Seid doch endlich stolz auf euch!

Ja, ich trau mich auch, mich neben ein Model zu setzen.
Ja, ich trau mich auch, mich neben ein Model zu setzen.

Es gab mal einen Song „Affirmation“, in dem hieß es „I believe the beauty magazines promote low self esteem“. Diesen Satz kann ich nur unterschreiben. Denn ist nicht die Botschaft der Frauenmagazine ein ständiges „Optimiere dich selbst, dann optimierst du dein Leben?“ Und auch wenn beim DLD women es ein wichtiges Thema war, dass nur 4% aller Frauen sich schön finden, so wird sich doch an der grundlegenden Haltung nichts ändern. Beim DLD wären so viele Frauen im Raum gewesen, die daran etwas hätten ändern können. Die Frage bleibt, ob sie das wollen.

Denn Schönheit ist der Motor, der das Geschäft vieler Industrien am Laufen hält. Denn all die Hersteller von Beautyprodukten, die Frauenmagazine, die Diätbuchautoren, die Nahrungsmittelhersteller, die Pharmaindustrie, die Ärzte und Apotheker, die Bekleidungsindustrie und die Sportclubbetreiber, die Sportindustrie und die Medien ganz allgemein – sie alle verdienen gut am schlechten Gewissen und dem schlechten Selbstbewußtsein der Frauen.

Als ich beim DLD sass, war ich perplex: „Nur vier Prozent finden sich schön? Wie kann das sein?“ Aber dann dachte ich weiter: „Gut, für schön halte ich mich auch nicht, aber ich finde mich okay. Vor allem in dem Alter, so alt bin ich eben – ich kann mich nicht mehr mit Germanys next Topmodels vergleichen, aber deren Mütter, im gleichen Alter wie ich, sehen im Vergleich ganz schön alt aus. Passt also“. Ja, wispern jetzt Stimmen im Kopf, aber Heidi Klum ist doch auch 40. Und Jennifer Aniston und Demi Moore. Oder Madonna. Nimm dir ein Beispiel an denen…“Ne, ihr kriegt mich so nicht. Klar, wenn ich zwei Millionen an Schönheitschirurgen zahle und weitere Ersatzteile an mir verbauen lasse und jeden Tag einen Koch für Diätnahrung und einen Personal Trainer hätte, wäre bei mir sicher auch noch viel rauszuholen. Geht nicht, weil ist nicht.“

Und außerdem: Geht es nur ums Schönsein? Das war der zweite Punkt der mir komisch vorkommt. Gerade auf der DLD women waren so viele so tolle Frauen, erfolgreich, gescheit, empathisch, fantastisch humorvoll  und auch sehr attraktiv. Egal wie alt, egal welches Gewicht. Schön? Nicht alle nach den gängigen Geschmacksidealen. Und? Jede davon kann auf sich stolzer sein, weil sie mehr erreicht hat als einfach ein schönes Gesicht in die Kamera zu halten. Ich bewundere eine Bayerische Prinzessin (die nebenbei sehr hübsch ist), die Studien zur Intelligenz von Krähen macht mehr als eine reine Winkepuppe. Ich finde all die Doktorinnen, Professorinnen, Konzernleiterinnen, Politikerinnen, Beraterinnen und Chefredakteurinnen wunderschön, weil sie durch Kompetenz und Intelligenz bestechen, nicht, weil sie Eyecandy sind. Frauen sind mindestens so gute Chefs und haben es nicht nötig, nach Aussehen beurteilt zu werden.

Und das Gleiche gilt auch eine Etage drunter: Mütter, Frauen, die ihre Angehörigen pflegen, Ehrenamtliche – alle können stolz sein auf das, was sie leisten, und müssen ihr Selbstbewußtsein nicht daraus ziehen, ob sie sich optisch mit einem Hollywoodstar messen können oder nicht. Muss niemand. Und deswegen finde ich, dass sogar die berühmte und wirklich gute Dove-Kampagne in die falsche Richtung zielt. Denn es ist en Schritt, den Frieden mit seiner Optik zu machen, aber ein weiterer, sein Selbstbewußtsein aus seiner Leistung zu ziehen.

Und das müssen wir Frauen erst lernen.

7 comments

  1. Die Sache mit der Schönheit sehe ich ebenso – auch wenn ich die Dove-Kampagne in der richtigen Richtung sehe (ungeachtet dessen, dass es vom Unternehmen ein guter Marketing-Zug war, so sagt es dennoch die Wahrheit: alle Frauen sind schön).
    Aber Selbstbewusstsein durch Leistung? Da gehe ich nicht mehr mit. Man soll sich drüber freuen, was man erreicht hat und darf auch gern stolz drauf sein, aber sein Selbstbewusstsein sollte man daraus ziehen, dass man – wie das Wort schon sagt – sich selbst bewusst ist. Sprich: dass man weiß, wie wertvoll man selbst ist, dass man sich selbst vertraut und die Einstellungen, die man meist von den Eltern auf das eigene Selbst übernommen hat, gern überholt sind, da sie nur eine Abbildung der Lebensweise und des Bewusstseins von Mutter und Vater sind, die meist selbst schon meinten große Defizite zu haben – auch wenn sie es den Kindern nicht so gezeigt haben.
    Ankommen im Jetzt bei SICH SELBST – und sich darüber freuen.
    Dann ist auch egal, was in den Medien steht, denn das Umfeld spiegelt einen positiv zurück.

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    1. Ich finde, wir stellen unser Licht in jeder Hinsicht unter den Scheffel. Wo Männer megastolz auf sich sind udn das allen verkünden, halten sich Frauen vornehm zurück. Wir können selbstbewußt sein UND stolz auf unsere Leistungen. Und attraktiv und alles zusammen…

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