Redet doch endlich mit uns!

Am vergangenen Mittwoch war mal wieder MedienMittwoch in Frankfurt. Und diesesmal war das Thema besonders spannend – vom Wert menschlicher Arbeit. Es ging um Motivation und Kreativität, um den demographischen Wandel und das, was uns alle wirklich antreibt. Von Lohn und Belohnung. Doch der Saal war vor allem da wie elektrisiert, als es darum ging, ob unser System überhaupt noch tragfähig ist.  Denn anstelle von Wischiwaschi gab es Klartext aus berufenem Munde: Besonders beeindruckt hat mich bei der Veranstaltung Professor Peter Wesner, der ein ungeschöntes und damit unschönes Bild der nahen Zukunft skizzierte: er war der Meinung, dass die Krise uns spätestens nach der kommenden Bundestagswahl im Griff hat. Und uns eine Inflation um die Ohren fliegt, die wir noch gar nicht abschätzen können. „Es war unser Fehler, den Banken zu erlauben, selbst Geld schöpfen zu können. Und es haben Leute, die gerade kein Geld haben, Geschäfte mit Leuten gemacht, die gerade keine Waren hatten. Diese Leergeschäfte waren Wetten auf die Zukunft – und die kommen uns alle teuer zu stehen.“, so Wesner.

Ich hoffe, er irrt sich. Was allerdings auffällt, dass auch immer mehr hochrangige Wirtschaftsspezialisten (wie auch Wesner einer ist) dieses düsteres Bild malen. Und das, während die Regierung beschwichtigt und alle auf den Euro und den ESM einschwört. Es gibt so viele Ungereimtheiten in der Krise: Erst mahnt z.B. Frau Lagarde, es ginge nur noch ganz wenige Monate, sonst wäre alles den Bach runter,  jetzt – dank dem Verfassungsgericht – hat es die Krise plötzlich gar nimmer so eilig. Was soll das – kann man die Krise aufhalten, indem man ihr einfach sagt, halt kurz still? Natürlich nicht. Das davor war Druck und Panikmache. Wieso? Wieso etwas so Elementares schneller durchpeitschen als ein Meldegesetz? (Fast)

Ich möchte von unserer Regierung etwas Großes: die Wahrheit. Ich will keine Schönfärberei, sondern hören: wie kann es im schlimmsten Fall ausgehen, wie im besten? Mir wäre sogar mit einem „ich hab auch keine Ahnung, was passieren wird, aber wir haben uns für die Bankenrettung entschieden, weil…“. Das wär doch mal was. Einfach sagen, was euch antreibt. So doof sind wir nicht, wir können das ab – ich mein, mit den Folgen müssen wir ja auch leben. Ich hab zwar keine Ahnung, wie der Weg aus der Krise führt, aber ich hätte gerne die Gewissheit, dass ihr wißt, was ihr tut. Das Mißtrauen ist derzeit extrem tief – wie berechtigt, vermag ich nicht zu sagen. Es gibt doch nur ein paar Gründe, uns nichts oder zu wenig zu sagen:

a) Ihr wißt es auch nicht

b) Die Wahrheit würde euch Wählerstimmen kosten

c) Ihr haltet uns für zu doof, das zu kapieren.

Nichts davon ist besonders gut im Umgang mit dem Souverän Volk. Bekannte von mir haben schon vermutet, dass der Polizei-Overkill bei Blockupy eigentlich eine Generalprobe war, um zu testen, wie’s geht, wenn tatsächlich die Molotowcocktails gegen die Bankentürme fliegen. Es ist schlimm, dass viele Bürger der eigenen Regierung so etwas zutrauen und derartig mißtrauen. Deswegen wäre Reden klasse. Jetzt, bevor es zu spät ist. Wir halten die Wahrheit aus. Besser, als ewige Hinhalterei bis zur kommenden Bundestagswahl und anschliessendem Börsencrash. Weil dann wird es ungemütlich.

One comment

  1. Spricht mir aus dem Herzen. Und ich kenne viele, denen es ähnlich geht. Wie lange das wohl noch gährt und was wird sich da dann bewegen? Und wohin?

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