Zwischen Rechtsstaatlichkeit und Moral – meine Gedanken zum Inzest-Urteil

Es ist schon schwierig, wenn man sich als ganz normaler Mensch in die Politik einmischt. Denn manchmal komme ich an Grenzen, die für mich nicht überschritten werden sollten. Zum Beispiel, dass die Partei, der ich jetzt angehöre, den Inzest-Paragraphen als unzeitgemäß abschaffen will. Formaljuristisch geb ich ihnen recht: klar, einvernehmlicher Sex unter Erwachsenen sollte Privatsache sein. Es geht mich nichts an, wenn es sich nicht um Schutzbefohlene handelt oder um ein Abhängigkeitsverhältnis (wobei wir uns da bei Inzest auf extrem dünnem Eis bewegen, deswegen vielleicht auch mein Bauchgrummeln). Ich lache auch über US-Bundesstaaten, die Oralverkehr unter Strafe stellen wollen oder sogar jeden Sex, der nicht der Fortpflanzung dient, verbieten. Dennoch tue ich mich extrem schwer mit dem Okayfinden von Inzest.  Ich weiß, das ist mein privates Dilemma, das aus uralten moralischen Tabus rührt.Es ist mir auch klar – jedenfalls vom Kopf her – dass man nicht mit Gefühlen und Empfinden Politik und Gesetze machen kann, sonst hätten wir fix die Todesstrafe für Kinderschänder, was ja  wirklich niemand wollen kann. Aber trotzdem…

Ich kann nun auch besser das Unglück von christlichen Piraten nachfühlen, die sich bei den Tanzdemos am Karfreitag wohl so gefühlt haben wie ich jetzt. Aber das ist der Preis der Freiheit und der Preis der Rechtsstaatlichkeit, dass ich auch Dinge akzeptieren muss, die mir völlig gegen den Strich gehen.

Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so berührt.

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