Frauen über Größe 42 sind peinliche Kundinnen – nur mit Burka in die Boutique?

Viele Reaktionen auf meinen Artikel über Übergrößen haben mich schockiert. Am meisten allerdings die Information einer ehemaligen Verkäuferin einer Münchner Luxus Boutique. Die erzählte mir nämlich, dass große Größen deswegen nicht geordert werden, weil die Besitzerin (selbst nicht die Allerdünnste) keine dicken Kundinnen in Ihrem Laden sehen wolle. Das würde die anderen, schlanken Kundinnen verschrecken. Denn ein Laden, in dem auch Kundinnen über Größe 42 verkehren ist einfach nicht jung, hip und cool genug – das Image würde leiden, wenn dicke Damen da etwas fänden. Selbst als Taschen- oder Schuhkundin gibt es ein leichtes Naserümpfen…. „Wir wurden angehalten, die Leute nicht so gut zu behandeln, die sollten nicht wiederkommen wollen.“ Deswegen entscheidet man sich in dieser Münchner Boutique (und vermutlich in vielen anderen, das wurde mir bestätigt) bewusst dafür, diese Gruppe auszuklammern, damit die restliche Menschheit diesen Anblick nicht ertragen muss. Es gäbe ja Onlineshops…

Das gilt auch für Modelabels. Die Entscheidung für entgangenen Gewinn der Ü42 Käuferinnen wird bewusst in Kauf genommen. Dafür wird das Image hochgehalten – und Frauen mit Größe 44 aufwärts sind schlecht fürs Image. Das macht insofern Sinn, weil der Gewinn von Luxus-Marken selten über Mode erzielt wird, sondern über den Verkauf von Taschen, Schuhen, Kosmetika und Parfum.

Wir leben also in einer Welt, die bewusst diskriminiert und alle finden das okay. Wie oft lese ich „in dem Alter darf man keinen Bikini mehr tragen“ “ ab dem und dem Gewicht sollte man vom Strand verbannt werden“ – geht es noch? Was ist eine Bikinifigur? Warum muss ich da erst „hart für arbeiten?“ Funfact: Ich hab eine Bikinifigur, ich hab nämlich oft Bikini an. Ach, darum geht es nicht? Sondern, dass ich im Bikini einen Anblick zu bieten habe, der die sexuellen Träume des es restlichen Freibads befriedigt. Es wird echt zeit, dass sich was ändert…

8 comments

  1. Ich wüßte gerne, ob die Boutiquen- und Modefirmen-Verantwortlichen nur aufgrund einer Vermutung so handeln, oder ob ihre Kundinnen sich wirklich so verhalten wie beschrieben.
    Einen Irrtum kann man nämlich leichter korrigieren als gesellschaftliche Tatsachen.

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    1. Gesellschaftliche Tatsache ist, dass es anscheinend genug Frauen gibt, die sich in diese zu kleinen Sachen hineinhungern. Ob das daran liegt, dass sie sich selbst so schöner finden, ob es an einem wie auch immer gearteten (falschen?) Schönheitsideal liegt, das sie meinen, erreichen zu müssen, oder ob sie schlicht meinen, irgendwelchen Männern damit besser zu gefallen (die meisten, die ich kenne, sehen das nicht so), sei mal dahingestellt.

      Solange das so ist, wird sich jedenfalls nichts ändern, denn da greifen auch die Mechanismen der Marktwirtschaft nicht. Wenn ALLE Frauen sagen würden „So nicht!“, dann würden die Geschäfte vielleicht umdenken müssen. Solange aber nur wenige zu ihrem Körper stehen, vielleicht auch, weil sie es einfach nicht können oder wollen (auch hier gibt es gesellschaftliche und berufliche Zwänge, leider bestimmen dann doch öfter irgendwelche Männer die Personalpolitik, die sich selbst diesen Idealen nicht immer stellen müssen), solange werden solche Artikel nicht viel bewirken, fürchte ich.

      Ich würde mich trotzdem für die Frauen freuen, wenn sich das alles verbessern würde. Wirkliche Gleichberechtigung ist da nämlich IMHO in der Praxis noch lange nicht erreicht.

