Blackfacing – kennt ihr die Hintergründe?

Derzeit ist die rassistische Sau im Dorf das Blackfacing. Warum es in Amerika so verhasst ist (zurecht) es stammt aus der Tradition der Nachtclubs der 20er Jahre, als weiße Musiker und Tänzer sich schwarz anmalten und damit schwarze Musiker und Tänzer nachahmten. Aber die Afroamerikanische Bevölkerung durfte weder selbst auf die Bühne, geschweige denn ins Publikum. Rassismus vom Feinsten. Diesen Hintergrund sollte man kennen. Genauso wie die koloniale Bedeutung der holländischen Weihnachtsmannbegleitung.

Aber es hat erstmal nichts damit zu tun, dass sich Menschen über andere Ethnien lächerlich machen wollen. Ich kenne Leute, die sich tiefster Verehrung kleiden wie amerikanische Ureinwohner. Ich sehe Kostüme auch unter dem Aspekt der Beschäftigung mit anderen Kulturen. Ich sammle afrikanische Kunst – ist das auch verwerflicher Kulturimperialismus?

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5 comments

  1. Few Points of order: 1, ist es nicht nur „in Amerika“ „verhasst“, sondern auch hier, nur dass viele (weiße) das offenbar noch nicht bemerkt haben. Und 2. ist der Grundgedanke des ganzen, sich über die Schwarzen damit lustig zu machen. Blackfacing war nichts anderes als eine Narrenmaskerade, mit der weiße Stereotype über Schwarze (dumm, „wild“, können gut singen und tanzen) ausleben durften – IN DEM BEWUSSTSEIN dass es eine Maskerade ist und sie als Weiße in Wahrheit viel besser sind. 3. ist genau das was Du schreibst gerade passiert: Ein weißer hat andere weiße aufgefordert, schwarz maskiert auf die Bühne zu kommen („müssen sich natürlich entsprechend schminken“). Schwarze sollten also von vornherein draußen bleiben. Das war zwar sicherlich nicht so gemeint, aber dass es aus schierer Unbedachtheit eben passiert ist, macht das Ganze nicht besser. und 4. sich aus Verehrung zu kleiden wie irgendwer anders ist zwar an sich nett, aber es würde doch von noch mehr Verehrung zeugen, sie vorher vielleicht auch zu fragen. Nicht jedermann mag es schließlich, ob in bester Absicht oder nicht, nachgeäfft zu werden (nur mal kurz ins Gedächtnis rufen, was viele Nichtdeutsche darunter verstehen, sich „typisch deutsch“ zu kostümieren).
    Last but not least: afrikanische Kunst sammeln ist an und für sich voll p.c. Man darf dabei nur nicht denken, man wäre dann schon voll der/die/hen PoC-Versteher*in.

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    1. Ich denke da wenig drüber nach, ob ich der große Versteher bin, das können andere besser. Ich denke auch wenig darüber nach, wie ich spezielle Gruppen richtig behandeln soll, ich möchte allen Leuten gegenüber freundlich sein. Wenn darüber mehr nachgedacht würde, gäbe es diese blöden Streitereien auf Twitter nicht.
      Ich finde es sehr anmaßend, dass viele glauben, ihre Gedanken zu Themen seien das Maß aller Dinge und jeder müsse es genauso sehen oder sonst hat man jedes Recht, Leute anzupflaumen. Das hat man nicht. Niemand im Netz.

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      1. „Ich denke auch wenig darüber nach, wie ich spezielle Gruppen richtig behandeln soll, ich möchte allen Leuten gegenüber freundlich sein.“ Eine interessante Aussage. Wie kann man allen Leuten gegenüber freundlich sein, wenn man gar nicht weiß (und sich keine Gedanken darüber macht), was der/die jeweilige als freundlich/unfreundlich empfindet? Außer man geht davon aus, dass die eigene Handlungsweise für alle anderen Menschen verbindlich ist (aber genau das willst Du ja nicht, wenn ich richtig verstehe). Genau das hat diese Debatte doch ausgelöst: Jemand hat sich keine Gedanken darüber gemacht, dass das, was für Weiße unbedarfterweise ein harmloser Spaß ist für Schwarze ziemlich beleidigend ist.
        Aber ich nehme dich mal beim Wort und frage: Wenn wir wissen, dass viele Schwarze es einfach nicht gut finden, ja sich beleidigt fühlen, wenn Weiße eine rassistisch konnotierte Schminktechnik benutzen, sollten wir es dann nicht einfach sein lassen? Nicht aus Vernunftgründen, sondern einfach aus Freundlichkeit?

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      2. Ich bin ja absolut gegen den Wetten, dass.. Auftritt gewesen. Aber was mir nicht gepasst hat, war, dass Leute sich auf Twitter aufgeführt haben und gegen alle geschossen haben, die anderer Meinung waren. Ich möchte zumindest, dass solche Sachen öffentlich diskutiert werden können, vielleicht verstehen die Leute leichter als wenn man sie anschreit und spamblockt.

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      3. Ja, Netiquette ist für viele leider ein Fremdwort. Leider ist es auch recht zermürbend, Menschen immer wieder dasselbe predigen zu müssen (nicht auf Dich gemünzt!), da geht so manchen der Gaul durch. Und letzten Endes, „Nicht böse gemeinter Rassismus ist doch nicht so schlimm“ (überwiegend der Tenor der Diskussion) ist finde ich keine Meinung, über die man groß vernünftig diskutieren muss. Naja, ich mach’s ja trotzdem auch immer wieder 🙂

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