Nein, ich bin keine Heilige – nur Hobbyweltverbesserin

Ich habe letztens über die Produktionsbedingungen beim Trikot der Nationalmannschaft geschimpft, über Leute gemeckert, die bei Primark säckeweise Zeug rausschleppen. Find ich auch nach wie vor uncool. Aber, fragen Leute, du kaufst deine Mops-Socken bei Primark, du hast bestimmt Kleider im Schrank, die aus Sweatshops stammen. Ja. Stimmt. Ich bin nicht 100 Prozent konsequent. Ich kaufe nicht nur Bio. Nicht nur Fair Trade.
Aber ich versuche, zumindest etwas bewusster einzukaufen. Nicht dauernd was Neues, besser Dinge, die ich lange tragen werde und lieber Fair Trade, wenn ich es mir leisten kann. Das Schlimme: ich hab vom Baum der Erkenntnis gegessen und hab bei „falschen“ Käufen ein schlechtes Gewissen. Manchmal.

Ich bin kein Engel. Und ich bewerfe trotzdem mit Hilfe dieses Blogs die Menschheit weiter mit Erkenntnis-Apfelstücken. Damit es jeder zumindest weiß. Und dann eben selbst eine Kaufentscheidung treffen kann. Ich treffe meine sehr bewusst. Und ich bin überzeugt, langfristig macht es einen Unterschied. Ihr könntet es natürlich inkonsequent nennen. Ich nenne es eben Hobbyweltverbesserern. Der Blogname ist bewusst gewählt.

Gedanke zu den Piraten
Ich hab bei meiner Partei, den Piraten, eine gewisse Parallele festgestellt. Denn wir sind auch da irgendwie nur Hobbyrevoluzzer. Von Mama, Mann, Staat oder Konzernen unterstützte Hobbykommunisten. Wir fordern soziale Wende und leben sie nicht, wir demonstrieren gegen Großprojekte und arbeiten dafür, wir sind gegen Monsanto und trinken Nespresso. Wir wollen den Bürger fragen und halten ihn gleichzeitig für dumm, verbohrt und latent rechts. Wir fordern Akzeptanz und würden am liebsten jeden niedermähen, der anders denkt. Inkonsequenz galore. Es gibt Ausnahmen, ich ziehe den Hut vor ihnen, die leben, was sie von anderen wollen. Viele sind es nicht. Vielleicht kommt die Inkonsequenz auch das beim Wähler an? Vielleicht spüren die unterbewusst den Knick in der Logik? Die Politiker der anderen Parteien sind meist nicht besser, im Gegenteil, einige sind echt mies, korrupt, inkompetent und machtgeil. Aber die tun nicht so, als ob es anders wäre. Auch darüber sollten wir nachdenken, auch wenn es weh tut…

2 comments

  1. Liebe Katrin,

    ich gehe davon aus, der geht (auch) an mich. Ich muss leider feststellen, Du hast mich falsch verstanden.
    Natürlich habe ich gehörigen Respekt vor unheimlich konsequenten Menschen, wie beispielsweise dem Josef Zotter. So leben kann und will ich aber nicht, das ist Dir bekannt. Also kann ich schon ernsthaft keine Konsequenz fordern, was mir ohnehin nicht zustehen würde.

    Ich muss gestehen, manchmal schwillt die Halsschlagader aber an. Das bezieht sich nicht auf Dich, sondern allgemein. Mir geht es nicht um die Hobbyweltverbesserer, denn die sehe ich selten (bis gar nicht). Auf der einen Seite sehe ich Menschen, die nur ihre Meinung kennen und auch nur diese akzeptieren. Anders denkende werden als dumm, naiv oder sonst etwas bezeichnet und niedergemacht. Diese Art von Mensch, die (subjektiv betrachtet) in Deiner Partei nicht ganz selten zu sein scheint. Aber auch das ist nicht unser heutiges Thema.

    Ich meine die – ich nenne sie mal plakativ: Scheuklappenweltverbesserer.

    Es sind Menschen, die scheinbar ihre Umwelt nur nach Anstoß von außen wahrnehmen. Sei es ein Bericht über Wiesenhof, schon wird großartig erklärt, wie schlimm das ist und niemand darf mehr Hühner vom Wiesenhof kaufen. Bis heute scheint mir die Firma nicht pleite zu sein. Dann ist es Amazon, die ihre Arbeitnehmer ausbeuten, plötzlich halten es viele für chic, zu erklären, Amazon sei ganz böse und nur böse Menschen bestellen dort. Auch Amazon scheint mir nicht pleite. Die Liste kann man beliebig fortsetzen.