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  2. Wenn ich ehrlich bin, kann ich das Thema „Dicke sind benachteiligt“ nicht mehr hören. Und ich weiß, dass ich mich damit auf dünnes Eis begebe – denn ich gehöre mit 36 nicht zu den Dicken und gerne werden alle nicht Betroffenen gleich zu den Bösen gezählt, wenn sie anderer Meinung sind. Dem ist aber nicht so, ich habe nullkommanüscht gegen Menschen mit mehr Gewicht.
    Meiner Meinung nach werden Menschen mit Konfektionsgröße 42+ nicht mehr benachteiligt als andere, die nicht der Norm entsprechen. Wenn man allerdings etwas fester gebaut ist, sonst aber „normal“ ist, fällt einem eben nur diese eine Diskriminierung auf. Aber dass auch Menschen, die anderweitig abweichen, auf Benachteiligungen stoßen, scheint dabei weniger schlimm zu sein. Meine Schwester hat Schuhgröße 35-36. In ihrem Leben hatte sie zweimal das Glück, bezahlbare sexy Schuhe in ihrer Größe zu finden. Denn es gibt tatsächlich mehr Läden mit Kleidung für Damen mit 42 als solche mit sexy Schuhen für Größe 35. Auch Damen, die zu schlank sind – 32-34 – haben da Probleme. Oder Transsexuelle, die aus dem Schuhladen komplementiert werden, da sie die Kundschaft vertreiben, wenn sie Pumps anprobieren.
    Klar ist es erschreckend, dazu noch solche Aussagen zu hören wie oben genannt – irgendwo nicht bedient zu werden ist hässlich. Das ist aber weder neu (ist mir schon vor 15 Jahren in Frankreich passiert, wo ich in einem Laden war, in dem man Deutsche nicht bedienen wollte und wo ich einfach ignoriert wurde) noch und insbesondere auf Dicke beschränkt. Ebenso gibt es auf dem Viktualienmarkt Stände, die nicht an Ausländer verkaufen wollen.
    Diskriminierung gibt es überall und gegen nahezu alles, was jenseits der lokalen „Norm“ liegt. Das ist schade, entsteht aber aus dem Faktor „Mensch“ und nicht aus „Gesellschaft“, und das ist in meinen Augen der entscheidende Unterschied. Es wird immer Menschen geben, die Vorurteile gegen Dünne haben, Brillenträger von vornherein ablehnen, Kraushaarigen die Haare nicht frisieren wollen, Blonde diskriminieren, die ausfallend werden, wenn man zu klug oder zu dumm ist, die keine Österreicher mögen oder niemanden, der im Porsche ums Eck fährt. Das ist menschlich. Nicht schön, aber menschlich. Damit muss man umgehen und sich klar werden, dass es niemanden gibt, der nicht irgendwo von der Norm abweicht und deswegen mehr oder weniger diskriminiert wird.
    Auch herrscht hier die „Marktwirtschaft“ – Angebot und Nachfrage. Wenn die meisten Menschen etwas dicker sind, dann gibt es Läden für Dicke. Wenn die Standard-Schuhgröße 38 ist, dann gibt es hier drei Regale und bei 43 für Damen eben nur ein halbes. Wenn es viele gibt, die die Ware kaufen, dann gibt es auch viel Ware. In den USA gibt es massenweise Hochzeitskleider für festere Damen, bei uns nicht. Weil die typische Braut bei der Hochzeit im Schnitt weniger hat als 44.
    Ich fühle mich von einseitigen Betrachtungen von Benachteiligungen geärgert und möchte das typische „Dicke werden benachteiligt“ nicht mehr hören, wie eingangs erwähnt. Denn alle jenseits der Norm werden benachteiligt und wenn wir alle anfangen würden, uns ständig darüber zu ärgern, dann hätten die meisten kein schönes Leben. Und jetzt mal ehrlich – wenn ich mir aussuchen könnte, ob ich eine „42“ sein möchte, oder Schuhgröße 35 haben oder über 1,85m groß oder unter 1,50m klein sein möchte, dann würde ich immer die 42 nehmen – denn es gibt durchaus schöne Läden und auch Designer, man muss halt länger suchen.
    Meine Meinung: entspannen, akzeptieren und eben in andere Läden gehen, in denen Menschen arbeiten, die weniger borniert und schlecht erzogen sind. Das erleichtert das Leben ungemein.

