Promis und Presse – der Pakt mit dem Teufel

Es wird viel gewitzelt, was die Promintenten, die für die Bild in ihrer Plakat-Kampagne werben, wohl für Leichen im Keller haben, dass sie da mitmachen. Vielleicht mögen sie die Zeitung ja wirklich. Vielleicht sehen sie auch, dass ihnen diese Kampagne viel bringt und sie in Zukunft des Wohlwollens der Bild sicher sind. Gut für jemanden wie Ex-Handballer Kretschmer, der sich auf Feten schon mal angeschickert mit Lorielle London ablichten läßt. Vielleicht…

Das Geflecht von Prominenten, PR-Agenturen, Agenten und Medien wird immer komplizierter. Es ist ein Geflecht gestrickt aus Geld und Geltungssucht, Auflagensteigerung und Eitelkeit. Medien brauchen Inhalte, Promis (oder solche, die es werden sollen) brauchen Presse. Die Bunte bringt es in ihren Eigenanzeigen auf den Punkt: „Ohne Bunte wäre es bloss eine weitere dumme Kuh“ – um die Kampagne mal ein bisserl abzuwandeln. Die Promis wollen, dass die Presse im Karriereaufzug nach oben mitfährt und freuen sich, wenn sogar noch einige Knöpfchen gedrückt werden, die alle Beteiligten noch ein paar Stockwerke höher bringen. Aber wehe, der Aufzug geht nach unten – da hat ma aber als Presse ganz schnell wegzubleiben. Wer das erwartet, ist naiv, denn die Geschichten speisen sich vor allem aus „großen Emotionen“ und die gibt es nur bei großen Freuden – Hochzeit, Baby, Oscar – oder eben bei großen Tragödien – Pleite, Unfall, Krankheit, Tod.

Dennoch muss man sich bei den Geschehnissen der letzten Tage fragen, wie weit die Presse gehen darf. Ich finde, bei  Ottfried Fischer hat sie eine klare Grenze überschritten. Ich vermisse die Zeiten, als noch dezent über die stadtbekannte Homosexualität des beliebten Volksschauspielers Seldmayr geschwiegen wurde – weil es eben keinen was anging – so dachte man damals. Heutzutage würde wahrscheinlich über kurz oder lang ein Strichervideo auftauchen, dass genüßlich ausgeschlachtet würde – da bin ich sicher. Fischer ist eine tragische Figur, ein beliebter Schauspieler, ein geschätzter Kabarettist – ich persönlich finde dessen Demontage zum Kotzen. Dass seine Presseagentin bie der schmuddeligen Affäre billigend zugestimmt hat um Schlimmeres abzuwenden – keine gute Entscheidung. Ich sehe auch nicht die Pressefreiheit gefährdet, wie Bild gleich pathetisch aufjault, sondern ich sehe denGeschmack gefährdet. Muss man denn alles schreiben, was man weiß? Zumal man bei anderen Größen des Showbiz weitaus sensibler ist – vielleicht, weil diese Größen mächtiger sind und nur unbeschadet Quote versprechen. Der Showmaster, von dem ebenfalls Bordellbilder kursieren – da schreibt niemand…aber mit Otti Fischer, schwer krank, da kann mans ja machen.

Ich bin nicht dafür, alles in Watte zu packen und nach Art der Mongeassen nur glamouröse Momente an die Presse zu geben – aber den Müll extra durchwühlen oder  – bildlich gesprochen – in die Klokabine folgen muss man als Presse nun auch nicht.

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