Den perfekten BH finden

paranoireIch bin sehr dankbar, dass die wundervolle Eva sich die Zeit genommen hat, uns zu erklären, was es mit BH-Größen auf sich hat und wie und auch wo ihr den perfekten BH findet. Eva weiß alles darüber, sie designt nämlich selbst Dessous, ihre wunderschönen Kreationen lassen sich unter ParaNoire auf Etsy finden.
DANKE für die wertvollen Infos
Hallo, ich bin Eva und ich mache Unterwäsche.
 Da mir ein positiver Umgang mit unseren Körpern sehr am Herzen liegt, und ich  leider viel zu oft sehe, wie Menschen unter schlecht sitzender Unterwäsche leiden, mache ich das natürlich gerne!
Was zeichnet einen gut sitzenden BH aus?
Das beste Zeichen für einen gut sitzenden BH: du vergisst, dass du einen BH trägst!
Konkret bedeutet das:
  1. Das Unterbrustband sitzt FEST GENUG, um 80-90% des gesamten Brustgewichts sicher zu halten, denn dafür ist es da. (Die meisten Frauen tragen VIEL zu weite Unterbrustbänder! Es sollte sich i. d. R. nicht viel weiter als 5 cm vom Körper weg ziehen lassen.).
  2. Die Körbchen sind GROSS GENUG für deine Brust und die Drahtbügel umschließen die Brust am äußeren Rand, ohne auf das Brustgewebe zu drücken. Die Körbchenränder schneiden nicht ein. (Die meisten Frauen tragen viel zu kleine Körbchen, und daher viel zu schmale Bügel. Das in den meisten Fällen angebrachte „Mein BH ist unbequem und drückt!“ lässt sich oft durch ausreichend große Körbchen (NICHT durch noch weitere Unterbrustbänder!) in den meisten Fällen beheben.)
  3. Das Unterbrustband ist weit genug, dass du gut atmen kannst und dich nicht wund scheuerst. (In vielen Fällen kommt ein „zu enges“ Gefühl von einem zu kleinen Körbchen, daher finde ERST ein Körbchen, das perfekt sitzt und korrigiere dann ggf. noch einmal die Bandlänge!)
  4. Das Körbchen ist nicht zu groß und wirft keine Falten (denn sonst kann der BH keine volle Stützfunktion bieten, auch wenn das Unterbrustband gut sitzt).
  5. Der Mittelsteg liegt glatt auf dem Brustbein auf und piekst nicht unangenehm. (Wenn er absteht, ist oft das Körbchen zu klein und/oder das Unterbrustband zu lang. Seltener ist einfach die Schnittform des BHs nicht passend für den eigenen Körpertyp)
  6. Die Träger schneiden nicht an den Schultern ein. (es sollten bequem 2 Finger unter die Träger passen und wie unter 1. erwähnt sollten nur 10-20% des Gewichts an den Trägern „hängenbleiben“. Stell sie so lang wie möglich, so kurz wie nötig ein.)
Das sind die ersten Anhaltspunkte, nach dieser Checkliste kann man die Passform von BHs recht gut einschätzen.
Warum sitzen BHs oft so schlecht und sind unbequem?
Die Antwort hierzu ist kurz und knapp: weil Menschen nicht wissen, wie ein BH tatsächlich sitzen muss (und auch KANN, in der richtigen Größe). Hinzu kommt ein Teufelskreis aus Wäscheverkäufspersonal, das leider viel zu oft in der BH-Anpassung nur unzureichend bzw. nach veralteten Maßstäben geschult ist, eine begrenzte Größen- bzw. Modellauswahl in den Geschäften und die Unkenntnis vieler Käuferinnen (aber auch Verkäufeirnnen!) darüber, dass es Körbchen jenseits der magischen D-Grenze gibt (und eben nicht jedes D-Körbchen „riesig“ ist. Aber dazu mehr unter Punkt 3)). Diese Faktoren bedingen sich sehr stark gegenseitig, und eines führt zum Anderen und zementiert Irrglauben, Vorurteile, Frustration und die altbekannten Größenauswahlen von 75-85 A-D.