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    1. Vielleicht hätte es was gebracht, wenn du den Ausgangsartikel gelesen hättest. Da ging es genau darum. Es wird eine Norm postuliert und wir sollen ihr einsprechen und nicht umgekehrt. unabhängig von dünn oder dick – zb Schuhgrößen. Und es ärgert mich, dass in anderen Ländern die Bekleidungsindustrie auf die Bedürfnisse eingeht, nur in Deutschland nicht, weil hier Verbraucherinnen dumm genug sind, sich in ihr Traumkleid zu hungern, statt sich was zu kaufen, was passt.( oder mit der Taille kurz unter der Achselhöhle rumlaufen) – auch Größe 36 sieht blöd aus, wenn sie nicht sitzt. Ich will, dass hier bessere Kleidung für alle Größen angeboten wird. Ich mag deine Haltung nicht – man muss als Verbraucher nehmen was man bekommt. Das sehe ich sehr anders. Nein, aber man muss auch artikulieren, was nicht funktioniert.
      Wenn dich die Diskriminierung von plussize nervt, dann lies es nicht. Denn so besonders entspannt klingst du auch nicht.

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      1. Schade, dass Du keine Antworten hören willst, die anderer Meinung sind, als Du. Vielleicht solltest Du die Kommentarfunktion abschalten und nur likes erlauben 🙂
        Mir ist die Grundproblematik durchaus bekannt, auch an mir ist etwas, für das ich diskriminiert werde. Dennoch lebe ich damit und akzeptiere, dass es für mein „Problem“ nur wenige schöne Lösungen gibt, weil ich so groß eine „Randgruppe“ darstelle. Norm macht das Leben leichter, das ist einfach so.

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      2. Ja, Norm macht das Leben leichter. Ich stimme dir da zu. wo ich aber absolut nicht konform gehe – und deswegen schreibe ich ja überhaupt – ist, dass ich nicht länger bereit bin, das als gegeben zu akzeptieren. Ich will, dass sich was ändert, in den köpfen und in den Läden. Nicht wir sind zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, sondern die Klamotten sind unpassend geschneidert und teilweise am Bedarf vorbei produziert.
        Es gab vor ein paar Jahren eine neue Vermessung, es würde klar, die deutschen werden höher und breiter, mit viel mehr Brust bei den Damen. Konsequenzen wurden keine gezogen. Und da soll mal nachgedacht werden. Darum geht es mir, nicht primär um Diskriminierung. Das auch, aber erst in zweiter Linie.

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  3. Ich fand deinen Ausgangsartikel schon super, habe überhaupt keine Kommentare gelesen, hätte aber damit gerechnet, dass eigentlich fast jeder Mensch, der das liest, zustimmt. (Eine Freundin hatte den Link auf Facebook gepostet, so stieß ich darauf, und dort gab es auch einhellige Zustimmung.)
    Ich selber bin viel unter DIY-Menschen unterwegs, die zumindest teilweise ihre eigene Kleidung herstellen (nähen, stricken) und damit versuchen eigene Lösungen für dieses Problem zu finden.

    Ich habe den Ausgangsartikel auch überhaupt nicht mit dem Schwerpunkt „Dicke werden diskriminiert“ aufgefasst, sondern als ganz allgemeine Kritik an der Kundenverarschung durch die Mainstream-Textilindustrie. Und die kann man sich meiner Meinung auch nicht wirklich schönreden. Wer findet, dass sie nicht existiert, ist wahrscheinlich schon ziemlich gehirngewaschen.

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  4. Was es leider auch gar nicht gibt: Standard-Motorradbekleidung für Frauen in der Größe 42+. Egal, wie viele X vor dem L stehen, mir hat schon nichts gepasst, als ich noch 20 Kilo weniger wog. Wie selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass motorradfahrende Frauen, schmale Hüften und keinen Hintern haben. Quasi Männermodels mit wenig Brüsten. Motorrad Jeans (für den Sommer) in Frauengröße 48 – gibts nicht.

    Motorradkleidung für Männer gibt es dagegen bis Größe Obelix. Kein Scheiss. Ich trage zum fahren dann entweder Hose und Jacke für Männer (Viel zu lang, damit Hüfte/Poppes/Oberweite reinpassen) oder ich fahr gleich in normalen Jeans. Dann sollte halt nichts passieren.

    Ich hab gehört, dass auch kleine Frauen mit 36 oder 38 das Problem haben, kenne es aber selbst nur von meiner Seite der „Ideallinie“.

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