Die fruchtlose Feminismusdebatte im TV

Gestern war wieder Genderpopender in der ARD bei „Hart aber fair“. Es war eine Diskussionsrunde aus der Hölle: die dauerbeleidigte Anne Wizorek, die postfeministische Sophia Thomalla,  die „Frauen sind doof“-Frau Birgit Kelle, der wandelnde Herrenwitz Kubicki und Frauenversteher Anton Hofreiter von den Grünen. Traumhaft. Nicht. Weil wieder alles durcheinandergeschmissen und geschrieen und gekeift wurde, dass danach garantiert nix bei rumkommt. Außer, dass wir uns solche Diskussionen echt schenken können.

Dabei wären sie notwendig. Denn natürlich ist es eine Sauerei, wenn Ärztinnen in einem Krankenhaus 15 Prozent weniger verdienen als Männer, klar gibt es eine Ungleichheit in vielen Bereichen. Und klar ist auch, dass wir Frauen dringend lernen müssen, unsere Rechte stärker einzufordern. Aber warum mixt man diese klaren Forderungen mit so wachsweichen wie „sexueller Belästigung“? Denn gerade eine so total subjektive Sache kann man nicht objektiv beurteilen. Wann und vor allem von wem sich eine Frau sexuell belästigt fühlt hängt nun mal extrem damit zusammen, ob ihr der „Belästiger“ gefällt oder nicht. Der kleine, dicke Antänzer in der Disco ist eine Belästigung, der sexy Antänzer kann der Beginn einer rosa Wolke sein. Auch wenn beide das Gleiche machen, sagen und tun bedeutet das nicht, dass die Taten gleich beurteilt werden. Sagt Frau einmal, dass sie das stört, hat ein Mann das zu lassen. Danach ist es klar Belästigung. Aber einen „Angrabversuch“ hat jeder Mann zu haben, weil er nicht wissen kann, ob er bei der Frau hop oder top ist.

Und dass wir Frauen Optik einsetzen, um uns Vorteile zu verschaffen, ist auch etwas, was in solchen Sendungen gern geleugnet wird. Aber es ist trotzdem richtig. Wenn eine Politikerin gut aussieht, sichert ihr das Vorteile gegenüber männlichen Mitbewerbern. Das ist einfach so. Wenn eine FPDlerin ihre Beine nicht zeigen wollte, würde sie keinen Rock anziehen oder sich als sexy Karate-Braut präsentieren. Nur: das macht sie nicht dümmer als Männer. Und es bedeutet nicht, dass sie nur an ihrem Aussehen gemessen werden will. Ich sage – die Frau, die das nutzt, ist schlau. Und wer wäre so blöd, freiwillig eine Waffe aus der Hand zu geben? Übrigens haben es auch gutaussehende Männer wesentlich leichter in Job etc.

Erst wenn Feministinnen wie Anne Wizorek zugeben, dass es auch sehr, sehr vorteilhaft sein kann, eine Frau zu sein, aber auch, wenn alte Reaktionäre wie Kubicki sehen, dass es immer noch große Ungleichbehandlung gibt, die es zu beseitigen gilt, dann kommen wir vielleicht an einen Punkt, an dem es sich lohnt, mit der Diskussion anzufangen.

7 comments

  1. „Die fruchtlose Feminismusdebatte im TV …“

    die ich mir deshalb gar nicht erst angesehen habe. Stattdessen habe ich eine Weile die Tweets gelesen, auch hier fast nur stures Beharren auf der eigenen Weltsicht.

    Ihrem Post kann ich weitgehend zustimmen, vor allem was die Sinnlosigkeit der Debatten betrifft (auch wenn ich inhaltlich auf der anderen Seite stehe).

    Dummerweise ist das Thema kompliziert und mit Stammtischparolen nicht sinnvoll behandelbar. Was sich medial abspielt, sind überwiegend reine Machtkämpfe, in denen mit Stammtischparolen Stimmung für die eigene Seite gemacht wird und nur noch blinde Zustimmung zum eigenen Lager zählt.

    Das kuriose und zugleich traurige an der Situation ist, daß die Leute, die an einer unideologischen, offenen Diskussion interessiert sind – also offen im Sinne, auch eherne Weisheiten der eigenen Seite infragestellen zu lassen und nicht überzeugt zu sein, im Besitz ultimativer Wahrheiten zu sein – von der dominierenden Politpropaganda komplett untergebuttert werden und noch nicht einmal einen eigenen separaten Dialog hinbekommen. Zumindest ist mir kein derartiges Forum bekannt.

    Aber auch diese Klage ist nicht neu. Auf beiden Seiten des Geschlechtergrabens sind die Scharfmacher weitaus aktiver als die nachdenklichen Selbstzweifler, das Ergebnis kann man sich denken. Ich weiß auch nicht, wie man daran etwas ändern kann.

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  2. Der Grund warum diese Debatten scheitern müsse ist, dass zwei inkompatible Weltsichten aufeinander prallen: Die genderfeministische, die Geschlechterrollen als zum Großteil anerzogen sieht, und die differenzfeministische, die Geschlechterrollen als zum Großteil angeboren sieht.

    Der Genderfeminist geht davon aus, dass Ungleichverteilung ein Indiz für Chancenungleichheit ist, und will die Ungleichverteilung bekämpfen.
    Der Differenzfeminist sieht in Ungleichverteilung nicht notwendigerweise Ungerechtigkeit, sondern vor allem die Wirkung geschlechterspezifischer Präferenzen, die zu bekämpfen sinnlos wäre.
    Hier kann es keine Kompromisse geben, es ist ein grundlegender Konflikt bezüglich des „Wesens des Menschen“.

