„Auf die Haut würde ich kein Parfum mehr sprühen“

parfumIch hab ja über den (zumindest temporären) Verlust meines Geruchssinns geschrieben. Und ich will euch heute erzählen, wie wichtig dieser Sinn wirklich ist. Er ist eng verknüpft mit dem Geschmackssinn – Aromen von Kräutern, Gewürzen, Gemüsen etc – all das wird über die Nase wahrgenommen, ist die weg, bleibt nur ein sehr rudimentärer Mix aus süß, salzig, bitter, sauer, scharf – alles andere ist weg. Wie viel Spaß Essen da noch macht, kann sich jeder ausmalen. Ich war immer ein extremer Nasenmensch, der Film „das Parfum“ hat mir aus der Seele gesprochen.

Deswegen war ich auch beim Vortrag von Professor Dr. Hanns Hatt von der Uni Bochum zum Thema „Wie Düfte unser Leben verändern“. Ich hatte mir Tipps für meine Krankheit erhofft (und auch bekommen)  – Aber der Vortrag war so oder so maximal spannend. Ein paar Fakten will ich an euch weitergeben.

Düfte manipulieren uns: Riecht ein Mann rosa Pampelmuse an einer Frau, schätzt er sie 6 Jahre jünger, mit Blumenparfum sogar 6 Kilo leichter. Weil er unterbewusst diese Düfte mit „jung und attraktiv“ gleichsetzt. Firmen nutzen Gerüche, Mercedes und BMW verwenden spezielle Duftdesigns für Neuwagen, Geschäfte beduften sich, um unsere Kauflaune zu beflügeln. Dass die Automaten, die frisches Brot backen unseren Appetit im Supermarkt wecken, damit wir mehr einkaufen, ist mittlerweile bekannt. Aber auch Bekleidungshäuser nutzen solche Effekte, bei Abercrombie &Fitch riecht alles nach deren Parfum „Fierce“, auch noch tagelang nach dem Einkauf duftet die Ware daheim, ein kleiner Reminder für den nächsten Besuch…

Unsere Nase und der Geruchssinn sind in vielerlei Hinsicht noch ein Mysterium. Wir können einen Billion Düfte wahrnehmen. Die Riechzellen haben Rezeptoren, die bestimmte Duftmoleküle erkennen können. Die Duftmoleküle werden dabei wie Schlüssel in einem Schloss von den Riechzellen umschlossen und identifiziert. 350 verschiedene Riechzellen“Schlösser“ haben wir, bei 50 davon ist bereits entschlüsselt, welche Düfte sie wahrnehmen, die anderen 300 haben ihr Geheimnis noch nicht preisgegeben. Wir wissen, wo „Banane“ andockt, „Citronelle“, „Veilchen“ – und diese Einzeldüfte setzen sich dann im Hirn zu einem großen Duftganzen zusammen.

Auch andere Körperzellen haben Duftrezeptoren: So „riecht“ die Haut, eine Wunde heilt um ein Drittel schneller, wenn man Sandelholzparfum aufträgt. „Ich würde mir Parfum nicht mehr direkt auf die Haut sprühen, ich weiß nicht, was wir eigentlich damit anrichten“, meint Dr. Hatt. Maximal auf Kleidung und Haare. Auch Spermien haben Duftrezeptoren, mit denen sie dem Duft von Maiglöckchen folgen, den die Eizelle verströmt. Sie werden bei diesem Geruch doppelt so schnell um ihr Ziel zu erreichen…

Duft ist überhaupt ein entscheidender Faktor bei der Partnerwahl – meist unbewusst. Sind wir Frauen fruchtbar, ist der männliche Duft generell angenehmer. Würde man Probantinnen 10 T-Shirts geben, die Männer vorher getragen haben, würden sie sich anhand des Geruchs den als Sexualpartner heraussuchen, dessen Genetik am meisten von der ihren abweicht. Dessen Geruch finden Frauen am attraktivsten. Kann natürlich sein, dass einem dieser Mann optisch gar nicht gefällt – aber für den Nachwuchs wäre der am besten. Deswegen gibt es auch nicht den einen, einzigen Duft, der für alle attraktiv macht, den geheimen Liebesduft – da irrt das Buch „das Parfum“. Mäuse machen das mit dem Geruch  nicht anders – aber denen ist die Optik oder der gute Beruf des Partners wirklich egal. Vielleicht sind Mäuse glücklicher in der Liebe.

Wer mehr wissen will: Der Professor hat ein Buch geschrieben.

 

 

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