Das Problem ist nicht, dass BH-Hersteller willentlich Folterwerkzeuge produzieren, die gar nicht bequem sein KÖNNEN, sondern eher, dass kaum eine Frau wirklich Zugang zu (vor)urteilsfreien Informationen bzgl. BH-Passform hat. Dadurch tragen sie oft einfach, was sie im Bekanntenkreis als „normal“ oder „Durchschnitt“ wahrnehmen (Stichwort: 75B) oder hangeln sich an den gleichen Buchstaben durch alle Bandgrößen, bis IRGENDWIE alles unterkommt („Ich habe ‚große‘ Brüste, also trage ich ‚ein D-Körbchen‘. Wenn 85D zu klein ist, nehme ich eben 90D!“). Dass das nicht bequem sein KANN, steht außer Frage. Es ist also weniger ein Problem des Kleidungsstückes an sich, sondern eher eine Frage der richtigen Größen- und Modellauswahl. In der richtigen Größe und einem zum persönlichen Geschmack bzw. körperlichen Gegebenheiten passenden Modell sind unbequeme, störende BHs die absolute Ausnahme!
Das mag jetzt vielleicht wirken wie ein „Ihr seid eben zu blöd, die richtigen Größen zu tragen!“ aber das ist ganz und gar nicht mein Punkt! Es gibt von Tag zu Tag mehr gute Ressourcen in Sachen Passform, und jeder der komplett in diesem Thema ist, kann sich z.B. bei den Busenfreundinnen eine Art „Rundum-Erstversorgung“ mit allen wichtigen Infos zu Größen, Bezugsquellen und hartnäckigen BH-Mythen abholen.
Wer lieber eine Kurzfassung möchte, kann auch gern meinen kurzen Blog-Post zum Thema „Wie finde ich einen gut sitzenden BH in der richtigen Größe?“ lesen: http://beta.paranoire-design.com/bra-fitting-shortcuts/
Sind die BH-Größen in Deutschland immer einheitlich?
Grundsätzlich ist das Größensystem in Deutschland (in der Theorie) relativ einheitlich. Die BH-Größe setzt sich aus einer Zahl (der Länge des Unterbrustbands) und einem Buchstaben (der angibt, wie groß der Unterschied zwischen Unterbrust- und Brustumfang ist, also „wie groß“ die Brust ist). Die Buchstaben bezeichnen hierbei nur eine absolute Differenz, also z.B. ob der Brustumfang 15, 20 oder 25 cm größer ist als der Unterbrustumfang, und damit ein B, D oder G Körbchen hinter der Zahl steht.
Es kann sich sicher jeder vorstellen, dass jemand mit 90 cm Brustumfang und 70 cm Unterbrustumfang vom Volumen her eine kleinere Brust haben wird als eine Person mit 120 cm Brustumfang und 100 cm Unterbrustumfang. Beide tragen aber „ein D-Körbchen“. Nun ist klar, warum es „das“ A-,D- oder K-Körbchen als absolute Größeneinheit gar nicht gibt. Alle Größenbezeichnungen sind immer RELATIV (zum Unterbrustumfang). Eine 70D und eine 100D haben zwar den gleichen Buchstaben als Körbchengröße (daher finde ich den Begriff KörbchenGRÖSSE auch schwierig, da er eine nicht vorhandene Einheitlichkeit suggeriert), die Körbchen fassen aber nicht das gleiche Volumen.