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  3. Ich muss mir das wohl heute Abend doch auch anschauen. Auch wenn ich weder Hofreiter, noch Wizorek noch Kelle eigentlich abkann.
    Soweit ich weiss werden Ärzte in Kliniken fast immer nach Tarif bezahlt, da kann es eigentlich keinen Geschlechter Malus geben. Mal schauen, wo das herkam.

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  4. Moin, ich finde es schlimm, dass wir 2,1 Millionen ausgeben wollen um das Studentwerk in Studierendenwerk umzubenennen. Das sind 2,1 Mio nur für NRW, und bei 2,1 Mio. bleibt es ja nicht. Gibt es eine Frau, die nicht zum Studentwerk geht, weil das Studentwerk männlich ist?
    Heute darf man als Mann einer Frau kein Kompliment machen, es wird sofort als Anmache gewertet. Man darf eine Frau nicht sagen, dass Du schöne Augen hast, weil man will die Frau gleich ins Bett zerren. Was habt Ihr eigentlich für ein queres Männerbild? Klar gibt es Arschlöcher_innen (war das so korrekt, gegendert?), aber das ist nicht die Mehrheit der Männer. Und dem Herrn Hofreiter, würde ich anraten, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, er betonte, dass er als Biologe keine Genetischen Unterschiede sehen würde. Klar haben wir die gleichen Gene, wir gehören ja auch der gleichen Gattung an. Aber hunderttausende von Jahren haben unsere Genetik geprägt, und diese beeinflusst unser Gehirn und unsere Soziale Struktur. Männer sind als Neandertaler jagen gegangen, und Frauen haben in der Höhle gesessen. Männer hatten einen anderen Po wie die Frauen, weil die Männer schnell und weit laufen mussten, die Frauen brauchten das nicht, und daher hat sich das Gesäß anders entwickelt. Männer haben eher einen Blick für die Ferne (wo ist das Wild, das ich jagen muss) und Frauen haben eher den Nahfokus (Höhle, Haus, wo sind die Kinder, alles im Nahbereich). Und das merken wir auch heute noch, warum finden die Männer die Butter nicht im Kühlschrank? 😉

    Und das wird sich in zehntausenden von Jahren verändern. Dann wird es auch mehr männliche Erzieher geben, Erziehung liegt nicht primär beim Mann. Rein von der Genetik her! Wir setzen uns mit unserem Wissen und Sozialer Erziehung darüber hinweg, genauso, wie wir Männer es gelernt haben, Frauen nicht als Gebärmaschine anzusehen, und das der Mann seinen Samen verstreuen muss.
    Was er früher als Erhaltungstrieb machen musste, sonst wären wir ausgestorben.
    Ich kann mir sogar vorstellen, dass Männer irgendwann Kinder austragen! Wenn die Natur erkennt, Männer und Frauen können das gleich gut, hey warum nicht.
    Und hört mir auf, wenn Ihr argumentieren wollt, dass wir Männer dafür zu weich sind, den Geburtsprozess zu überstehen, das machen bei Euch auch nur Hormone. Direkt nach der Geburt sagt die Frau, nie wieder, aber dann schüttet der Körper „Vergessens Hormone“ aus, und die Frau möchte wieder Schwanger werden. Das ist eine gute Erfindung der Natur, ansonsten wären wir ausgestorben. Also, es gibt momentan keinen Grund, warum wir in Hunderttausend Jahren nicht auch Gebärende Männer haben.
    Ich finde es gut, was wir als Gesellschaft erreicht haben.
    Wenn ich mir anschaue, was Frauen in Indien erleiden müssen, wird mir Kotzübel, wir haben hier in Deutschland eine Luxusdiskussion.
    So ich muss Schluss machen, ich muss Essen kochen, und dann den Abwasch. Und Staubsaugen muss auch noch sein.
    Wenn meine Frau von der Arbeit kommt, möchte die gerne was zu essen haben.

    Vielleicht schaut Sie dann noch Fußball oder Eishockey und ich schau mal nach neuen Rezepten die ich kochen kann.
    Und liebe Katrin, da wir uns erst mal eine Zeit nicht sehen, auf diesem Wege eine herzliche Umarmung!

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  5. Europa, insbesondere Deutschland, hinkt in der wirklichen Emanzipation noch arg hinterher, global betrachtet. Man kann das alles auch gerne geschlechtsneutral betrachten: Ich als Mann wurde – trotz Eherings – bereits einige Male auf das Unappetitlichste von Frauen angemacht – von Beleidigungen mal ganz abgesehen, und damit meine ich mir gegenüber getätigte Äußerungen von weißen Frauen, die gegen andere Personen gerichtet unter Volksverhetzung fielen. Tja, der Heightismus feiert seine größte Akzeptanz momentan in Deutschland („der kleine, dicke Antänzer ist eine Belästigung“).

    Seit vielen Jahren spare ich es mir wo immer es geht, mit weißen Frauen (oder gar deutschen Frauen) zu reden, und bin glücklicher denn je: Es gibt nämlich weltweit Abermillionen emanzipierter Frauen, mit denen ein Zusammenleben möglich ist; allerdings spreche ich mit denen dann eher Chinesisch und Deutsch nur, wenn sie es als Zweitsprache lernen.

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