    Ich stelle mir nur immer die Frage: ja, und? Was ist an der Info jetzt neu, Nein, ich frage mich sogar, wie können Menschen, die ich nicht als naiv und uninformiert auf dem Schirm hatte, JETZT erst darauf aufmerksam werden? Sind es Scheuklappen? Will man der Welle angehören, hip sein? Ich weiß es nicht. Ernsthaft.

    Aber ist das schlimm? Ich finde: jein.
    Warum? Ich vermute drei Arten von Menschen:
    1. Die Menschen, die die Welt verbessern wollen und konsequent sind. (Respekt hierfür)
    2. Die Menschen, die die Welt ein klein wenig besser machen wollen und hier und da dies umsetzen (aber eben nicht überall, weil nur mit sehr viel Aufwand und Entbehrung möglich). Hier sehen ich mich (wen es interessiert, und ja ihr werdet genug Dinge finden, die ich besser machen könnte!).
    3. Die Menschen die gar nicht die Möglichkeit haben, die Welt zu verbessern (z.B. aus finanziellen Gründen).
    4. Die Menschen, denen es schlicht egal ist, weil sie wollen alles haben und zwar verdammt noch mal billig.

    Was soll diese Auflistung jetzt? Nun, Gruppe 1 ist toll, Gruppe 2 lebt scheinbar wenigstens bewusst. Gruppe 3 kann man helfen und mitnehmen und Gruppe 4… da wird man nur wenig ändern können.

    So, nun aber zum Thema und warum da JEIN steht. Mich nervt es nicht, wenn jemand eine der Gruppen angehört (und eigentlich mag ich keine Schubladen), über Mitglieder der Gruppe 4 bin ich nur traurig, mehr nicht.
    Mich nervt aber, wenn mir Menschen sagen, was ich tun MUSS und selbst eben nicht perfekt sind. Fordern kann ich nur, wenn ich konsequent und redlich bin. Und hallo… wir leben in einem Land, in dem andere Meinungen erlaubt sind, auch wenn dies manche Deiner Parteigenossen nicht zu wissen scheinen.

    Mich nervt auch… und DAS war der Kern meiner Kritik, die plötzliche Aufgeregtheit. Weil sie mir zeigt, da hat jemand vorher nicht nachgedacht, da blendet jemand viel aus. Und mir fehlt ein wichtiger Schritt, nämlich der zum Hobbyweltverbesserer: der Lösungsansatz, die Alternative.

    Natürlich will adidas nicht mit Dir über das Thema sprechen, weil es eben gefühlte 99 % der Kunden nicht interessiert und es ein Branchenproblem ist. Von einer Hobbyweltverbessererin wünsche ich, vielleicht mit dem aktuellen Aufhänger eine Alternative aufgezeigt zu bekommen. Vielleicht der Hinweis auf besserer Anbieter/Produkte (Trigema?). Oder auch der Überblick über die Branche, oder ein Seitenblick in andere Branchen (Kaffee, Schokolade).

    Für mich ist ein Hobbyweltverbesserer nicht jemand, der nur anprangert und (weil es gerade in den Medien ist und daher Traffic verspricht?) mit dem Finger auf Dinge, die schief laufen zeigt. Einen Mehrwert liefern.

    Aber ich akzeptiere auch, wenn es jemand anders sieht. Und ich freue mich, wenn die Welt auch in klitzekleinen Schritten besser wird. Was selten genug ist.

    In diesem Sinne. Grüße aus Offenbach.

    @justinian_de

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    1. Alternativen zeige ich normalerweise gern. Im Falle des Nationaltrikots ist eine Alternative schwierig. 😉 und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Dass die WM den Deutschen wichtig ist, ist unbestreitbar. Und es gibt viele, die die Nationalmannschaft im originaltrikot anfeuern wollen. Und mein Wunsch wäre, dass man ein wichtiges Symbol so herstellt, dass es stolz getragen werden kann. Dass jeder weiß, das steht für was Gutes und es ist auch was Gutes, was ich da trage. Es ist niemandem Leid zugefügt worden. Das ist nicht der Fall. Deswegen gerade jetzt die Aufgeregtheit,

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