Mädchen backen – Jungen toben? Nicht ernsthaft, oder…

jungs mädchen
Screenshot der Verlagswebsite http://www.dorlingkindersley.de/titel-6-6/selbermach_werkstatt-1986/

Das ist ein Fundstück, über das ich auf der Webseite des Dorling Kindersley Verlages gestossen bin. Und das mir ziemlich übel aufgestoßen ist. Denn genau diese Art, schon Kinder in Rollenbilder zu pressen, hab ich sowas von gestrichen satt.

Jungs dürfen raus, für die gibt es Tipps wie man in der Wildnis überlebt, Spiontinte herstellt, Roboter baut, ein Daumenkino zeichnet oder nachtleuchtenden Wackelpudding herstellt. Mädchen nähen dagegen Kissen und Duftsäckchen, backen Pizza und Bananenpfannkuchen oder flechten kleine Schmucksachen für ihre Freundinnen. Und natürlich verzieren sie Tagebücher mit rosa Vögelchen.

Also, wenn ich mir ein Buch hätte aussuchen dürfen, dann hätte ich das Jungsbuch genommen. Klare Sache. Und ich bin Mädchen durch und durch. Kann man das nicht anders aufteilen als nach Geschlechtern? Tipps für drinnen und draußen etwa, oder Abenteuer und Basteln?

17 Kommentare

  1. Ich frag mich schon lange was diese Spinnerten (sic!) daran so toll finden ihre Erlebnisse, ihr Leben nach einem Körpermerkmal zu richten. Eben, „drinnen“ „draussen“ und andere situationsbezogene Kategorien sind völlig gebräuchlich, nicht ungewohnt aber – dennoch lieber mal das Genital nehmen.

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      1. Es scheint eher einen Zusammenhang zwischen dem Testosteronspiegel und dem Spielverhalten zu geben
        http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3085977/

        Da die Kindheit biologisch im wesentlichen der Vorbereitung auf das Erwachsenenleben dient wäre es aus evolutionärer Sicht aufgrund der stärkeren körperlichen intrasexuellen Konkurrenz unter Jungen, die ja auch an Körpergröße und Muskelmasse deutlich wird, wenig erstaunlich, wenn sie eher körperliche Spiele bevorzugen.

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      2. jein.

        Es wurden Tests mit Säuglingen durchgeführt, die noch nicht als Bub oder Mädel „sozialisiert“ wurden. Männliche Säuglinge blicken bereits Tage nach der Geburt länger auf ein abstraktes Mobile, während die Mädchen sich mehr von Gesichtern faszinieren lassen.

        So sehr der Genderfeminismus uns anderes einreden will, der Schlüssel sind Testosteron- und Östrogenspiegel eines Menschen.

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      3. Mag ja sein – aber nochmal: ich will auch keine Gleichmacherei, denn Männer und Frauen sind in der Tat verschieden. Nur: auch wir alle sind verschieden. Ich war ein Mädchen, das mit Glitzer-Barbie und Chemiekasten aufgewachsen ist und alles, was ich mir wünschen würde, ist, dass man Bücher einfach genderneutraler betitelt, damit weibliche Jungs und männliche Mädchen und alles dazwischen ohne Klischees die Interessen finden dürfen, die er oder sie mögen, ohne die Angst, sich “falsch” oder “uncool” zu verhalten.

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  2. „…Kann man das nicht anders aufteilen als nach Geschlechtern…“ Im Hinblick auf unsere anthropologischen und physiologischen Entwicklungsgeschichte – nach was würden Sie denn gerne aufteilen?
    „…Kinder in Rollenbilder zu pressen…“ Wer PRESST denn hier?
    Diejenigen, die Stahlarbeiter mit Titten und Schwule als Klofrauen (oder p/k „Toilettenpersonen“?) Wenn sich ein Mädchen später als „klassische Hausfrau“ outet (so mit Schürze, Kind auf einem Arm und den Kochlöffel in der anderen Hand) muss sie dann eine Support-Gruppe aufsuchen?
    WTF!!!

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  3. Liebe Frau Hilger,

    oh weh – antworte ich nun als Verlags-Pressefrau, als desillisionierte Jungs-Mama (eines Sohnes der zwischen den grauenvollen Fillys und Darth Vader hinundhergerissen ist und ebenso gerne bäckt wie schmutzt) oder als engagierte und emanzipierte Frau, die immer wieder erschrocken darüber ist, wie sehr Geschlechterklischees in unseren Köpfen festhängen.

