Wann hat das eigentlich mit dem Rosa und Blau angefangen?

barbie1Ich erinnere mich noch gut an das Lieblingsspielzeug meiner Kindheit, Barbie. Das Tolle an Barbie war, dass sie all die coolen Couturekleider, die ich an Erwachsenen gesehen habe oder in den Zeitschriften meiner Mutter, auch getragen hat. Ich konnte sie anziehen, stellvertretend für mich, ich war ja noch zu klein für sowas. Was gab es nicht für traumhafte Dinge. Plüschmäntel, Trenchcoats, Cocktailkeider mit passenden Mänteln und mit kleinen Stiefeln, Overalls, Teekleider, Hauskleider, Kaminabendkleider…und – das ist jetzt im nachhinein bemerkenswert – kaum eines der Ensembles war pink. Nö. Der Trench mit Kleid war blau, der Plüschmantel orange, die Kleider alle Muster und alle Regenbogenfarben. Es waren wunderschöne winzigkleine Kopien der Erwachsenenmode. Meine Barbies, die diese Wunderwerke trugen, waren schwarzhaarig, rothaarig, mal kurzhaarig, langhaarig oder mit Afro, nur einige wenige blond.

Plötzlich war alles pink

Das war in den 70ern, in den 80ern spielte ich nicht mehr mit Puppen, und in den 2000er Jahren, als ich Geschenke für meine Nichten kaufen sollte, stellte ich plötzlich fest, dass es die Art Barbies samt deren Kleiderschrank, die ich aus meiner Kindheit kannte, nicht mehr gab. Plötzlich war alles rosa, kitschig, blond und glitzernd. So wie jedes Spielzeug. Das war plötzlich so.

Ich wurde ja genderneutral erzogen, ich bekam neben Barbie (die ich meinen Omas abgetrotzt hatte) auch auch Fisher Price und Lego. Allerdings muss ich gestehen, dass es mich – durchaus stereotyp – nicht interessiert hat, Barbie und Buntstifte waren das einzige Spielzeug, für das man mich begeistern konnte. Ach ja, Chemiekästen (gibt es noch Chemiekästen?) samt Mikroskop auch und die Yps Urzeittierchen.

Heutzutage würde ich vermutlich ein rosa Mikroskop bekommen und statt Chemiekasten einen Bausatz zum Kreieren von Parfum, das ich dann in rosa Fläschchen füllen würde.

Es muss wohl irgendwann in den 80/90ern passiert sein. Weniger Kinder, weniger Umsatz in der Spielzeugbranche, da musste differenziert werden, um bei Jungs und Mädchen doppelt abzukassieren. soweit klar und oft beschrieben. (danke an das Smithonian Museum für den spannenden Einblick) Und dass kleine Mädchen das sacharinsüße Zeug mögen – logisch. Ich hab aber meine nichtrosa Mädchensachen genauso geliebt, das allein kann es nicht sein.

Ich behaupte ja, dass die Aufteilung der Kinderwelt in blau und rosa eine Folge der Globalisierung ist, denn mit dem rosa Zeug, das jenseits von landestypischer Bekleidung steht, kann man Mädchen in der ganzen Welt beglücken, von Moskau bis Denver, von Tokio bis Burundi. Mein Spielzeug war noch auf den westlichen Geschmack allein ausgerichtet. Marken müssen mittlerweile weltweit funktionieren und müssen daher den kleinsten gemeinsamen Nenner finden. Brands wie Mattel, Marvel oder Disney verkaufen rund um den Globus und so sieht das Zeug, das sie für Kinder anbieten, auch aus. Nivellierter Einheitsbrei. Ich hatte immer gehofft, mit der Globalisierung würde unsere Welt bunter und reicher. Beim Essen oder in der Musik hat es geklappt, sonst wäre letztes Jahr kein Koreaner auf Platz 1 der Hitparade gelandet und Food wie Sushi, Kimchi, Quesadillas und Gung Pho Chicken mittlerweile in aller Munde.  Schade, dass es ausgerechnet beim Spielzeug so doof geworden ist, denn vielfältiges Spielzeug hätte womöglich schon vorbereitet und offen gemacht für eine offene, kosmopolitische Gesellschaft.

4 Kommentare

  1. Sieh mal, was ich dazu vor einiger Zeit gelesen habe:

    Rosa war keineswegs immer so eindeutig markiert. Anfang des 20. Jahrhunderts variierte die Zuordnung von Pink und Blau zum jeweiligen Geschlecht noch stark. Im Rokoko ebenso wie im elisabethanischen England wurde Rosa sogar gerne von Männern getragen – und von ihren Söhnen.

    In einer Ausgabe der Zeitschrift Earnshaw’s Infants’ Department von 1918 heißt es: „Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für Mädchen.“ Denn Rosa war der kräftigere Farbton. Man sah darin das abgeschwächte Rot, das wiederum die Abschwächung des in Männerblut getränkten Rockes war, mit dem der Held aus der Schlacht heimkehrte. Blau hingegen hatte eine lange Tradition als Mädchenfarbe, es galt als fromm, weil Blau mit dem Mantel der Jungfrau Maria assoziiert wurde. Erst in den 1950er Jahren setzte sich Rosa dann als Farbe für Frauen und Mädchen durch.

    Quelle: http://www.zeit.de/2013/46/stilkolumne-rosa

    Interessant, nicht wahr??

    LG
    Lilly

    Gefällt 1 Person

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