Lesung von Lieblingsautor John Niven

Foto von John Niven
Foto von John Niven

Ich hab vor kurzem die Autorenlesungen der Mayerschen in Köln und Düsseldorf entdeckt, ich war neulich bei Robert Harris, dem Autor des Buches „Vaterland“ und bekam von ihm einen Teil aus dem letzten Buch der Trilogie über Cicero „Imperium“ vorgelesen. Hat mir gut gefallen. Ich hab mir alle drei Bände gekauft und mag nun den Mann Cicero, den ich in meiner Schulzeit (großes Latinum) hasste, wesentlich lieber. Ich hätte die Bücher gern meinem Vater geschenkt, sie hätten ihm gefallen. Wenn ich mit allen drei Büchern fertig bin, werde ich sie noch ausführlich besprechen.

Durch Robert Harris kam ich auf die Liste der anderen Autoren und siehe da, es war auch einer meiner Lieblingsautoren drauf, John Niven. Ich hab aber den Termin wieder vergessen und als ich am Freitag in die Mayersche in Köln ging, um mir eine Karte für die Lesung zu kaufen, hab ich festgestellt, dass ich gleich bleiben konnte, weil die Lesung eine Stunde später begann, und nicht, wie ich glaubte, eine Woche später. Glück gehabt und die Lesung nur um Haaresbreite nicht verpasst. Es wäre schade gewesen. John Niven ist ein lustiger Schotte, der einen lustigen schottischen Akzent hat und ein paar Bücher geschrieben hat, die mich wirklich berührten. Da wäre zum einen „Kill your Friends“ ein eben verfilmtes, bitterböses Buch über die Musikindustrie der Jahre 97/98, in denen, wie der Zufall es will, ich auch Musikredakteur war. Protagonist Steven Stelfox ist zynisch, kaputt, geldgierig, bis über beide Ohren zugekokst und abgrundtief ekelhaft. Mit anderen Worten, ein echter Frauentyp. Er mordet und intrigiert sich bis an die Spitze seiner Abteilung in seiner Plattenfirma und seine Umgebung quittiert seine Umtriebe nicht mit der gerechten Strafe, sondern, weil sie so kaputt ist wie er selbst, mit Bewunderung.  Das Buch spielt auf  der Midem (war ich), Winter Music Conference in Miami (war ich auch), MTV Music Awards (war ich) und muss feststellen, ich hab vermutlich die wilderen Teile der Parties verpasst. Nicht, dass ich besonders gerne mit einem Menschen wie Steven Stelfox gefeiert hätte. Aber trotzdem.

Ein anderes Buch von Niven, „Gott bewahre“ handelt von der Rückkehr von Jesus, der, um die Massen in unserer Zeit zu erreichen, bei einer Casting-Show wie DSDS mitmacht. Es ist weniger ein Buch über Religion als eins über die Verkommenheit der Medien und ein Aufruf zu mehr Akzeptanz und mehr Freundlichkeit „Be Nice!“ „Seid lieb zueinander“ lautet denn auch die Botschaft des neuen Jesus. Sein Antagonist, der Chef der Casting-Jury, ist übrigens ein etwas in die Jahre gekommener Stelfox. Der Bösewicht aus Buch 1 hat es mittlerweile zu märchenhaftem Reichtum, einer gepflegten Alkoholsucht und einem Sündenregister so lang wie die Route 66 geschafft. Und kommt auch diesmal davon.

Ich wollte nach der Lesung wissen, ob man Stelfox in einem zukünftigen Buch nochmal trifft, was Niven aber verneinte „Ich will mit dem Typen nicht nochmal ein Jahr verbringen. Aber ganz ausschliessen will ich es nicht. Er hätte eigentlich in „the Second coming“ einen kleinen Auftritt haben sollen uns schob sich immer weiter in den Vordergrund. Bei ihm weiß man nie!“

Aber diese beiden Bücher waren gar nicht die, aus denen John Niven und sein lustiger deutscher Übersetzer Herr Nagel vorlasen. Sondern ein wunderbar lustiger Krimi namens „Old School“, in der eine Bande von bankrotten Rentnerinnen gemeinsam mit eimen an Alzheimer erkrankten Ex-Bankräuber eine Bank ausrauben. Sehr charmant. Sehr schräg. Sehr britisch. John niven erklärt: „Eigentlich sollte es ein Drehbuch werden. Ich habe die Hollywood-Filme so satt, in denen immer jeder jung und schön ist und jeder mit einem gigantischen Sixpack durch die Gegend läuft. Ich wollte einen Gegenentwurf starten.“ Aber der Gegenentwurf kam wohl nicht an und so ist ein Buch daraus geworden. Wir haben bei der Lesung Tränen gelacht. Der Film ist dabei entstanden, in meinem Kopf jedenfalls – und mit richtig guten Darstellerinnen (Helen Mirren, Dame Maggie Smith) würde das auch im Kino ein echter Klassiker. Das Buch lehrt uns: Engagier nicht jemand mit Alzheimer zum Fluchtwagen fahren. Auch Leute im Rollstuhl können so richtig gemein sein. Und wie schnell man laufen kann, hängt davon ab, ob man seine Eier behalten will.

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