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Modezauber und Bloggergrusel – Fashionweek Berlin

img_2355Es ist immer aufregend, auf der Fashion Week unterwegs zu sein. Für manche, deren tägliches Brot das ist, ruft sie vielleicht Gähnen hervor. Bei mir nicht. Dazu mag ich Mode viel zu sehr und habe nicht so oft die Gelegenheit, mich damit ausgiebig zu beschäftigen.  Allerdings bin ich auch Realistin, ich weiß, dass ich doch immer danach linse, was ich selbst auch tragen kann, deswegen habe ich mich dieses Jahr fast völlig auf die Fair Trade Mode und einzelne aufregende Brands und Projekte beschränkt – und da gibt es wirklich spannende Geschichten zu erzählen, davon habe ich viele mitgebracht,  die werden im Laufe der kommenden Wochen hier zu lesen sein, stay tuned.

cropped_look1-1Dieser Artikel befasst sich deswegen zusammengefasst mit  anderen Erlebnissen, die man so auf einer Fashionweek haben kann. Zum Beispiel die Modenschau von Holy Ghost. Die zeigten nicht den Herbst/Winter 2018, sondern Sommer 2017.  Viele haben sich beschwert, die Mode sei „viel zu tragbar“ – ich kann darin nichts Schlechtes erkennen. Ich hab mir gleich ein Kleid für den Sommer ausgesucht, einen blütenbedruckten Seidentraum, bei dem man sich sofort vorstellen kann, damit in Mykonos spazieren zu gehen oder an einem warmen Sommerabend an der Isar. Ich finde, Mode, die einen inspiriert zu träumen, kann nur richtig sein. Ich freue mich, dass das schöne Münchner Label mittlerweile eines der Highlights der Fashion Week ist. Ich erinnere mich noch an ihre allererste Show in München, die spektakulär war.

Es war eine von den zwei Schauen, die ich in der wirklich beeindruckenden Kulisse des Kaufhauses Jandorf gesehen habe. Das Kaufhaus hat das Zelt hinter dem Brandenburger Tor ersetzt und ist so Berlin, wie es nur sein kann: Shabby Schick, eine Ruine vergangenen Ruhms, wiedererweckt zu neuer Glorie.  Unfassbar hip und cool. Ich war schwer beeindruckt.  Das hatte unglaublich viel Flair, bitte unbedingt beibehalten.

img_2303Das Beiprogramm ist auch immer beachtenswert, sei es, dass auf der Torstrasse Patricia Field ihre Werke zeigt und ich die Möglichkeit hatte, mit ihr ein paar Worte zu wechseln und mich fast eine Stunde mit dem New Yorker Künster Scooter LaForge zu unterhalten, der wirklich außergewöhnlich ist.  Patricia Field ist klein uns rothaarig und hat eine Wahnsinnsaura. Für mich ist sie eine Heldin, die es geschafft hat, durch ihre Arbeit bei „Sex and the City“ und „Der Teufel trägt Prada“ den Massen nahezubringen, dass es okay ist, sich mal wirklich wild zu stylen.  Millionen Frauen haben viel von ihr gelernt. Danke dafür! Ich hab auch Streetstyle Fotograf  Michael  Dupouy getroffen und mir sein Buch signieren lassen. Sowas bedeutet mir immer mehr als mal die deutsche Prominenz live zu sehen, was zwar auch ziemlich lustig ist, aber eben nicht so richtig spannend. Mir sind echte Künstler lieber als Semiprominenz aus der Dschungelhölle.

img_2301Und damit komme ich zu einem Phänomen, das mir diese Fashion Week so aufgefallen ist wie nie zuvor. Das Blogger(un)wesen. Was, höre ich die entsetzten Aufschreie, du bloggst doch selbst? Ja, stimmt. Und das noch dazu in ziemlich kleinem Rahmen. Aber, bevor ich höre „Neid!“ möchte ich mal erläutern, was mich so genervt hat. Vor kurzem hat <a href="http://→ Voguedie Vogue einen wütenden Artikel veröffentlicht, in dem sich über die Blogger bei den Schauen in Paris und New York beschwert wurde. Ich verstehe nun weit besser, was sie meinen.  Klar, auch die Vogue Redakteure bekommen ihre Mode kostenlos gestellt, aber die wissen wenigstens, was sie damit anfangen sollen.  Bloggerinnen gelten als die neuen Influencerinnen, wichtiger als Modemagazine und TV Sterne. Und das stimmt auch. Blogger haben fast alle Modetrends der letzten Jahre mit lanciert. Deswegen wird es Zeit, dass sie sich ihrer Verantwortung und – ja auch Macht – bewußt werden. Menschen, die die Möglichkeit haben, Millionen von Mädchen zu beinflussen, sollten sich überlegen, ob es sinnvoll ist, diese Macht so billig zu verschleudern. Da lassen sie sich von Designern behängen, nehmen mit, was mitzunehmen gibt und schauen gierig, möglichst viel zusammenzuraffen. Und dann schauen alle gleich aus. Statt sorgfältig zu wählen, sich zu trauen, einen ganz eigenen Stil zu entwickeln. Seid doch mal ein bißchen mutiger. Hey, ihr bekommt umsonst, was ihr haben wollt, da müßt ihr nicht jeden Fetzen nehmen. Aber alle kultivieren den gleichen Püppchen-Look. Da sollten sie fix von den internationalen Bloggern lernen. Die, die wirklich nachhaltig bestehen, wagen es, Dinge auszuprobieren. Das tun sie hier nicht. Statt schicke, witzge Winterlooks zu kreieren, setzt man auf den gleichen Tinnef wie immer. Da lob ich mir die paar Clowns (witzigerweise meist die Männer), die sehen zwar  mit ihren übergroßen Blumenhüten mehr aus nach Fasching denn Fashion, aber hey – Mut bewiesen! Die weiblichen blogger trauen sich meist wenig. Sie nehmen in Kauf, sich den Hintern abzufrieren, weil sie bei Minus sechs Grad immer noch in freien Beinen und in Sandalen kommen wollen, weil ihnen nicht einfällt, wie man das anders als sexy stylen könnte. Hatte ich nicht vor kurzem geschrieben, welche Abstriche im realen Leben in Kauf genommen werden, um hip im Virtuellen zu sein? Hier wurde das Ganze auf die Spitze getrieben.  Saukomisch die Umziehaktionen vor den Eventlocations, wo Bloggerinnen bibbernd einen Striptease hinlegten, um ein „total natürliches“ Streeststyle-Bild hinzubekommen. Zusammengenommen gibt das alles ein unfassbar piefiges Bild, das mehr nach  Bad Würseler Debütantinnenball aussieht denn nach internationaler Fashion Week.

img_2315Ich gebe zu, ich war eher praktisch unterwegs als besonders High Fashion. Aber ich stilisiere mich auch nicht als Influencer. Deswegen hatte ich lieber meine geliebte Esprit-Bluse dabei, Pullover von Hess Natur (nicht vergessen, ich war zu 70 Prozent auf dem Green Showroom), Lederleggings und den wärmsten und leichtesten Mantel, den ich besitze, den ich bei dem Sale der Agentur Klauser abgestaubt habe. Dazu selbstgestrickten Schal und Mütze von Riani, die ich vor Ort erworben habe. Mir hat es gefallen.