Schutz vor Verbrechen und auch die Nachsorge eine wichtige staatliche Aufgabe sein – was aber nicht passiert. Gut, dass sich die Bürger selbst organisieren. Beim Weißen Ring arbeiten 3.200 Leute, viele davon ehrenamtlich! Und ihr könnt euch vorstellen, dass das kein leichtes Ehrenamt ist. Deswegen möchte ich alles tun, was ich mit meinem Blog kann, diese Organisation zu unterstützen. Tollerweise tun das auch Prominente, wie etwa Tatortkommissare Ulrike Volkerts und Oliver Mommsen oder Polizeiruf-Star Steffen Schröder, der in einem Video für den Weißen Ring wirbt.

Ich fände es toll, wenn ihr dafür spenden könntet, denn das ist etwas, bei dem im eigenen Land effizient und unentgeltlich Menschen geholfen wird, die Hilfe dringend nötig haben. Am 22. März war Tag der Kriminalitätsopfer. Aber ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen sich bewusst sind, dass der wichtige Opferschutz in privater Hand liegt und deswegen Unterstützung braucht.

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