Erinnerungen an ein anderes Leben…

20140411-141443.jpg Ich räume gerade auf und da ist mir wieder ein kleiner Karton in die Hände gefallen. Mein altes Leben. Erinnerungsstücke an eine vergangene Zeit. Eine Zeit, als Redakteure sich mit Stars auf Augenhöhe gefühlt haben und deswegen es gegen die Ehre ging, mit den Stars Fotos zu machen oder Autogramme zu erbitten. Macht man ja sonst auch nicht mit Berufskontakten. Das galt damals als furchtbar unprofessionell. Ein paar Ausnahmen habe ich allerdings gemacht. Und zwar bei ganz besonders kultigen Künstlern. Im Nachhinein tut es mir aber leid, dass ich nicht mehr Erinnerungsstücke habe als die in meinem Kopf…
Es war einmal, vor langer, langer Zeit, als die Plattenindustrie boomte, da war ich Musikredakteurin bei der Münchner tz. Das hat viel Spaß gemacht. Wir waren ja kein Musikblatt im eigentlichen Sinn, deswegen bekamen wir nicht die Stars auf dem Höhepunkt ihres Ruhms zum Interview angeboten, sondern Leute, die auf dem Weg nach oben waren – oder schon wieder auf dem absteigenden Ast. Wen trifft man da nicht alles: Justin Timberlake, damals noch kleiner Lockenkopf bei n’sync. Meatloaf, der direkt aus dem Flieger kam und deswegen Hunger hätte und das Krupuk auf dem Tisch aufaß – ich hätte das gesamte Interviewband voller Knuspergeräusche. Da war eine Britney Spears, die mir Null gefiel, aber auch die Spice Girls, Genesis, Depeche Mode, Robbie Williams, die Lennon-Brüder, Queen (ohne Freddie), usher, die Schröders, bei denen nach mir zwei Journalisten ausfielen und wir drei Stunden quatschten. Mr. President, Blümchen, backstreet Boys, All Saints, Mit Tal Bachman hab ich ein Dirndl für seine Frau gekauft, mit Chris de Burgh war ich auf dem Oktoberfest, mit Bootsy Collins haben wir all seine Strassbrillen aufprobiert. Goldy empfing einen halbnackt in einem kerzenerleuchteten Hotelzimmer und Iggy Pop wollte, dass ich zum Anzugkaufen mitkomme – es waren lustige Zeiten.
Die damals noch nicht so bekannte Jennifer Lopez quatschte mal mit mir eine halbe Stunde an der bar – ich hätte sie nicht erkannt und hielt sie für eine der Puff Daddy Backgroundtänzerinnen. Mit Mika sang ich laut und falsch (ich, nicht er) seine Hits mit, er bekam vor Lachen einen Schluckauf.

Ich würde mir für die jetzigen Journalisten wünschen, dass sie diese lustigen unbeschwerten Zeiten kennenlernen. Allerdings in Zeiten von Handys-Kameras überall und so weiter wird es wahrscheinlich nie wieder so unverkrampft werden wie damals….

One comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s