    Ich habe vielleicht den Vorteil, dass ich in diese beiden Bücher mehr als ausgiebig hineingucken konnte und kann, denn sie stehen hinter mir im Regal. Vielleicht hätten Sie auch erst einmal einen Blick in das Buch und nicht nur auf das Cover und in den Werbetext auf der Website werfen sollen, bevor Sie urteilen? Denn ja, stellen Sie sich vor: auch Jungs kochen hier und gehen diversen Handarbeitsdingen nach und auch Mädchen, oh Schreck, gehen hinaus in den Garten oder experimentieren. Und dann stellt sich mir die Frage: wenn es ein Mädchen will, dann DARF sie rosaglitzerflittertüdelü, wenn nicht: greift sie zu einem der anderen Dutzend Aktivitätenbücher von uns oder anderen Verlagen, die eben nicht, eine Sammlung dieser Art anbieten. Und genauso bei den Jungs. Man muss ja nicht gezwungenermaßen gleichschalten, sondern den Kindern den Freiraum lassen, es ermöglichen, sich in die eine oder andere Richtung zu orientieren, wenn sie es denn von sich auch so wollen.

    Auch wenn ich Ihnen in der Sache recht gebe – es stecken noch so viele Vorurteile und Stereotypen in unseren Köpfen , dass ich als Kind der 70er immer wieder erstaunt da stehe und mir denke, dass das doch nicht sein kann, denn ich bin mit dem Gedanken groß geworden, dass sowas verschwunden sein wird, wenn ich groß bin. Mitnichten. Sogar: Leider eher im Gegenteil. Und dennoch: So wie Sie hier argumentieren, ist es mir zu sehr im Affekt und zu oberflächlich.

    Und ja, danke für Ihre Mail und ja, Sie sehen, ich mag mich da sehr gerne zu äußern.

    Mit besten Grüßen
    Ihre Natalie Knauer

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    1. Hallo Frau Knauer,

      danke für die Rückmeldung – find ich klasse. Ja, ich gebe Ihnen recht, ich habe nur nach dem geurteilt, was ich auf der Webseite gefunden habe. Aber genau das, was sie sagen, die Möglichkeit, sich nach beiden Seiten zu orientieren, sehe ich eben genau so nicht gegeben, denn – und das ist einfach so – wenn etwas mal mit Mädchen oder Jungs ettiketiert ist, wird das andere Geschlecht nicht mehr danach greifen. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ein Mädchen sich dauernd als Prinzessin Lillifee verkleidet, weil viele Mädchen sind so. Ich will auch keine Gleichmacherei, denn Männer und Frauen sind in der Tat verschieden. Nur: auch wir alle sind verschieden. Ich war ein Mädchen, das mit Glitzer-Barbie und Chemiekasten aufgewachsen ist und alles, was ich mir wünschen würde, ist, dass man Bücher einfach genderneutraler betitelt, damit weibliche Jungs und männliche Mädchen und alles dazwischen ohne Klischees die Interessen finden darf, die er oder sie mag, ohne die Angst, sich „falsch“ oder „uncool“ zu verhalten.

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      1. Das ist ja auch richtig, liebe Frau Hilger, völlig richtig.

        Ich finde nur dass es _auch_ vier Titel geben darf, die sich an Jungs/Mädchen speziell richten – und das auch schon in Titel und Aufmachung (ich gestehe nämlich freimütig, dass wir noch zwei Kritzelbücher für Jungs und Mädchen haben – neben anderen Kritzelbüchern, die sich wiederum über das Thema definieren) – für alle Anderen gibt’s genug geschlechtsneutrales im Angebot, egal ob im Garten, in der Küche oder beim Basteln.

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  4. „Es wurden Tests mit Säuglingen durchgeführt, die noch nicht als Bub oder Mädel “sozialisiert” wurden. Männliche Säuglinge blicken bereits Tage nach der Geburt länger auf ein abstraktes Mobile, während die Mädchen sich mehr von Gesichtern faszinieren lassen.“

    dieser test war unwissenschaftlich. er war nicht verblindet (die beobachter wussten über das geschlecht der babys bedcheid). die ergebnisse sind durch eine peer review nicht bestätigt worden.

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  5. Die Zielgruppe für diese Bücher sind vermutlich nicht die Kinder selbst, sondern Opas und Omas, die alles gern säuberlich getrennt in rosa und hellblau hätten. Auch wenn Jungs im *Durchschnitt* mehr zum Toben und Bäumeklettern neigen als Mädchen, kommt über derartige Normierungen trotzdem ein Druck zustande. Ich weiß gar nicht, wie oft ich in der Kindheit zu hören bekam: „Ein Mädchen tut dies oder das aber nicht!“ Es ist nicht laut, prügelt sich nicht, klettert nicht auf Bäume, macht sich nicht schmutzig … Ich habe den Satz gehasst. Wenn ich mich als Mädchen entschuldigen muss, weil ich eben nicht rosa Vögelchen fürs Tagebuch basteln möchte, sondern ein Baumhaus zusammennageln – dann wird es unangenehm. Es war echte Arbeit, die Sozialisation wieder loszuwerden und das zu tun, was ich wollte. Würde ich anderen gern ersparen.

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