Größe 38 – DIN-Norm für den Körper?

Ich hätte da mal eine Frage: Ist eigentlich jede Frau, die eine Größe größer als 38 trägt, bereits dick? Ja? Nein? In den Modezeitschriften ist das so, da ist 38 schon ein Randgebiet, in das sich nur noch „kurvige“ Models wagen. Wenige, denn Designer designen ihre Musterkollektionen in 36. Da muss ein Model reinpassen. Und offensichtlich ist dieses Maß Standardmaß geworden. In Film, TV und Werbung kommt keine Frau vor, die mehr wiegen würde. Alles 36 und weniger. Da ragen die Schulterblätter raus wie beim Tod von Altötting. Und wenn doch mal eine rundliche Dame mitmischen darf, dann nur als gemütliche Dicke, die komisch sein darf. Das war‘s schon.

Und dick, das fängt bei 40/42 an. Das ist die oberste Grenze, mit der man bei Zara oder auch in Designerläden etwas zu kaufen bekommt. Oft wird es mit dem Busen in Blusen bei diesen Grüßen schon kompliziert. Liebe Modehäuser, habt ihr eine Ahnung, wie frustrierend das ist? Und wie beschissen sich die dann fühlen, die wirklich etwas rund sind? Die müssen ab 44/46 in Spezialgeschäfte. Teurer, unmodischer und es ist vor allem verdammt demütigend.

Um es den Dicken dann noch mal richtig hinzureiben, werden auch bei „Mode für Mollige“ Damen abgelichtet, die sich eben so mal am Rand einer Molligkeit befinden. Größe 42 maximal. Die Katalogproduzenten erklären das so: „Wir müssen die Sachen an dünneren Models zeigen, sonst kauft die Mode keiner. außerdem steiern Bilder von dünnen das Selbstwertgefühl????“ Aha, also die Dicken sind selber schuld, weil sie ihresgleichen nicht sehen wollen. Ich halte das für eine Ausrede, denn so kann ja keine erkennen, wie es aussieht in den „echten“ Größen.

Wer jetzt sagt, „Die müssen halt abnehmen, die undisziplinierten Bratzen“ hat genau nichts verstanden. Den vielleicht fühlen sich die Leute mit ihrer Figur ganz wohl, und weigern sich nur, standardisiert zu werden. Auch die wenigsten Männer haben ein Problem mit Frauen, die etwas über dem Modelmass liegen. Im Gegenteil. Nur die Modeindustrie interessiert das nicht. Sollen wir alle aussehen wie Barbiepuppen aus der Fabrik? Alle die gleiche Figur, das gleiche Gesicht, nur Variationen in der Haarfarbe? Und bitte, immer schön so bleiben – mit allem, was geht (Chirurg, Cremes, Spachtelmasse). Denn zu alt darf auch keine werden. Wir wollen alle Individualisten sein, einmalig und unverwechselbar. Aber wieso soll dann das Aussehen normiert werden? Warum wollen uns die Medien und die Industrie in eine bestimmte Form pressen? Darauf hätte ich gerne eine Antwort.

10 comments

  1. Die Industrie und die Medien geben uns genau das Zückerchen, das wir haben wollen. Es wäre alles kein Problem, wenn wir es nicht annehmen würden. Natürlich muss nicht jede Frau aussehen wie Heidi Klum, aber praktisch jede Frau möchte gerne die Klamotten tragen, die Heidi Klum trägt.

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  2. Liebe Katrin,

    ich finde deinen Post wirklich toll, ich bin froh, dass ich nicht die einzige mit dieser Meinung bin!
    Ich trage oben rum auch nicht Größe 38/40, sondern 42 oder mehr. Tja dann kauf dir mal ein Oberteil, in Größe 42 das schick und modisch ist..
    Ich arbeite zwar für einen großen Modekonzern, aber diese Praktiken kann ich leider überhaupt nicht unterstützen!

    Liebe Grüße Sarah

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    1. Danke für den Kommentar. Aber: Hast du eigentlich mal bei deinem Arbeitgeber nachgefragt, warum das so ist? Warum wird nicht daran gedacht, genug Platz für den Busen zu lassen in Oberteilen?

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  3. Hallo Katrin,

    schön dass endlich mal jemand das ausspricht, was sich wohl tausende Frauen beim Anblick dieser perfekten, wohlproportionierten Models denken:
    Warum sehen die alle gleich aus und warum zum Teufel gibt es nicht einmal ein Modell in diesen verdammten Katalog, die auch nur ansatzweise meine Größe trägt? Mir persönlich wäre es viel lieber, wenn eine Dame das Kleidungsstück vorführt, die in etwa die selbe Figur hat wie ich – dann kann ich mir zumindest halbwegs gut vorstellen, wie das Teil an mir aussieht, so habe ich ja nur eine wage Vorstellung wie es mir mit 15 Kilo weniger Gewicht auf den Hüften stehen würde….

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  4. Bin auf diesen Eintrag über Journelle-Blog gestoßen. Sogar Brigitte’s Kampagne von „normallen“ Frauen war von kurzer Dauer. Es ist schwer, „normale“ Models zu finden oder selbst Freundinnen/Bekannten, die nicht Größe XS/S sind, zum „Modeln“ zu bewegen. Ich hoffe dennoch, dass eines Tages Frauen, die Größen 40 und aufwärts tragen, bei meinen Fotoshoots mitmachen.

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  5. Anscheinend machen die Modelabels mit Größe 36 und drunter so viel Reibach, dass sie auf alle Kundinnen, die mehr Kurven haben als ein Teenager, locker verzichten können. Muss wohl so sein. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass die Mehrheit von Größe 38 aufwärts trägt. Die prozentuale Verteilung der Klamottengrößen auf die weibliche Bevölkerung unseres Landes hätte mich schon lange mal interessiert.
    Wenn Personen, die medizinisch gesehen Normalgewicht haben, aus modischer Sicht Übergrößen benötigen, dann ist das Untergewicht die Norm und irgendwas läuft hier verkehrt.

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