Wir sind alle Terroristen

Seit 2001 sind wir im Krieg – im »War against Terror«. In diesen zwölf Jahren hat sich die Welt sehr stark verändert. Wenn wir in den Urlaub fliegen wollen, werden wir durchleuchtet bis auf die Haut, wir dürfen keine Getränke mehr mitnehmen und wenn ein Hörgerät in einem Koffer ist, wird dieser zur Sicherheit schon mal gesprengt. In Bahnhöfen und Fußgängerzonen sind Kameras aufgestellt und über unseren Köpfen kreisen immer mehr Drohnen. Ebenfalls ein ganz großer Dorn im Auge der Law-and-Order-Vertreter ist das Internet. Um ein Mehr an Sicherheit zu suggerieren, soll auch hier unsere Privatsphäre auf der Strecke bleiben.

Durch die dauernd beschworene Bekämpfung des Terrorismus hat die Politik peu a peu das  Recht auf Privatsphäre ausgehöhlt. Der Staat will unsere E-Mails mitlesen und unsere Telefonate abhören. Private Kommunikation ist bei Facebook, Skype und Twitter unmöglich: alle dort eingestellten Informationen können von den jeweiligen Unternehmen gespeichert werden und unterliegen deren Richtlinien. Selbst deutsches Datenschutzrecht kommt in den meisten Fällen nicht zur Anwendung. Im besten Fall gibt es in Europa eine Zentrale in Irland.

Die Vorstellung, permanent vom Staat überwacht zu werden, ist für die meisten Menschen völlig abstrakt, sofern sie so etwas nicht bereits selbst zum Beispiel in der DDR erlebt haben. Jeder glaubt, dass er selbst nicht zu den Überwachten gehört und tut alleine schon die Möglichkeit, dass dies mit Computern vollautomatisch passieren kann, als Verschwörungstheorie von Paranoikern ab.

Aber es ist wahr: Unverschlüsselte Gespräche per E-Mail, in den sozialen Netzwerken und via Telefon sind öffentlich. Wir müssen jederzeit damit rechnen, abgehört zu werden – alles im Namen der Sicherheit und ohne, dass wir etwas davon erfahren. Die Gesetzgebung sieht immer öfter vor, dass eine Information an den Überwachten nicht erfolgen muss. Mitgescannt wird immer. Eine Liste von Wörtern wird gefiltert. Sagt oder schreibt jemand  eines dieser Wörter, vor allem in Kombination, wird genauer mitgehört. Ein Satz wie »Bombe, wie das hier abgeht, die Begeisterung sprengt jeden Rahmen« reicht bereits für einen Anfangsverdacht.

Viele fragen sich jetzt: »Ja und? Dann langweilt sich halt einer vom Verfassungsschutz mit den Mails mit meinem Exfreund.« Das Unbehagen der Datenschützer geht tiefer. Denn kombinierte Daten von EC-, Payback- und Kreditkarten, Handy, den sozialen  Netzwerken und den öffentlichen Überwachungskameras liefern ein umfassendes Profil jedes Einzelnen.  Und wenn der Staat reinhören kann, können sich auch andere draufschalten und die Daten womöglich missbrauchen. Eine 100%ige Sicherheit gibt es auch in der Datenverarbeitung nicht. Zum anderen ist es keine angenehme Vorstellung, dass der Staat pauschal alle Menschen unter Generalverdacht stellt, und so elementare Grundrechte ausser Kraft setzt, dass alle Menschen ein normiertes Verhalten an den Tag legen müssen, um nicht durch Zufall ins  Visier der Fahnder zu geraten, dass wir alle unsere Privatsphäre komplett offenlegen müssen für einen höchst vagen Terrorverdacht, dass wir gläserne Bürger sind vor einem Staat, der sich nur ungern in die Karten schauen lassen möchte.

Deswegen treten wir PIRATEN für mehr Privatsphäre ein und möchten, dass Privates auch wirklich privat bleibt – online wie offline.

