Laugengebäck für Nerds

Was ist Jan Böhmermann eigentlich? Kabarettist? Comedian? Also auf keinen Fall Comedian, das wäre eine Beleidigung in einem Land, das auch Mario Barth oder Cindy aus Marzahn zu den Comedians zählt. (Obwohl er sich in seiner Twitterbio selbst so bezeichnet) Ich weiß nicht, warum das ZDF den so gut im Programm versteckt. Naja, eigentlich weiß ich es schon, vermutlich ist der Humor zu intelligent. Oder zu speziell und zu nerdig. Ich will mich da  nicht ranschleimen und den armen Mann eingemeinden, aber der Böhmermann, das ist einer von uns – uns, das sind wir Nerds, Geeks, wir Hardcore-Twitter-Nutzer und Facebook-nicht-nur-Bilder-Poster. Er ist vielleicht der erste und bislang einzige deutsche Comedian, der das Netz voll und ganz kapiert hat und damit spielt. Weil es nicht reicht, eine Grumpycat-Puppe zu schwenken und zu glauben, das sei jetzt ein Hit. Oder – voll ironisch – mit einem Jutebeutel rumzulaufen. Nicht witzig. Sehr witzig dagegen: Sein Varoufakis-Gag war der Hit, so oft die Fälschung und das Original drehen, bis keiner mehr weiß, was eigentlich stimmt. Macht sonst nur der Postillon in dieser Perfektion. Und damit die Möglichkeiten zeigen, die das Netz bietet, all die Fälschungen, die mittlerweile superschnell gemacht sind. Was ist Fake, was ist echt? Das permanente Mißtrauen im Netz, ob man gerade einem Hoax aufsitzt oder sonstwie verarscht wird, sitzt tief. Die Netzgemeinde weiß das und postet (meist) nicht ungeprüft alle Dummheiten weiter, die es so gibt. Daraus einen Witz zu machen, dass der Großteil der Leute und leider auch der traditionellen Medien das eben doch tut – genial. Er macht sich auch über andere Phänomene des Netzes lustig: StartUps und DIY-Bäckerinnen, Blogger und Youtuber, emotionale Schrei-Promis mit ihrer billigen Propaganda auf Facebook.

Aber der Mann kann mehr: Wenn der Böhmermann in den 50er Jahren geboren worden wäre, dann wäre er in den 70ern alt genug gewesen, eine Show wie die Hitparade zu moderieren. Oder noch besser: ein Entertainer zu sein, wie sie damals im Fernsehen noch gezeigt wurden: große Showtreppe, Gesang, Steppen – das ganze Programm. Ich fände das jetzt wieder cool, so eine Show. Aber irgendwie ironisch bitte. Mit Auftritten von Uschi Blum oder den Global Krynern. Mit Jan Böhmernmann singend und tanzend und dem ZDF-Ballett. „Baby got Laugengebäck“ – aber mit mehr tanzenden Brezen. Nach dem Video wird mein Blick auf Brezen nie wieder der Gleiche sein. Oder gar auf Laugencroissants.

Wenn ich aus meinem Bürofenster in Köln Ehrenfeld im alten 4711-Gebäude über Ehrenfeld schaue, weiß ich, da weit hinten am Ring liegen die Studios, in denen sich dieses tolle Team von Neo Royale ihre Gags?/Sketche?/Witze? ausdenkt. Find ich gut -ich winke mal unbekannterweise rüber…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s