Die Einteilung in Unterbrustbandgrößen ist in Deutschland quasi vollständig einheitlich in Schritten von 5 cm, also 65, 70, 75, …, 110, 115, 120 usw. Die Körbchenbezeichnungen variieren je nach Anbieter manchmal etwas, grundsätzlich laufen sie aber alphabetisch von A bis N (größere sind mir noch nicht untergekommen, aber das heißt, nur, dass diese Größen (leider) nicht in Serie hergestellt werden, wohl aber kann jemand eine solche Körbchengröße haben, und das ist vollkommen in Ordnung so). Die Buchstaben AAA und AA bezeichnen Körbchengrößen kleiner als A, wobei AAA die kleinste erhältliche Körbchengröße ist. Manche Hersteller (z.B. Change) fügen in ihren Größenläufen zwischen D und E noch ein DD ein, dadurch ergeben sich manchmal Unstimmigkeiten bzw. Größenabweichungen zu anderen Herstellern oberhalb dieser Grenze. Manche lassen I und/oder J weg, da diese Buchstaben sich sehr ähnlich sehen und Verwechslungen vermieden werden sollen.
Dazu kommen dann noch Variationen in den Schnitten und Materialien, die manchmal dafür sorgen, dass ein BH-Modell (manchmal sogar nur eine andere Farbe des gleichen Modells!) unterschiedlich ausfallen.
Alles in Allem also: „Ja sind sie theoretisch, aber…“
Wo sind gut sitzende BHs zu bekommen?
Wenn ich in ein Ladengeschäft gehen möchte, besuche ich gern Doppel D in Berlin ( www.doppel-d.eu ) oder Change-Filialen ( http://change.com/ ). Dort bekommt man nach meiner Erfahrung eine überdurchschnittlich gute Beratung und eine große Auswahl. Bei den großen Standard-Wäsche- bzw. Modeketten ist sowohl Größenwahl als auch Beratung bestenfalls Glückssache, da würde ich nur kaufen, wenn schon eine grobe Orientierung besteht, welche Größe man tatsächlich braucht. Ich bestelle außerdem gern in britischen Online-Shops wie www.brastop.com oder www.figleaves.com (es gibt viele mehr!), da die Größen- und Modellauswahl in Großbritannien um Welten besser ist als hier in Deutschland. Aber auch hier ist sinnvoll, wenn man schon ein bisschen geforscht hat in Sachen „bessere BH-Größe“.
Warum sind auch BHs in großen Größen dick gepolstert?
Hier würde ich sagen, dass es einfach verschiedene Präferenzen gibt, und die sind von Person zu Person unterschiedlich. Grundsätzlich gibt es BHs in allen erdenklichen Ausführungen zu kaufen (man muss nur wissen, wo), zum Beispiel eben auch gepolsterte BHs in großen Größen (darüber sind eine Menge Menschen sehr froh, glaube ich!). Eine „große“ Brust zu haben, bedeutet ja nicht automatisch, dass man nur noch ungepolsterte, möglichst dünne BHs trägt (das hat leider auch manchmal den negativen Beigeschmack von „verstecken müssen“ bzw. „möglichst nicht auffallen dürfen“ in Bezug auf große Oberweiten, was ich als Grundeinstellung fürchterlich finde), genauso wie nicht jede Frau mit „kleinen“ Brüsten nur Push-Up-BHs tragen muss.
Es kann zum Beispiel einfach sein, dass man Schaumstoffkörbchen trägt, weil man nicht möchte, dass die Brustwarzen sich durch den Stoff abzeichnen, oder man wünscht sich eine bestimmte Form, die durch festeres, dickeres oder auch vorgeformtes Material besser zu erreichen ist, gerade bei sehr weichen Brüsten. Zudem ist gepolstert auch nicht gleich gepolstert. Es macht durchaus einen Unterschied ob man „nur“ das etwas festere und dickere Schaumstoffkörbchen trägt oder ob noch zusätzlich Polsterkissen in das Körbchen eingearbeitet sind.
Ich hoffe diese Antworten helfen dir und deinen Lesern weiter!
Wer sich dafür interessiert, was für Unterwäsche ich mache und wo man sie bekommen kann, darf sich sehr gerne auf www.paranoire.etsy.com umsehen, oder mich auch gern auf Facebook www.facebook.com/paranoiredesign oder Twitter ( @paranoiredesign ) kontaktieren!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s