Eine Liebeserklärung an Twitter

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Danke an die Illustration von http://www.katzundtinte.de/

Zehn Jahre Twitter. So lange bin ich noch nicht dabei, aber immerhin seit 2009. Drei Jahre musste Twitter ohne mich auskommen. Oder ich ohne Twitter – je nachdem. Es klingt pathetisch, aber ich kann mir ein Leben ohne den Kurznachrichtendienst eigentlich nicht mehr vorstellen. Naja gut, vielleicht ohne Twitter schon, aber nicht ohne die Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Ich erinnere mich, ich war mit Kollegen in München auf einem Treffen, bei dem wer Twitter vorstellte, meine Kollegen kannten es schon und waren dabei, ich noch nicht. Damals hab ich mich angemeldet und bin dabei geblieben. Damals hatte Twitter den Ruf, die Plattform zu sein, auf der jeder seine belanglosigkeiten eingibt. „Bin gerade auf dem Klo“. Stimmte schon damals nicht wirklich. Aber aus dem Stream von Gedanken wurde das schnellste Nachrichtenmedium, ein politisches Debattentool und eine Möglichkeit, in Echtzeit mit anderen Menschen das TV zu kommentieren. Als Sekunden nach der Heldenlandung eins Flugzeugs auf dem Hudson die Bilder über Twitter liefen, erkannte die Presse, was sie da hatte. Und Obamas Wahlkampf fußte im wesentlichen darauf – wie jetzt der von Trump.
Mir hat Twitter persönlich viel gebracht: Seit fünf Jahren befinde ich mich auf eine Tour du Deutschland, die jetzt im April mit der Rückkehr nach München ihr vorläufiges Ende findet. Vorläufig – weil ich gerade nicht sicher bin, was sonst so alles passiert. Ist man einmal entwurzelt, dann treibt man lose wie ein Blatt im Wind dahin. Aber zurück zu Twitter. Denn diese Tour wäre sehr anders verlaufen, wenn ich sie ohne Twitterbegleitung gemacht hätte. Ich wäre in Frankfurt nie zu einem Twittwoch gegangen, hätte dort nicht Ali Pasha getroffen, der mich zu Schnitzelffm eingeladen hätte. Ich hätte dann nicht Alex Schnapper kennengelernt, der mich zum Piratenstammtisch mitgenommen hat. Ich wäre nicht in die Partei eingetreten, hätte nicht für den Bundestag kandidiert. Und hätte nicht mitgemacht bei den unfassbaren Schlammschlachten, für die diese Partei auf Twitter berühmt-berüchtigt war. Da gibt es einiges, was ich damals vom Stapel gelassen habe, auf das ich nicht stolz bin. Im Gegenteil. Aber damals erschien es mir notwendig. Asche auf mein Haupt. Aber was habe ich via Twitter nicht alles gelernt und getan. Ich habe viel politische Bildung mitbekommen, gelernt, wie man Debatten lostritt, war eine der ersten, die das Schweigen der Polizei und Presse zur Kölner Silvesternacht aufgegriffen hat. Ich hab viele verrückte Dinge gesehen, Millionen Katzenbilder. Lady Gaga folgt mir auf Twitter, seit ich sie mal nach der Michalski-Modeschau interviewt habe. Dank Wissenschaftsjournalisten wie Fischblog habe ich immer neue Links in die Timeline bekommen und weiss auch, was Quokkas sind. Ich mag die Aphorismen-Twitterer nicht, die nur einen geleckten Spruch nach dem anderen raushauen. Folge ich nicht und Monologe finde ich eitel. Mich haben die Menschen, die auf Dialog aus sind, immer mehr interessiert.
Twitter hat mich nach Frankfurt weiter begleitet: Meine zweite Station war Düsseldorf und da hatte ich nicht so viel Glück wie in Frankfurt. Aber die Umstände waren auch schwieriger. Jobverlust, Jobsuche, seit einem Jahr pendeln nach Köln – und jetzt wieder verliebt in Frankfurt- nein, mein Ausflug ins Rheinland stand unter keinem guten Stern. Auch wenn ich hier – auch dank Twitter- tolle Menschen kennenlernen durfte und mich – via Twitter- zu einem
Der schönsten Karnevalsabende verabredet habe. Ich kehre nun heim in den Süden. Ich möchte die Zeit in Düsseldorf und Köln nicht missen. Dank Twitter weiß ich, dass ich Kontakt halten kann, teilweise besser als mit Facebook.
Es wachsen dir Menschen ans Herz, die du vielleicht nie treffen wirst und an deren Leben du Anteil nimmst. Du freust dich mit ihnen, trauerst mit ihnen. Du bekommst Hilfe. Twitter ist toll und ich beobachte mit Sorge, wie Twitter selbst sich zum Spielplatz für 15jährige umbauen will, dabei war es gerade großartig, dass es der Dorfplatz für alle Altersgruppen war…aber beständig ist nur der Wandel und alles ändert sich im Netz. Und ich kann niemand böse sein, weil der sein Geschäftsmodell ändert. Vielleicht werde ich über kurz oder lang auch ohne Twitter auskommen müssen…

2 comments

  1. Ich sehe Twitter als ein Mittel unter vielen, wobei ich den Kontakt halte, wenn ich es möchte, egal worüber.

    es gab vor Twitter ähnliche Programme und es wird danach andere geben.

    the circle og life, is the wheel of fortune…

    LG

    Maccabros

    Gefällt mir

  2. Twitter ist super, ich nutze es auch seit 2007 mit mehreren Konten und habe davon bislang nur profitiert. Und ähnlich wie Du ist es für mich auch ein Dialogmedium, keine Aphorismenmaschine. Scheiss auf all die Favs und Views und was auch immer. Menschen. Und Mäuse ^^

    Gefällt 1 Person

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