„Du kriegst drei Sterne von mir“ – neue App zum Menschen-Rating

 

Rosen für die große Liebe? Doch im deutschen TV findet man meist nur Gefaktes Foto:RTK
du bekommst heute keine Rose – auch eine Wertung. Menschen bewerten ist im TV schon längst Trend Foto: RTL

Und gleich noch der neueste Social Media Wahnsinn. Und zwar eine neue App namens Peeple – Eine Zusammensetzung der Wörter „People“ und „peep“ (gucken, aber auch spannen). Es wird ja heute alles bewertet: Hotels, Restaurants, Arbeitgeber, Pizzalieferdienste, Pizza, Duschgel, Lippenstift und unsere Elektrogeräte. Ratingagenturen bewerten Banken oder gleich ganze Länder, wir bewerten Services und Blogbeiträge, Facebookposts und Zeitungsartikel. Da ist es eigentlich nur naheliegend, dass auch wir Menschen endlich geratet werden. Die Idee hatten bestimmt schon viele, aber noch wenige hatten den Mumm, so etwas wirklich umzusetzen. Zwei Amerikanerinnen, Julia Cordray and Nicole McCullough, hatten ihn jetzt und liefern auch gleich zwingende Beispiele, warum man diese App unbedingt braucht: „Wir bewerten alles, warum soll man dann bei Menschen nicht auf diese Daten zurückgreifen können? Zum Beispiel möchte ich in einer Zeit, in der man seine Nachbarn kaum noch kennt, wissen, wem ich meine Kinder anvertrauen kann“. Sie wollten damit „Liebe und Positives Denken fördern “ Aha. Bewertet werden ehemalige Kollegen, Bekannte und natürlich der oder die Ex. Wer von jemandem bewertet wird, hat keine Chance, sich dagegen zu wehren, in die Datenbank aufgenommen zu werden. Nur gegen negative Kommentare und Bewertungen hat man ein Einspruchsrecht – gelöscht werden sie nicht, sonst wäre der Sinn der App laut ihren Gründerinnen ja dahin. Bewerten muss man mit seinem echten Namen – das senkt ein wenig die Hemmschwelle, Leute fies zu ranken. Ein wenig.

Nur ein Stern für den fiesen Ex. Klar hätte ich manchmal Lust, jemandem so eins reinzuwürgen, aber ich finde, eine App, die derlei niedere Instinkte bedient, nicht sonderlich attraktiv. Muss das sein? Und? Man kann doch einem Menschen nicht mit einem so simplen Bewertungsmodus gerecht werden.

Katrin Hilger

Pünktlichkeit: *****

Freundlichkeit:***

Kochkunst:****

Ordnungssinn:*

Optik: (müsst ihr bewerten)

Gesamt:****

Und jetzt? was wißt ihr über mich? Dass ich besser kochen kann als aufräumen? Gut, ich weiß nicht, welche Eigenschaften da abgefragt werden. Aber es wird nie und nimmer ein korrektes Bild daraus. Es ist der Wahn, Internet-Daten mehr zu vertrauen als dem eigenen Bauchgefühl.  Zahlen sind – so glauben wir – objektiv. Aber mit nix läßt sich so tricksen wie mit Zahlen. Zahlen und Bewertungen können manipuliert werden. Vielleicht sollten wir doch alle ab und an wieder vom Display hochschauen und einem Menschen in die Augen. Das könnte bei der Bewertung helfen.

3 Kommentare

  1. Bin mal gespannt, wie sie das machen wollen. Vor allem, wie sie es schaffen, dass nicht jemand unter falschem Namen andere bewertet. Dafür müsste man ja die Identität überprüfen, um das sicherzustellen. Ich glaube kaum (und hoffe nicht), dass so ein Bewertungsportal in Deutschland überhaupt legal ist.

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    1. Angeblich musst du wenn du wen bewertest, dessen habdynummer haben. Aber woher die dann wissen wollen, ob die stimmt….alles sehr unausgegoren- zum Glück

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