Von Urzeitkrebsen und Kannibalen im Büro

YPSHeute hat ja Google ein Doodle, das auf das erste YPS-Heft aus dem Jahr 1975 hinweist. Ich musste das damals unbedingt haben. Ich war wohl damals schon ein weiblicher Nerd. Ich liebte Gimmicks wie das Fingerabdruckspulver, das ich überall in der Küche herumstreute, um zu beweisen, dass ich nicht diejenige gewesen bin, die am Kühlschrank war, sondern Papa. Oder die Zeltfolie, die sich im praktischen Einsatz als völlig unpraktisch erwies, weil sie zu dünn war, auch nur den kleinsten Windstoss auszuhalten. Ich kann mich auch noch an Plastikschatztruhen mit komplizierter Mechanik erinnern, an Lupen und „Springbohnen“ aus Mexiko. Oder kleine „Marsfahrzeuge“, die mit Solar angetrieben werden sollten. Aber viellecht spielt mir da meine Erinnerung einen Streich. Ich weiß, dass die Gimmicks immer grandiose Erwartungen weckten, die irgendwie nie so richtig erfüllt wurden, aber es machte trotzdem Spaß und ich kaufte das nächste Heft garantiert wieder – mein Papa unterstützte das, der war auch so ein Bastler, der gerne lötete. Die moderne Maker-Szene hätte ihm vermutlich sehr gefallen…

Aber, wie alle Menschen meiner Generation, es gab ein Gimmick, an das sich wirklich alle erinnern können und das jeder hatte: die Urzeitkrebse. Im Prinzip sind diese anspruchlosen Tiere in jeder Zoofachhandlung zu kaufen und werden als Fischfutter genutzt. Aber für mich war es die erste Erfahrung mit einem Haustier. Ich konnte damals schon lesen, das zahlte sich aus. Eine Freundin von mir hat damals nämlich die Algen, die als Futter dienen sollten, und die Eier verwechselt und den Beutel mit Algen ins Marmeladenglas gekippt, um dann mit den Eiern zu füttern. Das Ergebnis war ein Glas voller Algen, in dem die Viecher erstickt sind. Kein glücklicher Ausgang.  Ich hab es zumindest anfangs richtig gemacht und die Eier ins vorbereitete Wasser geschüttet. Da hat mir Papa bei geholfen. Ich kann mich erinnern, dass ich sogar nachts mehrmals aufgestanden bin, um zu sehen, ob schon was geschlüpft ist. An Tag drei haben sie mir die Freude gemacht und sind als winzige Flusen durchs Wasser getrieben.

werbungMeine Mutter sah das Ganze eher skeptisch, ich war begeistert. Allerdings war ich wegen der Optik enttäuscht, ich hatte mir doch was Niedlicheres erwartet. Da war sicher diese Werbeanzeige schuld, die in allen Micky Maus Heften zu finden war. Egal, es waren meine Krebse und das war super. Ich hab ihnen Namen gegeben, bunte Glasperlen zur Verziehung ins Wasser geschüttet und wollte eine kleine Burg aus dem Aquarienbedarf, die ich aber nicht gekriegt habe. Ich hab mir wirklich Mühe gegeben, die Tiere am Leben zu halten und es ist mir  ein dreiviertel Jahr geglückt, auch wenn mir das Glas gefährlich zualgte. Tolle Kindheitserinnerung.

TriopsIn neuer Zeit hat mein damaliger Kollege Florian Hohenauer nochmal so ein Experiment gestartet, nachdem er so ein Galileo-Set geschenkt bekommen hatte und in einer Schale Triops im Büro gezüchtet. Die wuchsen ziemlich schnell zu einer überraschenden Größe heran, aber die haben sich immer gegenseitig aufgefressen. Jeden Morgen war es einer weniger, bis nur ein riesiges Vieh allein durch das Wasser schwamm. Mein Kollege meinte, das sei gelebtes „Surviving of the fittest“, ich fand das keine schöne Vorstellung, dass sich Haustiere gegenseitig auffressen udn hab vom Erwerb eines Triopssets für meinen kleinen Neffen abgesehen. Das wollte ich der Kinderseele nicht zumuten. Aber die Urzeitkrebse, die werd ich ihm noch schenken.

Was sind eure Erinnerungen an das YPS-Heft? Hattet ihr auch Krebse?

8 Kommentare

  1. Jaaaa, die Urzeitkrebse hatte ich auch! Und auch ich war sehr enttäuscht, weil ich mir aufgrund des Bildes etwas ganz anderes versprochen hatte! Für meine Kinder habe ich natürlich auch prompt diese Triops Packung gekauft, wobei es zwei verschiedene Größen (der Krebse) gab und ich die kleinere Version gekauft habe, die denen entsprach die wir damals hatten. Und siehe da, auch meine Kids hatten so lange Freude daran wie die Viecher überlebt haben, das war ja nie wirklich lang 😦

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      1. Die hatten wir nie, immer nur die kleinen, die man am besten mit einer Lupe schwimmen sehen konnte. Ich weiss noch genau wie enttäuscht ich war,schließlich hatte ich die reizenden Wesen von der Werbung erwartet – lol 🙂

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  2. ich habe mir die Yps auch immer von meinem Taschengeld geholt. Da bin ich dann immer alleine zum Zeitungsgeschäft und hab fast mein ganzes Taschengeld dafür ausgegeben und oft war es Entaeuschend und trotzdem immer wieder gekauft lol

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  3. an die Werbung bzw. das Bild kann ich mich auch noch gut erinnern und ich weiß auch noch, dass ich auch Urzeitkrebse hatte. Leider hab ich den ganzen Rest verdrängt 😀
    Um die Galileo-Kästen schleiche ich auch schon ne Weile rum, allerdings ist der Große gerade erst 6 geworden – er hat damit noch ein wenig Zeit. Sie sollen ja auch ne Weile überleben 😉

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