Hallo Nofretete- Ich bin so aufgeregt!

Ägypten ist voller Wunder. Es macht mich persönlich fertig, dass es jetzt so gefährlich geworden ist, in Kairo das ägyptische Museum zu besuchen. es liegt am Tarir-Platz und immer noch gilt die Gegend als nicht unproblematisch für Touristen. Schade auch, dass die Pläne, dieses Museum an den Rand von Kairo zu den Pyramiden zu verlegen, erst einmal auf Eis sind. Besonders spannend wäre die Kellerräumung gewesen. „Die zweite Ausgrabung Ägyptens“, so nennen Fachkreise den Umzug. Denn dieser Keller ist der Wahnsinn. Das Museum zeigt nur einen winzigen Teil der Schätze, das Meiste liegt unten im Keller. Völlig unkoordiniert. Man hat es fertig gebracht, dass dort ein 100 Meter langes Wandfries verloren gegangen ist. Das wirft ein Schlaglicht auf die Größe und auf die „Organisiertheit“ des Kellers. Vermutlich liegt dort der Gral, die Bundeslade und das Bernsteinzimmer, der Stein der Weisen, der Brunnen der ewigen Jugend und was man noch so alles suchen könnte 🙂

Aber nicht nur dieser Keller hat immer wieder Überraschungen in petto, auch ein Teil des Landes, bei dem man meinte, dort sei jedes Sandkorn schon zweimal umgedreht worden, hat immer noch ungeheure Entdeckungen zu bieten. Schon als Tut ench Amun gefunden worden war, hatten Forscher zuvor gedacht, das Tal hätte nichts mehr zu bieten. Dieses Mal ist die Entdeckung wieder eine, die der Welt den Atem stocken lässt. Denn im Grab Tut ench Amuns gibt es nun tatsächlich weitere Kammern. Vermutet hatte man das, weil für eine Replik des Grabes die Wände mit einer Hochleistungskamera fotografiert wurden, um sie milimetergenau zu erfassen. Dabei hatte sich herausgestellt, dass unter den Wandmalereien sich zugemauerte Türöffnungen abzeichneten – und zwar da, wo nach dem traditionellen Plan eines Grabes sich weitere Kammern anschliessen müßten. Schon immer hatten sich die Forscher gewundert, dass das Grab so ungewöhnlich geschnitten war- Dieses Rätsel ist gelöst. Und hat einem viel größeren Rätsel Platz gemacht. Archäologie ist eins meiner Hobbies und ich bin ganz dizzy vor Aufgeregtheit. Was oder wer mag da in den Räumen sein? Die einen spekulieren, es wäre die Mumie von Nofretete in ihrem Grab, die anderen munkeln nur  von weiteren Schätzen. Ich weiß es nicht, aber es ist ein unfassbares Wunder und ich hätte mir nie träumen lassen, dass da noch mal etwas gefunden wird. Jetzt werden die Wände wohl geöffnet – und ich möchte so gerne wissen, was dahinter verborgen liegt. Die ersten Archäologen wie Schliemannn oder Petry (ja der hiess so) hätten vermutlich einen Rammbock genommen oder eine Spitzhacke und würden morgen berichten, was drin war in den Kammern. So brachial geht man heute nicht mehr vor und wir müssen uns vermutlich noch viele Jahre gedulden, bis sich diese neue Tür zu den Wundern der alten Welt auftut.
Warum ist es denn so wahrscheinlich, dass sich ausgerechnet Nofretete in dem Grab verbergen könnte? Sie war auf eine nicht ganz klare Weise mit dem Pharao verwandt. Tut ench Amun ist der Sohn ihres Mannes Echnaton mit einer Nebenfrau (eine Mumie, bekannt als „Younger Lady„, die vor einigen Jahren mit eingeschlagenem Schädel gefunden wurde – ein ungeklärter Mordfall in der Antike). Und Nofretete ist ziemlich sicher auch zugleich seine Schwiegermutter, als Mutter von  Tuts Frau Anchesenamun. Damals haben die Pharaonen dauernd untereinander geheiratet… Ob sie auch seine Vorgängerin auf dem Thron Ägyptens war, darüber streiten sich Gelehrte. Denn die Zeit nach der monotheistischen Revolution, die Echnaton angezettelt hat und bei der er zum Misfallen der Priester die gesamten ägyptischen Götter abgeschafft hat zugunsten der Verehrung der Sonnenscheibe Aton, ist verworren und wurde aus den Geschichtsbüchern der beleidigten Priester getilgt. Nix genaues weiß man nicht.

Das könnte sich jetzt schlagartig ändern. Schätze und gelüftete Geheimnisse – was für eine Kombi. Hoffentlich ist es nicht nur der Abstellraum… Wie geht es jetzt weiter? Ich bin sicher, es sitzt ein Stab Archäologen gerade dran. fieberhaft zu überlegen, wie die Kammern zu öffnen sind. Ich schätze, es wird erst einmal eine kleine Kamera eingeführt- und dann sieht man weiter…

2 comments

  1. Oh das hört sich ja superspannend an! Ich habe auch Bücher ohne Ende über das Thema gelesen, wisenschaftliches und Fiktion und stundenlang die Bilder aus dem Grab studiert. Ich war noch nie dort um mir das alles man lin Natura anzusehen, hat irgendwie nie geklappt. Eine Zeitlang wollte ich auch Archäologin werden aber die Jobchancen sind ja doch eher mäßig 😦 Was allerdings riesig! beeindruckend war, ist die Tut-Anch-Amun Ausstellung die durch Deutschland getourt ist. Ich habe sie zweimal gesehen und war hin und weg!!

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  2. Tut-Ankh-Amun war der Botschafter zunächst für das Alte, dann aber auch das Neue Ägypten, der durch sein Leben und nicht zuletzt durch seine Schätze mein Herz für das ganze Land entzündet hatte. Ich hatte 1978 das Vergnügen, noch die originale (!) Totenmaske in Köln und, sehr viele Jahre später, in Kairo sehen zu dürfen. Seine und die Geschichte seiner Familie faszinieren mich nunmehr seit Jahrzehnten und haben mich unauflösbar mit dem Land verwoben. Ich habe das Grab des Tut- Ankh-Amun gesehen, das ganze Tal der Könige, und seine Heimat einige Male bereist; einmal sogar habe ich einen Ägyptologen begleitet. Soviel kann ich sagen: je mehr man gelesen und vor Ort gesehgen hat – desto weniger weiß man.
    Obschon die Annahme sehr nahe liegt, dass sich hinter dem Grab des jungen Königs das von Nofretete befindet, so wenig ist dies sicher. Es kann sich noch immer um unfertige, hastig deshalb geschlossene Kammern mit ein wenig vergessenem Geräte, als aber auch um eine vollständig andere, größere Anlage handeln. Nur soviel scheint meines Erachtens sicher: ist es tatsächlich ein Grab, so muss (!) es älter sein. Möglicherweise sogar viel älter – und somit nicht zwingend das von Nofretete. Dabei zähle ich sicherlich zu denen, die sich kaum etwas mehr wünschen würden, das dem so sei.

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