Hilgerlicious – Luxus ist unsere Natur

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Die Frau hinter jedem starken Mann…

Internationaler Weltfrauentag. Da möchte ich natürlich einen Blogpost dazu verfassen. Aber über was schreibe ich? Darüber, dass sich erwachsene Frauen immer noch gerne als „Mädels“ titulieren lassen bei Sendungen wie dem Bachelor, und dort aufgedonnert wie im Nobelpuff brav warten, bis ein Mann mit schönen Zähnen und lahmen Sprüchen sie erwählt? Darüber, dass wir wieder zurückrutschen in ein längst überwunden geglaubtes Frauenbild? Darüber, dass ein Präsidentschaftskandidat unverhohlen sexistisch sein kann, und trotzdem von Frauen gewählt wird, weil die einen dummen Mann immer noch kompetenter finden als eine kluge Frau? Darüber, dass in vielen Firmen ein Paygap existiert oder Frauen bei Fusionen in niedrigere Ränge eingestuft werden? Darüber, dass in vielen Ländern der Welt die Situation der Frauen schlimmer als verheerend ist und sehr seltsame Frauenbilder auch bei uns importiert werden? Darüber, dass Frauen immer noch hauptsächlich über ihre Optik definiert werden und sich auch selbst definieren?

Ich greife jetzt einfach mal ein paar Aspekte raus… Gestern hat die wunderbare Sibylle Berg einen Ausschnitt aus einem Interview getwittert, der prägnant illustriert, wo die Gleichberechtigung derzeit wieder steht: irgendwo in den 60er Jahren. Ein Chefarzt (wichtig, wichtig, 80 Stunden die Woche) kann seine steile Karriere nur hinlegen, weil seine Frau, selbst Ärztin, auf ihre Karriere verzichtet. Bevor die Männerrechtler nun heulen: Ja, die Frau kann freiwillig verzichtet haben, das wird sie vermutlich sogar. Aber mich nervt weniger dieses Familienmodell, sondern die Tatsache, mit welcher Selbstverständlichkeit es abgerufen wird. Dafür bekommt sie dann den Titel „liebste Frau der Welt“ verpasst. Dafür hat sie sicher gerne studiert und promoviert. Das ist es, worum es mir heute geht: die Selbstverständlichkeit, mit der immer die Frau zurückstecken muss/soll/will. Klar, wenn eine Frau bei ihren Kindern bleiben will, ist das nichts Schlechtes. Die Frage ist nur, kann sie das auch anders handhaben, wenn sie es möchte? Und, gesetzt den Fall, der Chefarzt verlässt seine „liebste Frau der Welt“ für eine 10 Jahre Jüngere, was macht diese Entscheidung fürs Daheimbleiben mit ihre Rente?

Wie weit geht unser Spielraum? Klar, wir können mittlerweile alles werden, was wir wollen. Firmenchefin, Kanzlerin, Chefärztin. Nur behaupte ich, dass es immer noch schwerer ist als für einen Mann, sich durchzusetzen in Domänen, die eigentlich männlich besetzt sind, wie die Techwelt. Das hat gestern eine sehr bereichernde Veranstaltung gezeigt, die Microsoft zum Weltfrauentag veranstaltet hat. In einer Podiumsdiskussion mit Rosa Riera, VP Employer Branding & Social Innovation bei Siemens AG, Melanie Wyssen-Voß, Head of Digital Marketing & Communications bei Roland Berger GmbH, Natascha Zeljko, Stellv. Chefredakteurin der myself, Sylvia Kegel, Geschäftsführerin Ivatra Services GmbH und Vorstand im deutschen ingenieurinnenbund e.V., Masa Matejic, Team Lead Business Solutions for Customer Care, Field Service and Project Service bei Microsoft Deutschland GmbH ging es um Frauen in Technikberufen. Natürlich wird es besser: waren es 1990 noch 2 Prozent, sind es mittlerweile 15 Prozent Frauen, die Elektrotechnik studieren. Dass Frauen in Technikberufen mittlerweile in vielen Firmen gefördert werden, ist super. Aber immer noch fehlen Vorbilder, sind Frauen zu wenig präsent, zu zeigen, was Frauen alles können, wenn sie es nur wollen. Dass Mathe, Physik, Chemie faszinierende Fächer sind, die Frauen genauso Spass machen können wie anderes. Interessanterweise sind Technikberufe oft ein Weg für Frauen, die nicht den einfachen Weg gehen können. Die nicht aus Akademikerfamilien stammen oder Frauen mit Migrationshintergrund. Die wissen, da ist eine Chance zum Aufstieg, die sie nutzen können, allen Widerständen zum Trotz. Ich weiß, die nächste Generation wird tolle Vorbilder haben.

Deswegen denke ich auch, der Film „Hidden Figures“ sollte als Motivation in jeder Schule gezeigt werden. Eigentlich hätte er einen Extrablogpost verdient. Der Film, der eine wahre Geschichte erzählt, zeigt nämlich, wie drei wunderbare, schwarze Frauen, die Mathematikerinnen Katherine Goble, Dorothy Vaughan und Mary Jackson ihre Chancen nutzen. Viele Optionen haben sie nämlich nicht. Sie leben im Süden der USA in den 60er Jahren. Da trinken Schwarze und Weiße aus unterschiedlichen Trinkbrunnen, sitzen getrennt im Bus, in der Bibliothek oder haben gesonderte Toiletten. Und eine Frau muss eigentlich Hausfrau sein. Aber die drei Frauen sind maximal smart und arbeiten im NASA-Programm mit. Was heißt, sie arbeiten mit: eigentlich schmeißen sie den Laden, berechnen richtig und kommen mit der ungewöhnlichen, kreativen Lösung ums Eck, auf die ihre männlichen Kollegen nicht kommen. Vielleicht auch, weil sie gezwungen sind, immer neue Lösungen zu finden. Die eine lernt die Programmierung der ersten IBM Ungetüme, einfach, weil sie sonst ihren Job los wäre. Die andere klagt sich auf eine Uni, einfach, weil sie sonst nicht Ingenieurin werden kann. Der Film ist anrührend, berührend und vor allem motivierend. Wie gesagt, Pflichtprogramm. Nicht nur zum Weltfrauentag.