Wir brauchen einen anderen Umgang mit Tod und Unglück

Auf der einen Seite war der Tod uns nie so fremd wie jetzt. Menschen sterben selten daheim, sondern meist gut abgeschottet im Krankenhaus. Es ist nicht mehr üblich, sich zu verabschieden vom Toten, der Sarg bleibt zu, viele wollen den „Toten in guter Erinnerung behalten“. Und es stimmt, der Tod verändert die geliebten Menschen. Ich persönlich fand es gut und wichtig, nochmal persönlich Abschied zu nehmen von meiner Oma oder auch von meinem Vater. Die Erinnerung wird immer bleiben, im Guten wie im Schlechten.

Auf der anderen Seite ist uns Leid und Tod so nah wie nie. Fremder Tod und fremdes Leid. Unsere Medien zoomen auf die verweinten Gesichter von Angehörigen am Flughafen, zeigen fassungslose Minen vor einem Autowrack, zeigen das unendliche Leid von Eltern mit ihren toten Kindern im Arm, überall  in den Krisengebieten dieser Welt. Mittlerweile untermalt von emotionaler Musik, werden diese Bilder inszeniert. So machen uns die Medien zu Voyeuren des Todes. Wir schauen die Abgründe, aber aus dem sicheren Abstands des eigenen TV-Geräts oder Rechners. Leid wird zum Clickbait für alle, die sich der morbiden Faszination von Destastern nicht entziehen können.

Wir brauchen dringend einen anderen Umgang mit diesen Themen, damit uns der Tod und das Leid derer, die uns nahestehen, wieder näher rückt. Und, ja, auch der eigene Tod (kein schöner Gedanke, ich weiß) – und wir müssen aufhören, die Medien zu ermutigen, immer noch näher an den fremden Tod zu zoomen und Angehörigen ungehörig nah zu rücken.

6 Kommentare

  1. Hallo, nein wir brauchen die Medien für unser aller Leben um gerade mit dem Tod besser umzugehen . Ja es ist viel mist dabei gerade heute wieder .
    Aber wie willst du helfen wenn du nichts von draußen zugetragen bekommst , ein zweites Holocaust kannst du nur durch transparentz verhindern, den vormasch der IS auch, sonst würden sich nicht so viele freiwillig melden ( leider auf beiden Seiten).Lebt also mit der Bild und anderen Spinnern.Das ist Demokratie.

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  2. Ich denke man muss unterscheiden zwischen dem Thema Sterben und Unglücken.

    So wichtig Transparenz ist, empfinde ich das mediale Ausschlachten als unseriös. Gleichzeitig zieht es mich zu den Medien um zu wissen, zu begreifen.

    Das Thema Sterben ist nochmal ein ganz anderes. Es gibt tragische Unglücke, hier wird man nie „vorbereitet sein“.
    Anders sieht es beim friedlichen Übergang alter Menschen aus.
    Aber wie geht man mit totkranken Menschen um?
    Wie kann man Ihnen ein würdevolles Sterben ermöglich?
    Wie kann man das Sterben generell begleiten?

    Wie gehe ich mit Bekannten und Freunden um die einen nahen Angehörigen viel zu früh verloren haben?

    Aus Frauensicht: Wieso werden Fehlgeburten totgeschwiegen und Eltern müssen für die Beerdigung und „Anerkennung von Frühgeburten“ als Kind kämpfen?“ Wer redet im gebährfähigen Alter mit Freundinnen oder dem Partner über die Angst vor Fehlgeburten?

    Ich kann nur sagen, ich habe als junger Erwachsene habe ich meine Oma in ihrem letzten halben Jahr intensiv begleitet.
    Es war eine schreckliche, prägende und weiterbringende und gleichzeitig schöne Zeit.
    Schön nicht nur wegen der intensität mit ihr, sondern vorallem weil ich soviele positive Erfahrungen gemacht habe und weil ich diese Zeit als sehr wichtig für meine persönliche Entwicklung einstufe.

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  3. Ich bin bloß immer wieder dankbar, dass die Unglücksstelle der German Wings Maschine in einem unzugängigen Gebiet liegt. Sonst würden uns beim Abendbrot etliche abgerissene Körperteile über den Bildschirm flimmern.
    Für mich war der Gipfel der Medien-Geschmacklosigkeit der Trubel rund um den Unfall eines Michael Schuhmachers.
    LG
    Sabienes

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