Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Ich mag Bärte. Im Rahmen: Männer mit Bart sind toll. Witze mit Bärten sind es nicht.  Und Webseiten, die einen Bart im Namen tragen, sind es auch nicht. Breitbart, Schmalbart…gibt es schon Schnurrbart, die Webseite für Katzenwahrheiten? Backenbart, Zahnärzte enthüllen? Damenbart, Wahrheiten hinter „Schwiegertochter gesucht“ .

Achse des Guten, Achse des Besseren, Breitbart, Schmalbart und dazwischen Gunther, äh, Sigmar Gabriel, die Kanzlerin und Heiko Maas. Alle erzählen einem, im Besitz der Wahrheit zu sein, aufzuklären und alle zu bestrafen, die die Wahrheit nicht anerkennen. Jeder und jede erklärt sich zum Sprecher der schweigenden Mehrheit. Aber vielleicht vertritt die keiner von denen? Mittlerweile ist eine gewisse Ernüchterung da in der Flüchtlingspolitik, um die es meistens geht. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen – oder, wie Scully und Mulder sagen: „irgendwo da draußen“. Die schweigende Mehrheit weiß, dass das Märchen von all den hoch qualifizierten Flüchtlingen genau so ein Blödsinn ist wie die Geschichte von einem Heer von Terroristen.  Die schweigende Mehrheit weiß, dass bei 1 Million Leute nicht nur Engelchen kommen, und finden es trotzdem o. k. Flüchtlingen zu helfen, solange sie nicht von ihnen angefeindet wird. Die schweigende Mehrheit sieht durchaus die Fehler, die zum Beispiel ein Innenminister Jäger aus Schlampigkeit oder falsch verstandener Political Correctness macht.  Den meisten sind Begriffe wie Nafri oder Nazi ganz egal, solange sie nicht fürchten müssen, dass jedes Fest zur Festung wird und harmlose Gaudi gefährlich wird. Statt immer weiter die Wahrheit für sich zu reklamieren, wäre es eine gute Idee, der Bevölkerung einfach mal zuzuhören. Den Sorgen, die sie wirklich umtreiben.  Man kann Trump viel vorwerfen, aber eines nicht: er hat genau erkannt, wo die Bevölkerung der Schuh drückt und hat diese Sorgen adressiert. Ob er sie lösen kann ist fraglich .

Ich würde mich jedoch sehr freuen, wenn die Politiker und Journalisten in Deutschland endlich einmal anfangen würden, nicht die Wahrheit zu postulieren, sondern die Wahrheit zu suchen. Ergebnisoffen, ohne auf ein Ergebnis zu hoffen, dass ihnen passt. Es ist 2017 und Wahlkampf. Und bis jetzt sind mir keine besonders wahrheitsliebenden Wahlkämpfe in Erinnerung.

Ich finde es gefährlich, wenn alle glauben, die Wahrheit zu kennen. Besonders gefährlich wird es dann, wenn in den Händen einiger auch die Macht liegt, andere Wahrheiten mit dem Gesetz zu jagen. Sowas hat die spanische Inquisition übrigens auch gemacht, und die hatten auch das Gefühl, im Besitz der Wahrheit zu sein. Das Ergebnis war nicht schön. Außerdem: Wir haben doch gute Gesetze: wir haben ein Recht sich gegen Verleumdungen zu wehren,  gegen Beleidigung und Rufmord. Es gibt Gesetze gegen Volksverhetzung. Dann wendet die halt mal an.  Und wenn all die Wahrheit-Webseiten uns ihren Teil der Wahrheit präsentieren und wir selbst wählen dürfen was wir glauben oder nicht, auch mal offizielle  Verlautbarungen in Zweifel ziehen dürfen, ohne das wer Hass-Post schreit, dann  wären wir einen guten Schritt weiter in Richtung gelebte Demokratie. Und das ist die Wahrheit.

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