Kleingeld für große Ziele

zomba_04_sumaya_webIch bin eigentlich kein großer Freund des Spendens. Zu viele benutzen es als modernen Ablasshandel: 100 Euro an Weihnachten auf das Konto einer Hilfsorganisation schaffen ein gutes Gewissen und das Gefühl, seinen Teil zur Beseitigung der Probleme auf der Welt getan zu haben. Aber ganz so einfach funktioniert das nicht, leider. Ich finde es besser,  bewußt zu leben, bewußt zu konsumieren und auch ganz bewußt zu spenden, öfter daran denken, wie gut wir es haben und wie bitter die Not in anderen Teilen der Welt ist. Statt einmal groß zu Weihnachten lieber pro Woche 2,80 Euro – dieser kleine Betrag hilft, ein Kind eine Woche lang zu ernähren. (ich weiß, auch das kann nicht jeder, aber ab und an einen kleinen Betrag kann man vielleicht erübrigen) Bei der Sammlung von Mikrospenden hilft die innovative App ShareTheMeal, für die mein Arbeitgeber Pro Bono arbeitet. Ich finde die Idee wirklich toll, weil sie es möglich macht, täglich einen winzigen Betrag zu spenden, der aber die Welt wirklich besser macht für einen anderen Menschen – Hobbyweltverbessern vom Feinsten eben. Und das Spenden via App ist zeitgemäß und ich möchte die Aktion deswegen mit einem Blogbeitrag unterstützen.

Die Handhabung ist simpel: jeder Handynutzer kann mit nur 2 Klicks etwas bewegen. Die Idee: Der mobile Nutzer „teilt“ über die App sein Essen mit einem hungernden Kind und spendet 40 Cent – beim abendlichen Restaurantbesuch, mit Kollegen in der Kantine oder auch von Zuhause aus. Für 40 Cent kann das UN World Food Programme (WFP) ein Kind für einen ganzen Tag ernähren. Die ShareTheMeal App für iOS und Android ist in Deutsch und Englisch verfügbar und in den App-Stores in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich. Nach einem 1-minütigen Registrierungsprozess können Nutzer ihr Essen teilen – zu jeder Zeit und an jedem Ort. Das Konzept hat erfolg: In nur anderthalb Jahren hat es ShareTheMeal es geschafft, knapp 10 Millionen Mahlzeiten zu verteilen. In Lesotho, Syrien, Libanon und Jordanien erhalten Dank der Spenden tausende Flüchtlingskinder bis zu einem Jahr lang täglich Mahlzeiten. Das nächste Ziel ist es, Flüchtlingskinder in Kamerun mit Essen zu versorgen. Zudem möchte ShareTheMeal die Zahl der geteilten Mahlzeiten insgesamt im kommenden Jahr verdoppeln.

zomba_03_mervis_webMehr Menschen sterben an Hunger als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. Gleichzeitig wird Hunger oft als das „größte lösbare Problem der Welt“ bezeichnet, denn es kostet nur rund 40 Cent, um einem hungernden Kind einen Tag lang zu helfen. Transport- und Verwaltungskosten sind darin sogar bereits enthalten. „Mit ShareTheMeal gehen wir neue Wege, den Hunger gemeinsam zu bekämpfen“, so Sebastian Stricker, Co-Gründer von ShareTheMeal.

Ein Ziel ist es beispielsweise, 50.000 Schulkindern in Lesotho im südlichen Afrika zu helfen. Mit der App kann jeder den Fortschritt verfolgen und sehen, wo und wem geholfen wird. Der Bedarf in Lesotho ist sehr groß: 40 Prozent der Kinder leiden an chronischer Mangelernährung. „Wir wollen in einem Land starten, in dem unsere App eine sichtbare Wirkung erzielen kann.“ Mittlerweile sind der Libanon, Jordanien und natürlich Syrien hinzugekommen.

Was haltet ihr von Mirkospenden via App?

Über das UN World Food Programme (WFP)
WFP ist die größte humanitäre Organisation der Welt – jedes Jahr unterstützt WFP durchschnittlich 80 Millionen Menschen in 75 Ländern mit Ernährungshilfe. WFP finanziert sich ausschließlich aus freiwilligen Spenden. Über 90% der Hilfsgelder verwendet WFP direkt für die Hilfe vor Ort. Über 80% der Nahrungsmittel werden in Entwicklungsländern angekauft. Weitere Informationen unter: wfp.org/de

Ein Kommentar

  1. „Was haltet ihr von Mirkospenden via App?“ Die Benutzung einer App finde ich zeitgemäß, aber es müsste für lokale Projekte gelten, da es Armut auch hier in Deutschland gibt. Von den Spenden irgendwo in ein Projekt in einem afrikanischen Land halte icht fast gar nichts – bis auf direkte Spenden an lokale Projekte, wo man den Impact und die overhead costs kennt. Ich finanziere zB die Website eines Kinderheimes in Kenia, das sich um die Kinder inhaftierter Mütter kümmert. In den meisten spendenbasierten Projekten „in Afrika“ ist mir die alleinige Finanzierung über Spenden allerdings zu falsch und überhaupt nicht nachhaltig. Dazu kommt auch noch ständig das Bild dunkelhäutiger Kinder, die dann für Spenden werben sollen. Das ist aus meiner Sicht nicht sehr förderlich für einen zukünftigen Handel mit dem afrikanischen Kontinent, so wie er vom BMZ vorgesehen wird.

    Ein weiterer Kritikpunkt ist dieser Fokus auf Kinder. So unschuldige Kinder gehen doch kommunikationstechnisch immer besser als Erwachsene, die Hunger leiden. Oder sind die davon nicht betroffen?

    Having said that: es gibt keine „entweder/oder“-Argumentation. Für einige Leute ist das wunderbar und ein Weg zum Spenden. Whatever works is best. Ich finde es daher gut, dass es solche Apps gibt und würde mir natürlich wünschen, dass die Auslöser für Nahrungsmittelknappheit nicht nur menschenbedingt sind (~ Kriege, Misswirtschaft, usw.) und bei all dem verjubelten Geld auf dieser Welt zumindest auch die Grundbedürfnisse aller gestillt werden.

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