Fernsehen vom Allerwiderlichsten

Ich bin echt entsetzt. Zutiefst schockiert. Und das meine ich nicht ironisch. Gestern abend wurde meine Twittertimeline auf einmal ganz wuschig über eine Sendung namens #sg. Ich hab erst mal schauen müssen, was der Hashtag bedeutet…jetzt weiß ich es: Schwiegertochter gesucht. Bislang hab ich ja immer um diese Sendungen herumgezappt, ab und an mal bei Bauer sucht Frau reingeguckt. Gut, da waren die Leute nicht frisch aus dem Modelkatalog, die Wohnungen nicht mein Geschmack und die Romantik abgestanden, aber es hielt sich im Rahmen. Aber was da gestern über den Bildschirm flimmerte, hat mir echt die Sprache verschlagen.

Wie kann man Leute, die so offensichtlich nicht kapieren, was da mit ihnen gemacht wird, so derartig vorführen? Seit wann ist es wieder politisch korrekt, ins Panoptikum zu gucken? Während bei jeder anderen Sendung ein Stab von Stylisten udn MakeUp Artists sich darum kümmert, die Gezeigten möglichst vorteilhaft ins Bild zu bringen, hat man hier die Leute ins offene Messer laufen lassen: Pickel, fettige Haare, unvorteilhafte Kleidung. Die Gemüter so schlicht wie die Bowle mit Dosenobst.

Die Handlung dürftig, die Kommentare gnadenlos zynisch, saccarinsüß wird von Romantik gefaselt und nichts, nichts, nichts ist romantisch an dem Scheißdreck. Denkt einmal jemand darüber nach, wie es den Leuten hinterher geht? Wie es den Abgewiesenen oder denen geht, die behalten werden?

Ja, ja, ich weiß, jetzt kommt gleich: „Die wissen doch, was ihnen blüht, das läuft doch immer so im Fernsehen.“ Und da sag ich, nein, die wissen es nicht. Das ist genau das Widerliche daran, dass man Leute auswählt, die eben genau nicht abschätzen können, in was sie da reingeraten. Die haben in ihrem Leben vielleicht noch nie eine Beziehung gehabt, haben irgendwelche romantischen Hefterl gelesen und träumen vom großen Glück. Darf man mit solchen Gefühlen spielen? Ich finde nicht.

Es gab mal eine Sendung im Österreichischen „Liebesgeschichten und Heiratssachen„, da kamen diese Leute auch zu Wort. Aber liebevoll und würdevoll. Ich finde auch nicht, dass nur Models unsere TV Kanäle bevölkern sollten. Es ist gut, wenn jedermann zu sehen ist – aber bitte nicht als zynische Verarsche.

5 comments

  1. Ein solches Format anzubieten (wie auch immer „die armen Opfer“ in diese Sendung „hineingeraten“) ist zwar traurig, aber daß es ein großes Publikum gibt, daß diese Sendung sogar anschaut, ist das eigentliche Drama.

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  2. Die Dokusoap „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ ist Kult und damit hat Elisabeth T. Spira Maßstäbe gesetzt. Das Intro ist schon phantastisch, sensible Interviews mit Tiefgang, außergewöhnliche Typen aus allen Gesellschaftsschichten mit großem Respekt für ihre Andersartigkeit dargestellt. Das ist Journalismus vom feinsten und Unterhaltung zugleich.
    Das was Du beschreibst ist journalistischer Schrott und unwürdig zugleich. Da gibt es nur eins: weiterschalten!

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