Kein Glamour bei Glam in der Schirn

Glamour fehlt in der Glam-Ausstellung; holy Ghost Show, Foto Tim Köck
Glamour fehlt in der Glam-Ausstellung; holy Ghost Show, Foto Tim Köck

Was hab ich mich auf diese Ausstellung in der Frankfurter Schirn gefreut: Glam- The Performance of Style. Das war meine früheste Kindheit, aber etwas, was mir 40 Jahre lang im Gedächtnis hängen geblieben ist: Popstars in goldenen Plateaustiefeln, Laméanzügen mit Federboas, Zylinder, Samtjackets, lange Haare. Marc Bolan, Roxy Music,  David Bowie – das war großartig. Ich sass gebannt vor dem Fernseher und dachte mir „Wenn ich groß bin, will ich sowas auch tragen“. Als ich groß war, waren die 80er in und Glam war out. Und die Popstars standen bis auf wenige Ausnahmen in total öden Klamotten auf der Bühne. Bis auf Adam Ant und diverse Hairmettler, da bin ich auch sowas wie ein Fan gewesen. Die goldenen Stiefel sind irgendwann wieder in Mode gekommen, seitdem hab ich welche.

Jedenfalls gibt es jetzt zur Glamära eine Ausstellung in der Schirn. Nur ist da wenig vom Glam zu spüren, sondern die Ausstellung ist so dröge wie das Katerfrühstück nach dem Diskofasching. Die Deko ist noch da, der Zauber ist weg. Die Räumlichkeiten der Ausstellung sind toll, mit Glitzervorhängen, mit Warhols Heliumkissen im Lichthof und spieglenden Buchstaben. Aber die Ausstellung selbst ist dürftig. Gefallen haben mir die zwei (!) Bühnenkostüme, aber das wars auch schon. Es fehlt die Musik dazu, die dem ganzen Leben gegeben hätte, es fehlt an mehr Kostümen, man hätte Outfits der Fans der damaligen Zeit nachstellen müssen, nicht nur in Fotos zeigen. Wenn ich schon Fotos von Osmond-Fans zeige, will ich auch sehen, was die Osmonds getragen haben.

Man hätte die Partyathmosphäre einer Party in Warhols-Factory  nachbeleben müssen, mit Bodennebel, Federboas, und eben… Musik. Und Thema mit Gegenwartskünstlern wie Lady Gaga, The Darkness oder Daft Punk wieder hineinholen ins Jetzt. Es fehlen Bezüge in der Kultur, eine Einordnung. Ein paar Plattencover an den Wänden, ein schwarz-weiß-Video von Warhol und -immerhin – eine lasziv Banane essende Dragqueen, auch gefilmt von Warhol. Dazu alte Starmagazine und ein paar Schlaglichter auf die Kunstszene, bei denen ich nur bedingt einen Zusammenhang zu Glam herstellen konnte. Eine Transe macht noch keinen Glamour aus.

Genauso enttäuschend wie die Ausstellung ist der Katalog, der sehr lieblos gemacht ist und auch der läßt nichts spüren vom Spaß, vom Glanz der Zeit, es wirkt wie Jahrmarktsrummel bei Tageslicht. Traurig und elend. Schade um ein Superthema, das eine Superausstellung verdient hätte.

2 Kommentare

  1. Heute geht es doch nur noch darum, stark aufzufallen. Das ist bei der Glam auch nicht anders. Als Kunst gesehen ist es vom Mainstream sehr abgehoben und ist für den Abend sehenswert. Jedoch würde ich nie mit solchen extravaganten Kleidungen durch die Straßen Frankfurts laufen. Genau wie bei den Designer-Präsentationen, wenn nicht einmal die Models mit ihren Kleidern über den Catwalk überleben.

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  2. Das ist sicher richtig, aber das war auch nicht der Punkt. Ich hätte mir in der Ausstellung viel mehr Athmospäre gewünscht, mehr Exponate, mehr Info. Ich gebe zu, ich bin jemand, der sich gern verkleidet und ich schrecke im Alltag nicht davor zurück, auch mal extravagantere Sachen zu tragen. wie die meisten Freunde von mir auch, aber darum geht es ja nicht bei der Glam-Ausstellung. Sondern um ein Schlaglicht auf eine Epoche, in der viel Neues ausprobiert wurde und in die Popkultur eingeflossen ist.

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