Kaffee oder Tee? Warum nicht beides?

img_2282In der französischen Revolution erkannte man die Anhänger verschiedener Stände an ihren Getränken: der Adel trank Schokolade aus kleinen Tässchen, die Intellektuellen Bürger in den Cafes tranken literweise Kaffee. Wer damals Tee trank – das weiß ich nicht. Vermutlich nicht die Franzosen. Auch heute gibt es wieder Linien, an denen sich erkennen läßt, wer sich welcher Gruppe zuordnet. Teetrinker gelten als introvertierte Genussmenschen, die sich Zeit nehmen und die Ruhe pflegen. Kaffeetrinker sind erfolgsorientierte Workoholics, die den Kaffee am liebsten to Go trinken, schnell auf dem Weg von A nach B. Vermutlich ist das alles Quatsch, denn jedes Getränk hat einmal die maximale Verfeinerungskurve mitgemacht, das passt nicht für Hektiker. Bei Tee gibt es hypererlesene Grünteesorten, die speziell mit besonderem entkalktem Wasser aufgebrüht werden müssen, der Kaffee hat sich mit Starbucks und Co Richtung Dessert entwickelt – oder in wunderbaren Cafes wie dem Münchner Man versus Machine zu einem Hipsterkompatiblen Spezialprodukt, das in verschiedensten Weisen gebrüht wird. Wer den Kaffee erst selbst mahlt, dann vorsichtig brüht – das kann niemand Ex und Hopp nennen…

In diesem Cafe Man versus Machine hab ich auch zum ersten Mal Kaffeekirschentee probiert. Als Sommereistee mit etwas Limone. So recht habe ich damals nicht gewußt, was das war, was ich getrunken habe. Mittlerweile bin ich schlauer. Denn nun hab ich von der Murnauer Kaffeerösterei ein Paket zum Probieren bekommen. Kaffeekirschentee, was ist das denn? Zuerst hört es sich an, wie einer der fragwürdig aromatisierten Tee-Mischungen, die unter Labels wie „Heisse Liebe“ schwer parfümiert im Supermarkt vertrieben werden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Kaffeekirschentee, oder auch Cascara genannt, ist ein reines Naturprodukt, das bei der Kaffeeernte abfällt. Es ist das Fruchtfleisch, das den Kaffeekern ummantelt. Es wird dafür in einem besonderen Trockenverfahren aufbereitet und kann wie Tee konsumiert werden – die getrockneten Fruchfleischhülsen sehen ein bisschen aus wie getrocknete Hagebutten. Der Geschmack? Mir schmeckt der Tee gut, er schmeckt fein und erdig, gar nicht süß, ein Hauch von Kaffeearoma schwingt mit (das ist vermutlich Einbildung) und ein Hauch von Waldboden und Herbstfrüchten. Koffein hat er reichlich, ein Glas davon hat mehr als ein Espresso. Das Koffein schützt die Pflanze vor Fressfeinden, deswegen hat das Fruchtfleisch sogar mehr Koffein als die Kerne.

In Hipsterkreisen wird der Tee gerade zum Trend. Die Nachfrage in Deutschland und Europa gestaltet sich sehr positiv, im Moment ist die Nachfrage höher als die Liefermöglichkeit. Was mir beim Kaffeekirschentee der Murnauer Kaffeerösterei besonders gut gefällt, ist, dass das Projekt mehr bringt als nur einen leckeren Tee, der in Peru nach höchsten Bio-Massstäben und Fair Trade hergestellt wird. Die Kaffeekirschen sind eine weitere Möglichkeit, für die Kaffeebauern Einnahmen zu generieren. Denn wie auch beim Kaffee sind die Unterschiede beim Kaffeetee enorm. Die mit Pestiziden verseuchten Kirschen kommerziellerer Anbaugebiete lassen sich nicht als Tee verwerten. Deswegen hat die GIZ, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, das Projekt in Peru ausgesucht, um es für 3 Jahre zu unterstützen. Es wird nun ein Schulungsprogramm entwickelt, dass noch mehr peruanische Kaffeebauer befähigen soll, ihre ‚Beiprodukte‘ so herzustellen und zu vermarkten, dass sie mit dem Kaffeetee eine nachhaltige Einnahmequelle entwickeln können. Wenn der Tee nicht das neue Superfood wird, dann weiß ich auch nicht…

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