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„Wir Frauen sind so“ – Nein, sind wir nicht

Je nachdem, in welcher Filterblase man lebt, ist das Thema Sexismus und #aufschrei entweder übermächtig oder nur ein Thema von vielen, das durch die Talkshows getrieben wird. Manche Frauen sprechen von nix anderem mehr, andere tun es mit einem Schulterzucken ab. Das ist okay so, und das sollten auch die bedenken, die sich in Talkshows herausnehmen, im Namen aller Frauen zu sprechen. Das halte ich für ein Unding, denn es gibt bei allen Frauen grundverschiedene Auffassungen davon, wie ein Mann mit einer Frau umzugehen hat, wie das Machtverhältnis tatsächlich verteilt ist, wie definiert wird, was okay ist und was nicht.

Allein der Blick ins Fernsehprogramm gestern beweist – da ist noch viel, was zu debattieren und definieren ist. Der Fernsehabend in RTL startet mit Bohlen, da werden Männer und Frauen gleichermassen fertiggemacht, dann geht es weiter mit dem Bachelor. Ein Mann, umbuhlt von diversen Frauen, die alle versuchen, ihn für sich einzunehmen. Hier ist die Geschlechterwelt noch in Ordung. Oder? Naja, nicht ganz. Geht man einen Schritt weiter, dann ist die Motivation der Frauen, bei dieser Sendung teilzunehmen, weniger die Hoffnung auf den Traummann, sondern viel mehr die verwertbare mediale Aufmerksamkeit, die damit einhergeht. Die Frauen präsentieren sich schön, sexy, willig – und hoffen, das Fernsehpublikum honoriert das und macht aus ihnen kleinere bis größere Medienstars, Moderatorinnen, Soapdarstellerinnen, professionelle Partybesuchererinnen mit Abo auf den roten Teppichen dieser Republik. Der eigentlich ganz nette Kerl, den es auch noch zu gewinnen gibt, ist bestenfalls das Sahnehäubchen. Ich glaube nicht, dass sich eine Frau davon von der #aufschrei-Bewegung vertreten fühlt. Die versuchen, dank Aussehen und dem Ausspielen weiblicher Reize Aufmerksamkeit zu erzielen – beim Bachelor und vor allem beim Zuschauer. Die (und alle anderen, denen diese Frauen als Rollenmodell dienen) würden sich schön bedanken, wenn kein Mann sie mehr ansähe. Das kann man gut oder schlecht finden, ich sehs mal wertfrei, auch wenn es nicht mein Weg ist.

Im krassen Gegenteil dann dazu die Initiatorinnen der #aufschrei-Bewegung bei sternTV. Die versteigen sich sogar soweit, dass Sexismus nur von Mann zu Frau möglich sei, weil die Machtverhältnisse unserer Gesellschaft den Mann über die Frau stellen. Grundsätzlich. Das finde ich falsch. (Ich möchte bei meinem Beitrag zur Debatte noch einmal ganz klar jeden sexuellen verbalen oder tätlichen Übergriff ausnehmen, oder Fälle, in denen Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt werden. Das ist indiskutabel, darum geht es mir nicht.) Aber mir geht es um diese unendlich komplizierte Grauzone der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die mit Online-Dating, Casual-Sex-Webseiten, Swinger-Communities in einer übersexualisierten und unterfickten Gesellschaft nicht einfacher wird. Wann ist die Frau ein Objekt? Wann der Mann?

Denn im Rahmen der Beziehungsanbahnung ist es anders: Gerade bei der Beziehung zwischen Mann und Frau hat die Frau mehr Macht als der Mann, sie kann sich zurücklehnen und abwarten, ablehnen und gewähren, das kann ein Mann nicht so leicht. Der Mann ist meist der, der den ersten Schritt zu machen hat. Außer in so Sondersituationen wie Bachelor, was vielleicht auch ein Reiz dieser Sendung ist. Ich behaupte sogar, viel Grobheit der Männer entsteht aus diesem Ungleichgewicht der Macht, aus der Frustration darüber, dass der Mann meist derjenige zu sein hat, der den ersten Schritt tut, der die Körbe kassieren muss. Frau wählt aus – oder eben auch nicht.

Wir kommen wir da wieder raus? Ganz einfach: einfach mal wieder durchatmen. Die Dinge mit Abstand betrachten. Harmloses von Nichtharmlosen für sich selbst unterscheiden und jede Frau für sich selbst eine Grenze setzen lassen und nicht in ihrem Namen sprechen. Nicht  die eigene Befindlichkeit zum Maßstab nehmen. Ich möchte selbst die Wahl haben, ob ich etwas als Unverschämtheit empfinde oder als Kompliment.  Wie seht ihr das?