Herrenwitz auf Speed: Steel Panther sind Sex, Drugs und Spandex

Steel Panther im Gibson
Steel Panther im Gibson

Es war Ende der 80er, Anfang der 90er – ich trug ein „Kill your Idols“-Shirt, ein rotes Bandana oder manchmal eine Jeansweste oder Karohemden. Die perlentragenden Komilitoninnen vom kunsthistorischen Institut waren entsetzt. Aber das war mir egal – ich war nun mal Freund der Musik von Bands wie Guns’n’Roses, Motley Crue, Def Leppard, Poison, Twisted Sister und anderen Bands des Hair-Metals. Die Musik hat Spaß gemacht, die Klamotten haben Spaß gemacht, die anderen Fans haben Spaß gemacht. Ja, es war und ist uncool, Fan dieser Musik zu sein. Und?

20131105-134035.jpgWährend sich die anderen zu softer Lounge-Musik langweilen, packe ich immer noch lieber die Luftgitarre aus und hopse über einen Dancefloor. Es scheint vielen anderen genauso zu gehen, denn nur so ist der Erfolg von Steel Panther zu erklären. Steel Panther ist eine Gruppe, die wie durch ein Wurmloch aus der Zeit des Hair Metal gekrochen gekommen scheint. Spandex Hosen, lange Wallemähnen, unfassbare Bühnenoutfits. Und die Musik ist mindestens genauso hinterher. Da dröhnen und wimmern die Gitarrenriffs wie bei den Scorpions, da ruckeln die Bässe wie bei Motley Crue und der Sänger legt seine ganze Leidenschaft in Powerballaden vom Allerfeinsten. Nur: nichts daran ist echt.

Keine Frage, Steel Panther hat höchst talentierte Musiker, Gitarrist Satchel im besonderen, oder Sänger Michael Starr. Aber die ganze Band ist so etwas wie Amerikas Antwort auf Guildo Horn. Denn hört man genauer auf die Texte, die Sex, Drugs und Rock’n’Roll glorifizieren, wird einem schnell klar, dass da was nicht stimmen kann. „My cock is community poperty“ ist kaum das Liebeslied, auf das Frau in romantischen Stunden hofft, oder „I like drugs but they don’t like me“, „Fat girl – thar she blows“ sind auch nicht wirklich die harten Metalhymnen. Zwei Platten gibt es mittlerweile: „Feel the Steel“ und „Ball’s out“ – Message angekommen. Aber großartig. Saukomisch. Und guckt man genauer hin, sind die langen Haare nur Perücken, die Beulen in den Spandexhosen Socken. Es ist eine sehr…ähm…platte Form des Humors, ein bißchen wie ein vertonter Herrenwitz auf Speed, aber ich steh drauf.

Auf dem Weg zum Steel Panther Konzert - moi
Auf dem Weg zum Steel Panther Konzert – moi

Besonders genial ist das Ganze live, ich war mittlerweile zweimal bei Steel Panther und solche Konzerte sind selten geworden. So viel Spaß, Stimmung, Mitsingen und Rumblödeln mit den anderen Konzertbesuchern hat man sonst fast nirgends mehr. Sehr viele haben sich genauso aufgetakelt wie die Band auf der Bühne (ich auch). viele Mädels kommen sexy gekleidet, ziehen blank oder werfen Unterwäsche auf die Bühne (ich nicht) Ich bin im Februar in Köln sicher wieder da. Da kommt auch das neue Album raus „all you can eat“. Ich hätte jetzt gerne die neue Single daraus verlinkt, aber da hat die GEMA was dagegen. Ich habe auch bei der Pledge für das Album mitgemacht. Steel Panther tun was gegen die Konformität und die Langeweile – ein hehres Ziel, das ich gerne unterstütze. Keep on Rocking!

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