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Die hässlichste Scheidung aller Zeiten

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Diese Geschichte hat mich immer fasziniert. Heinrich VIII und seine Anne Boleyn. Da war von allem zuviel drin, zu viel Ego, zu viel Begierde, zu viel Bedeutung, zu viel hinhalten, zu viel Ehrgeiz. Heute, am 19. Mai, jährt sich der Tag, von dem sie nie geglaubt hat, dass er kommt. Kloster, vielleicht. Oder Verbannung. Aber Kopf ab? Tja. Der König Ist konsequent. Weg mit ihr. Und andere gleich mit dazu, ihr Bruder etwa und weitere ehemals gute Freunde des Königs, mit denen Anne Ehebruch begangen haben soll. Dann ab mit der kopflosen Leiche in eine krude Kiste (nicht mal einen Sarg) und weiter gehts. Nur wenige Tage nach der Hinrichtung ist Heinrich wieder verheiratet, mit Jane Seymour, die ihm einen Erben schenkt. Worüber sich alle so freuen, dass sie die Mutter im Kindbett vergessen und sie verblutet.
Aber zurück zu Anne. Die Fakten kennt ihr ja. Anne ist Hofdame am Englischen Hof, ihre Schwester Mary kurzzeitig die Geliebte des Königs. Als der dann sie rumkriegen will, spielt sie ein Spiel und lässt ihn nicht ran. Bis er von seiner ersten Frau Katharina von Aragon geschieden ist, von der er nur eine Tochter hat. Er will unbedingt Erben, die ihm auf den Thron folgen, seine Dynastie der Tudor ist jung und alle wetzen die Messer.
Es muss für Anne ein ungeheuerliches Wagnis gewesen sein. Was für ein psychischer Stress, einen cholerischen Monarchen 8 Jahre hinzuhalten. Und risikoreich. Man wird ja nicht jünger (Kinder!). Jahrelang charmant, verführerisch, begehrenswert, witzig…ich mag es mir kaum ausmalen. Horror pur. Was übrigens viele vergessen. Heinrich ist zu diesem Zeitpunkt noch ein unglaublich gut aussehender Mann. 1,98 groß, muskulös, mit langen blonden Haaren. Denkt Chris helmsworth in Thor. Der wurde erst zum fiesen Fettklops nach einem Reitunfall. Heinrich ändert sich in den 8 Jahren, wird vom freundlichen Mann zum unberechenbaren Tyrannen, der keiner und keinem mehr traut und offen ist für die Flüstereien habgieriger Beraterstäbe, die ihn ziemlich manipulieren.
Klar, die Anne war ehrgeizig. Wollte nicht so enden wie ihre Schwester oder die anderen Mädels. Geliebte und dann weggeschmissen. Die wollte Königin werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das auch selbst wirklich wollte und nicht nur von ihrer Familie gedrängt wurde. Sie wollte schon was Besseres sein und hielt sich für sehr schlau. Besonders schön war sie laut Zeitzeugen nicht. Zu dunkel, zu markant für den Zeitgeschmack. Aber hat viel von Mode verstanden.
Als sie ihn endlich soweit hat, treffen zwei kaputte Psychowracks aufeinander, völlig zermürbt von ihrem langen Geplänkel und Warten. Er will jetzt Ergebnisse und zwar sofort. Als sie auch ein Mädchen bekommt, muss bei ihm innerlich irgend ein Knoten geplatzt sein und aller Frust entlädt sich. Liebe ist es zu dem Zeitpunkt schon lange nicht mehr, ob es die je wirklich gegeben hat, ich wage es zu bezweifeln. Trotz aller Liebesbriefe, die er ihr schreibt (erhalten) das ist mehr ein „ich will, ich will, ich will.“ Das konnte nix mehr werden. Es folgen Fehlgeburten (wundert es wen) und dann eine Anklage wegen Ehebruch, an die keiner glaubt. Und dann eben Kopf ab. Ein sauberer Schnitt unter die Beziehung. Weltgeschichte.