Präsident Trump – Weckruf für die deutsche Politik?

img_1829Heute morgen wurde das Unmögliche möglich. Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten. Viele stehen fassungslos vor diesem Ergebnis und denken: wie konnte das passieren? Ganz ehrlich? Es wundert mich nicht besonders. Durch die Vorwahl von Hillary Clinton bewiesen die US-Demokraten  eine einzigartige Instinktlosigkeit, die sich bitter gerächt hat. Statt dem beliebteren Kandidaten Bernie Sanders eine Chance zu geben, hat man mit Hilfe von Superdeligierten  auf Wall Street Kuschlerin Hillary gesetzt. Die Wähler werden das schon fressen. Haben sie nicht. Das hat man falsch eingeschätzt.

Wie eigentlich fast alles bei dieser Wahl. Man hat die Verzweiflung der Wähler im mittleren Westen unterschätzt, deren Jobs der Globalisierung zum Opfer fielen, die Wut der Bürger auf ein System, das sie nicht ernst nimmt und vom dem sie sich nicht repräsentiert fühlen. Hillary Clinton hat sie im Wahlkampf als Loser und Trottel beschimpft – so gewinnt man keine Herzen. Merken die überhaupt, wie tief der Frust darüber sitzt? Clinton gehört zu einer Elite, die nicht mehr checkt, was abgeht. Eine Kandidatin, die in einer 12.000 Euro Armanijacke eine Rede zur sozialen Gerechtigkeit hält. Kann man machen, aber dann wird man halt nicht gewählt. Probleme wurden marginalisiert. Echte Probleme wie den Rassenhass wurden zugunsten von Firlefanz und Wirtschaftsthemen zurückgestellt. Trump hat diesen Wählern  das Gefühl gegeben, dass er für sie spricht und zu ihnen gehören würde . Ob er es wirklich tut, steht auf einem anderen Blatt. (Ich glaube es nicht)

Seine Wahl müsste ein Weckruf sein für die deutsche Politik. Bis jetzt gab es ja genug Weckrufe: das Erstarken der Afd, die krachenden Wahlniederlagen in den letzen Wahlen für alle Volksparteien. Aber SPD, CDU und CSU glauben immer noch mit einem „weiter so“ sich durchwursteln zu können. Wenn Merkel nicht will, dass ihr alles um die Ohren fliegt wie eben Hillary, muss umgedacht werden – und zwar radikal! Und zwar nicht die Flüchtlingspolitik, hinter der die Mehrheit steht (vermutlich, gefragt werden wir ja nicht) sondern die Art, wie mit uns umgegangen wird.  Wie wir nichts erklärt bekommen – so funktioniert Politik im Netzzeitalter nicht mehr.

Die Mehrheit lehnt CETA und TTIP ab? Egal, die sind eh zu doof, die Segnungen der ungezügelten Marktwirtschaft zu verstehen. Die Mehrheit will keine Rettungspakete für Griechenland? Scheissegal! Rentenalter rauf? Super! BER Irrsinn oder Protest gegen Stuttgart 21? Unwichtig. Andere Länder dürfen über eu abstimmen – Deutschland nicht. Aber Hauptsache, die CDU lehnt den Präsidentschaftskandidaten der SPD aus Prinzip ab – so regiert man einfach frech am Bürger vorbei. Politik wird in Hinterzimmern ausgemauschelt, Kandidaten nicht wirklich nach Fähigkeiten gesucht, sondern nach parteipolitischem Kalkül. Politik erklärt dem Bürger nicht, was passiert, sondern erklärt sich als alternativlos.

Bitte, kapiert endlich: niemand will jemanden wie Donald Trump, aber eben eine Hillary Clinton und damit Finanzeliten und Großkonzerne am Ruder noch weniger. Hier würde auch niemand die afd und ähnliche Parteien wählen, wenn sich unsere Politiker und Medien nicht beharrlich weigern würden, anzuerkennen, wem sie eigentlich verpflichtet sind. Wie viele Honks müssen noch ans Ruder kommen, bis auch endlich unsere Parteien verstehen, dass sie sich ändern müssen? Viel Zeit bleibt nicht mehr.

4 Kommentare

  1. Das stimmt sicher teilweise. Aber aus Protest einen frauenfeindlichen, rassistischen Demagogen wie Trump zu wählen, geht meiner Meinung nach gar nicht und dafür ist auch ein Gegenkandidat wie Clinton keine Entschuldigung!!!!
    Und das gilt für mich auch in Deutschland. Politiker von der Afd, die ‚aufräumen‘, etc. wollen, disqualifizieren sich für mich selbst und das kann einfach nichts anderes aufwiegen!!!

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  2. „Der Spätkapitalismus nährt überbordende Wut. Weiße Arbeiter erleben die Diskurse der intellektuellen Eliten wie eine Demütigung. Dass die tonangebenden intellektuellen Minderheiten sich über sie lustig machen, sie hinterwäldlerisch finden, bespielt eine Klaviatur von Gefühlen, auf der Trump spielt wie kein zweiter. Die Neue Linke betrachtet die Arbeiterklasse nicht als ihren Verbündeten. Unfassbare Ironie der Zeitgeschichte! Die Absurdität gipfelt darin, dass der um sein soziales Überleben kämpfende weiße Arbeiter sich von Studierenden der Ivy-League-Universitäten seine Privilegien unter die Nase reiben lässt. Das geht nicht gut aus.“
    https://kursbuch.online/shop/kursbuch-186-rechts-ausgrabungen/

    Auch wenn ich ein CETA und TTIP Befürworter bin, nicht glaube, dass direkte Demokratie immer eine gute Idee ist.. die Politik muss sich erklären und dann eben auch überzeugen. Das Prinzip nennt sich Demokratie. Da versagen wir zur Zeit gehörig. Brexit, Trump, FN und die AfD sind da eine logische Konsequenz…

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  3. Grundsätzlich stimme ich deiner Einstellung schon zu. Aber die Entscheidung für den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten wurde von den Entscheidern nicht daran gemessen, wie viel Prozentpunkte Bernie Sanders hätte mehr einfahren können. Die Umfragewerte waren schließlich dort bekannt und wurden sicher analysiert und kalkuliert. Hier wurde eine ganz klare Entscheidung getroffen: Lieber einen Faschisten gewinnen zu lassen als einen Sozialisten …

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