One comment

  1. Ich denke das das Bewusstsein schon dafür da ist, aber ein große Mehrheit vor allem von jungen Leuten ist es egal. In der Familie haben wir 2 !!! weibliche!!! Facebookfreunde – die alles veröffentlichen, selbst das Zähneputzen. Die sagen ist mir doch egal. Aus dem Feld entsteht scheinbar auch eine 2 Klassengesellschaft, Die, denen es wichtig ist Ihre Privatsphäre zu schützen und die die keinen mehr haben (wollen). Als zweites fällt mir in der Generation um die 25 auf ! Statussymbole wie Auto usw. sind für eine Teil dieser Gruppe uninteressant, Interessiert einfach nicht, sonder ich möchte ETWAS haben was mich von A nach B bringt – mit dem geringstmöglichen ökologischen Fussabdruck und das zu realen Kosten.
    Elektronische Geräte werden ebenso ausgewählt. Das beste, weil es am längsten hält und ich brauche nur eines und wenn das Leben des Gerätes ausgehaucht ist, wird neu entschieden. Der Wachstumgedanken geht da so ganz langsam flöten. Warum Wachstum wenn man zufrieden ist??
    Kinder werden bewußt erzogen , Barbi usw, kann sein, aber eine reicht.
    Es findet ein Paradigmenwechsel statt, nicht das man SATT ist, sondern das man HUNGRIG auf Lebensqualität mit einem GUTEN Gewissen ist.
    Gemeinschaft wird als Wichtig gesehen, Der Nachbar ist nicht der dem man das neue Auto vorfährt, Sondern man freut sich mit Ihm, das er ein Hybrid
    sich leisten kann.
    Diese Gruppe ist scheinbar auch nicht so klein, Ich schätze in unserem Kleinstädtischen Millieu bei Leuten um die 25 bestimmt 20%.

    Die Piraten: war total begeistert, habe aber feststellen müssen, das die Mühen der Ebene doch ganz schön reinschlagen. Ist auch gut so, und es trennt sich die Spreu vom Weizen. Auch gut, was ich als Problem sehe, das nur noch zwei Wege gibt die technisch beschritten werden können und die beide Ihre Risiken stark in sich tragen: erstens der Weg Durch die Institutionen
    auf den Spuren (den technischen) der Grünen – oder als Dezentrale Organisation mit einer starken Zentrale (die wieder gefährdet ist, wenn man dort Berufspiraten installiert).
    Um wirksam zu sein kann man dagegen sein, oder bessere Vorschläge bringen. Wie bringe ich diese Vorschläge an jede einzelne Person. Theoretisch über die elektronischen Medien. Aber!! viele trauen der Sache immer noch nicht (siehe ganz oben oder finden es Heute hip und Morgen kommt auf dem gleichen Weg einer mit brauner aber nicht dummer Sauce im Kopf auf den Dreh.) ??? Das Risiko der Vorortbewegung ist die Zersplitterung – die eine „Ortsgruppe“ ist gegen-für Etwas und die Andere Für-gegen.
    Ich glaube, das der große Sprung in den Bundestag geschafft werden kann (wenn man es will) wenn man von Oben bis Unten oder noch besser andersherum ein Programm erarbeitet und dies über ALLE Kanäle an die Leute heran bringt. Nehmt die nicht mitgenommen mit und gebt eine paar Anderen noch eine Heimat. Das wäre schon eine Glanzleistung, Überlastet nicht innerhalb und Außerhalb, Liquid ist gut, aber nicht jeder Kram muss breitgetreten werden. Die Kunst der Beschränkung ist wichtig.
    Alles Archivieren und bereitstellen für schnelle Zugriff ist wichtiger als alle
    halbe Stunde einen Mail über dem Kauf von XY. (ich bin im Bundesverteiler!) Streitkultur ist wichtig aber nicht die Kunst des Zerreden. Aber das wird werden. Hoffe ich, da ich denke das Ihr wichtig seid.

    Gruß aus der Provence des Osten. Miki

    Ich weiß das keinerlei Vorschläge zu möglichen Änderungen dabei waren, aber es sollte nur mal ein Bericht aus der heutigen Situation im tiefsten Osten sein.

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